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Was steht in der digitalen Kunstgeschichte an?

Ein Vorschlag

Nach 20 Jahren Kunstgeschichte im Internet wird man behaupten dürfen, dass zwar noch immer weit mehr in diesem nicht mehr ganz so neuen Medium zugänglich gemacht werden kann und sollte als bislang der Fall, dass aber doch verdammt vieles schon vorhanden ist, aber eben schwer zu greifen. Mein Vorschlag zu der gestellten Frage verliefe dementsprechend zweigleisig. Erstens neues Material einbringen, zweitens und vor allem aber das Viele, was schon im Internet vorhanden ist, sicht- und nutzbar machen. Dafür wäre vor allem notwendig, die irrsinnig umfangreichen Informationen, die in unstrukturierter oder nur schwach strukturierter Form vorliegen (also nicht wie in gängigen Datenbanken) , in übergreifende Suchen nach Künstlern, Techniken, Datierungen oder Ikonographien einzubinden. Man nehme einmal folgende typische Abbildung aus einem Ausstellungskatalog

 

Es wäre nun wichtig, wenn jemand, der in einer Meta-Bilddatenbank (also einer, die mehrere online vorliegende Bilddatenbanken integriert) nach dem Künstler Ernst Riegel sucht (oben rechts!), oder nach einem "Deckelpokal", oder nach Werken aus dem Jahr 1903 auf dieses Werk stieße. Das ist ganz und gar nicht trivial, und zwar eben wegen der Unstrukturiertheit der Informationen. Woher soll der Computer etwa wissen, dass diese Information oben rechts sich auf den Künstler bezieht?

Das wäre mal etwas, womit man die Informatiker quälen könnte! Aber es würde unschätzbare Dienste leisten, weil es unseren Datenbestand auf der Basis des Vorhandenen locker vervielfachen würde!

 

 

6 Kommentar(e)

  • Georg Hohmann
    07.06.2013 22:50
    Named-entity recognition

    Mir scheint das Szenario nicht _die_ Herausforderung der Digitalen Kunstgeschichte zu sein. Gib man schlicht die ersten sechs Worte und Nummern in Google ein, erhält man als ersten Treffer den Wikipedia-Artikel zum Künstler, die weiteren Treffer bieten weitergehende, relevante Information. OCR ist - bei solchen aktuellen Druckwerken - sehr leistungsfähig, d.h. man bräuchte den Text der Seite gar nicht erst abtippen. Zudem gibt es Dienste wie OpenCalais (http://www.opencalais.com/), die in solchen "unstrukturierten" Texten relativ zuverlässig die unterschiedlichen Entitäten (Person, Ort, Jahreszahl etc.) erkennen können. Diese "Named-entity recognition" (http://en.wikipedia.org/wiki/Named-entity_recognition) ist ein zentrales Arbeits- und Forschungsgebiet der digitalen Textwissenschaften nicht nur im Bereich der Informatik.

    Was m. E. fehlt, sind eigentlich die verlässlichen Inhalte. Warum wird denn immer auf Wikipedia, Artchive etc. verlinkt? Weil es kein entsprechendes Angebot aus dem Bereich der Kunstgeschichte gibt, das aktuelle und wissenschaftlich fundierte Fachkenntnisse online verfügbar macht.

    • Hubertus Kohle
      08.06.2013 08:16
      Danke

      Der Titel war in der Tat prätentiös. Aber an OCR hatte ich natürllich auch gedacht, in erster Linie aber an die vielen Inhalte, die längst maschinenlesbar online sind. Der Hinweis auf open calais ist super. Das scheint genau das Richtige zu sein. Aber gibt es da in der Kunstgeschichte Projekte, die etwa all die historischen Zeitschriften mit zehntausenden Werkabbildungen suchbar machen, die etwa auf dem Heidelberger server gespeichert sind?

  • artports.com
    03.06.2013 15:05
    Google Bild-Erkennung

    Über die Google Bildersuche können auch Bilddateien hochgeladen werden, um darin enthaltene Personen oder Orte herauszufinden. Immerhin ein Anfang.

  • Kulturgeschnatter
    03.06.2013 14:00
    Wäre etwas einheitliches da nicht schön?

    Allein die Nennung von mehreren Medien, hier Digitalt Museum und Modell Europeane zeigt schon eines der Probleme: Gibt es denn überhaupt so etwas wie eine zentrale Datenbank? Es erscheint oft eher so, als gäbe es eine Million verschiedener mehr oder weniger umfangreicher Angebote...und die Informationen sind darin zum Teil sogar widersprüchlich...

  • Michael Müller
    03.06.2013 08:55
    Aber in welchen Strukturen?

    Stimmt, das wäre dringend notwendig! Die Frage ist nur: In welchen Strukturen? Das Modell Europeana oder auch lokale/nationale Verbünde wie Digitalt Museum (Norwegen und Schweden) sind da meines Erachtens nicht wirklich die Lösung. Ich sehe da eigentlich nur einen Akteur, der das sauber hin bekäme: Google, was auch nicht wirklich begeistert ...

    • Hubertus Kohle
      03.06.2013 10:27
      Habe ich noch nicht überlegt

      War erst mal nur eine Idee. Bei genauerem Nachdenken würde ich allerdings vermuten, dass man das rein automatisiert nicht hinbekommt. Denn manchmal steht - um nur eine Beispiel zu geben - der Name des Künstlers auf der linken Seite, und auf der rechten wird er nicht mehr wiederholt, weil eine ganze Reihe von Werken von diesem Künstler gezeigt wird. Aber ich könnte es mir als halbautomatisches System vorstellen, das man mit crowdsourcing-Elementen mischt. Also: Das System schlägt mehrere Optionen vor, die crowd bekommt die Originalseite zu sehen und klickt eine der möglichen Optionen an. Das könnte sogar Spaß machen, und es würde sicherlich schneller gehen, als wenn man mühsam einzelne Datenfelder per copy and paste befüllt.

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