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Datathon am DHIP und DFK Paris

Die Teilnehmer:innen arbeiteten in Gruppen an kleinen Forschungsprojekten zu den Daten des DHIP und DFK Paris (Foto: Markus Castor, DFK Paris; CC BY-SA 4.0).

Die Ergebnisse des Datathons begeisterten die Datengeber und Organisatoren durch ihre hohe Qualität.

Forschungsdaten anreichern, interpretieren, präsentieren - der erste Datathon des Deutschen Forum für Kunstgeschichte (DFK Paris) und Deutschen Historischen Instituts Paris (DHIP) erbrachte erstaunliche Ergebnisse. 29 junge Wissenschaftler:innen der Geschichte, Archäologie sowie Kunstgeschichte aus Frankreich und Deutschland experimentierten mit Daten beider Institute. Vom 24. bis 26.11. erweiterten sie ihre Kenntnisse der Methoden der Digital Humanities (DH) und tauschten sich mit Expert:innen in Paris vor Ort aus.

Die Daten der Korrespondenz der Constance de Salm, des Adressbuchs der Deutschen in Paris von 1854 und das Adressbuch der Deutschen von 1854 vom DHIP sowie die Korrespondenz Fantin-Latour - Otto Scholderer und des Forschungsprojekts Deutsch-französische Kunstvermittlung 1871 - 1940 und 1945 - 1960 des DFK Paris, wurden am ersten Tag in Kurzvorträgen vorgestellt. Alle Teilnehmer:innen und Expert:innen entwickelten zusammen erste Fragestellungen und bildeten selbstorganisierte Gruppen, die in den folgenden Tagen an einem kleinen Forschungsprojekt arbeiteten. Die Vielfältigkeit der Datensets, die alle einen Schwerpunkt im 19. Jahrhundert haben, bot einen idealen Nährboden für unterschiedliche Ansätze. Die Teilnehmer:innen haben die Daten mit Normdaten angereichert und analysiert, um eigene Hypothesen zu entwickeln und zu testen. Chancen aber auch Limitierungen der Daten haben die Teilnehmer:innen im regen Austausch mit den Expert:innen diskutiert. Zwischen den Gruppenarbeitsphasen konnten die Beteiligten in mehreren Breakout Sessions, die von Expert:innen wie Anne Baillot (Université du Mans), Johanna Daniel (Institute national Histoire d’Art (INHA)) und Martin Grandjean (Université de Lausanne) angeboten wurden, ihre Kenntnisse zu Methoden der DH vertiefen.

Nach 2,5 Tagen intensiver Arbeit stellten die vier Gruppen ihre Ergebnisse vor:
Die erste Gruppe verfolgte eine Fragestellung der Spatial Humanities. Sie ließ auf Grundlage des Adressbuchs mit interaktiven kartographischen Visualisierungen u. a. die sozialen Strukturen und die Berufsgruppen von Paris um 1854 sichtbar werden. In eine andere Richtung ging das Projekt der zweiten Gruppe, die ebenfalls eine Anreicherung der Adressdaten vorgenommen hat, um sie anschließend maschinenlesbar als RDFa Triple zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise könnten die Daten zukünftig über Persée angeboten werden.
Der Briefaustausch von Henri Fantin-Latour und Otto Scholderer wurde von der dritten Gruppe unter verschiedenen Aspekten betrachtet: Netzwerkanalysen mit Gephi ebenso wie kartographische Visualisierungen auf der Basis von Open Street Maps zeigten die historische Kontextualisierung der Briefe. Interaktive Graphen mit dem Tool tableau präsentierten außerdem die Verteilung der in den Briefen genannten Künstler nach Nationalitäten.
Eine anspruchsvolle Aufgabe stellte sich eine vierte Gruppe, die nach einer Transkription und Anreicherung der Korrespondenzen von Constance de Salm eigene Hypothesen mittels der Sentiment Analysis untersuchen wollten. Hierbei stießen sie auf methodische Probleme, konnten aber andere Erkenntnisse gewinnen, u.a. welche Schreiber für die verschiedenen Inhalte von Constanze von Salms Korrespondenz beauftragt wurden. Eine Dokumentation der Arbeitsgruppe wurde im Blog Hypotheses veröffentlicht. Zusätzlich entstand noch ein Twitter Bot auf Grundlage dieser Briefsammlung, der täglich einen Tweet mit den Anfängen eines der 2900 Briefe über @ConstanceSalm postet.

Die Veranstalter:innen, Gérald Kembellec, Anne Klammt und Mareike König, waren positiv überrascht von der Vielfältigkeit der Ansätze ebenso wie der hohen Qualität der Projekte. Die Verantwortlichen der Datenprojekte, z.B. Mathilde Arnoux für die Korrespondenz Fantin-Latour - Otto Scholderer, waren ebenfalls sehr begeistert von den Ergebnissen und die Teilnehmer:innen berichteten, sie hätten aus den Projekten viele Erkenntnisse ziehen können.

Abendvorträge in Präsens oder über Zoom rundeten den Datathon ab: Charlotte Duvette und Loïc Jeanson (beide INHA) stellten am 24.11. am DFK Paris das Projekt “Quartier Richelieu” vor. Das Quartier, das den Louvre, l’Opéra, den Place des Victoires bis zu den großen Boulevards umfasst, wurde in einer Rechercheplattform für zukünftige Forschungen rekonstruiert. Silke Schwandt (Universität Bielefeld) hielt am 25.11. am DHIP den Vortrag Méthodes numériques en histoire: la notion de ‘Communities of practice’ et la réflexion de la pratique scientifique, der von Émilien Ruiz (Science Po) kommentiert wurde. Die Reflexion der Methoden innerhalb der Disziplinen der DH und der Geschichtswissenschaften wie ihre Anbindung in den größeren Kontext historischer Forschung wurden an diesem Abend thematisiert.

Der Datathon war die erstmalige Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen der Max Weber Stiftung in Paris im Bereich der Digital Humanities. Bei der konzeptionellen und organisatorischen Vorbereitung waren die Hilfskräfte (Deborah Schlauch, Evan Virevialle) sowie die Praktikant:innen (Anna-Lena Brunecker, Eike Löhden) beteiligt.
Weitere Informationen zu den Projekten werden voraussichtlich in Artikeln auf dem Blog des DHIP erscheinen.

 

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