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Neue FONTES Editionen – Ende 2012-Anfang 2013: FONTES 67, 71, 72, 73, 74 und die nächsten Nummern

FONTES 74:
Die zweite, korrigierte Fassung von LEONARDO DATI, Trophaeum anglaricum (1443; nach dem Codex Riccardianus 1207, fol. 47v-58r = Fontes 65) wurde neulich als Fontes 74 veröffentlicht. Hier wird Leonardo da Vincis Konzeption seiner verschollenen „Anghiari-Schlacht“ (Florenz, Palazzo Vecchio, um 1503/1505) anhand schriftlicher und bildlicher Quellen, im Besonderen anhand der zeitgenössischen panegyrischen Beschreibung dieses historischen Ereignisses (1440) im Werk „Trophaeum anglaricum“ – vom Florentiner Humanisten Leonardo di Piero Dati 1443 verfasst – analysiert und besprochen. Das lateinische Gedicht aus 500 Hexametern (Handschrift in der Biblioteca Riccardiana, Florenz) wird von Gregor Maurach transkribiert, ins Deutsche übersetzt und diskutiert. Die ausführliche Kommentierung – im Grossen und Ganzen hier zum ersten Mal durchgeführt – entstand in Zusammenarbeit mit der Kunsthistorikerin Claudia Echinger-Maurach.

IN DEN LETZTEN MONATEN SIND ANDERE NEUERSCHEINUNGEN BEI FONTES INS NETZ GESTELLT:



FONTES 67
:
PIETRO DELLA VALLE’s Research and documentation in the Levant, Part II: Della Valle’s Descriptions, Explications and Documentation of „Troia“, Babylon („Babèl“), Sultaniyya („Sultania“), Ikkeri and the tombs of the poets in Shiraz; excerpts from: Pietro della Valle, Viaggi di Pietro Della Valle il Pellegrino. Con minuto ragguaglio di tutte le cose notabili osservate in essi (Roma 1650-1663).

Fontes 67 ist eine Fortsetzung und Ergänzung zu Fontes 66: PIETRO DELLA VALLE, Forschung und Dokumentation in der Levante, Part I: Della Valles Erforschung der Ruinen von Persepolis im Jahre 1621; Auszüge aus: Pietro Della Valle, Viaggi di Pietro della Valle il Pellegrino. Con minuto ragguaglio di tutte le cose notabili osservate in essi Roma 1650- 1663), bearbeitet mit einer einleitenden Studie von Margaret Daly Davis. Die folgenden Texte von Della Valles „Viaggi“ sind im Volltext-Transkriptionen veröffentlicht und diskutiert: „Troia“, Babylon („Babel“), Sultaniyya („Sultania“), die Hindu-Tempel von Aghoresvara in Ikkeri und die Gräber der Dichter Chogià und Sceich Saadi in Shiraz.

FONTES 68
; see Blog: blog.arthistoricum.net/beitrag/2012/10/08/fontes-68-henry-wotton-the-elements-of-architecture-part-i/ (HENRY WOTTON, The Elements of Architecture, London 1624: Teil 2 und Teil 3 werden in der nächsten Zeit folgen).

FONTES 69
; see Blog: blog.arthistoricum.net/beitrag/2012/11/26/fontes-69-on-military-encampments-antonio-albertis-unknown-treatise-della-architettura-militare-c/ (ANTONIO ALBERTI, „Della architettura militare chiamata volgarmente fortificazione“).

Fontes 69 stellt eine unbekannte Abhandlung über die Militärarchitektur des Architekten und Ingenieurs ANTONIO ALBERTI von Urbino (fl. 1570-1585), Della Architettura Militare chiamata volgarmente fortificazione, vor. Eine umfangreiche synoptische Beschreibung der verschollenen Original-Abhandlung Albertis wurde in tabellarischer Form in Le scienze matematiche ridotte in tavole (Bologna 1577) von Fra Egnazio Danti (1536-1586) publiziert. Diese synoptische Ausgabe wird hier als Volltext-Transkription wiedergegeben. Antonio Albertis ‚neue’ Abhandlung wird im Rahmen ähnlicher Werke von früheren und zeitgenössischen Autoren betrachtet: Sebastiano Serlio, Guillaume Du Choul, Gian Giorgio Trissino, Andrea Palladio, Pietro Cataneo und Giovanni Franco. Die im Wesentlichen praktische und empirische Natur von Albertis Text wird so verdeutlicht.

FONTES 70
; see Blog: blog.arthistoricum.net/beitrag/2012/11/26/fontes-70-carteggio-vasariano-a-letter-from-carlo-serpa-and-twelve-related-documents/ (Brief von CARLO SERPA an GIORGIO VASARI, 1561; Archivio di Stato, Florenz).

Fontes 70 stellt einen Brief des Bologneser Prälaten CARLO SERPA an Giorgio Vasari (1561) vor, zusammen mit zwölf anderen zugehörigen Dokumenten, die die Stellung des Serpa in der Welt von Vasari, Pietro Aretino und Tizian verdeutlichen. Diese belegen auch seine Tätigkeit als einflussreicher Akteur in der Welt päpstlichen Mäzenatentums und als Kunsthändler in Rom, Florenz, Venedig und, jenseits der Alpen, in Bayern. Die Briefe werden im Kontext des literarischen Nachlasses Vasaris analysiert, insbesondere in Zusammenhang mit der historischen Wiederherstellung seines „carteggio“ (Briefverkehr) zuerst in den Jahren des siebzehnten bis neunzehnten Jahrhundert, dann nach der Wiederentdeckung des Vasari-Archivs durch Giovanni Poggi im Jahr 1908 und der anschließenden Veröffentlichung des Nachlasses von Karl Frey 1923-1930, und schließlich im Rahmen der jüngsten Forschungen.

FONTES 71:
Carteggio Vasariano, II.: „XL or XXL?“: Letters lost and found.  Cavaliere GIORGIO VASARI IL GIOVANE, „Nota di diversi Gran’ Principi, et Signori che hanno scritto in diversi tempi à messer GIORGIO VASARI (...)“, in: Varie lettere di messer Giorgio Vasari Aretino Pittore, et Architettore, (...) raccolte dal Cavaliere Giorgio Vasari suo Nipote (...), Firenze, Biblioteca Riccardiana, Ms. Riccardiana, 2354, fol. 91r–92v, circa 1590.

Fontes 71 präsentiert eine Volltext-Ausgabe der „Nota di diversi Gran’ Principi, et Signori che hanno scritto in diversi tempi a messer Giorgio Vasari (…)“ von GIORGIO VASARI IL GIOVANE (1562-1625), einem Neffen von GIORGIO VASARI. Die Handschrift befindet sich am Ende des Codex Riccardiana 2354 (Biblioteca Riccardiana, Florenz). Die „Nota“ wirft ein neues Licht auf den ursprünglichen Umfang des literarischen Nachlasses von Giorgio Vasari. Insbesondere liefert sie Rückschlüsse auf Verluste in der Briefsammlung und auf die Identität von Briefpartnern, deren Briefe an Vasari heute verschollen sind. Dies ist die zweite Fontes-Veröffentlichung, die Vasaris ‚Carteggio’ gewidmet ist (vgl. Fontes 70). Weitere Beiträge zum Thema werden folgen.

FONTES 72
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Il rovescio della medaglia, No. 1: „Two letters by ANNIBALE CARO: Numismatic methods and ancient coin reverses“; Auszüge aus: ANNIBALE CARO, De le lettere familiari del Commendatore Annibal Caro, Volume Secondo, Venezia: Aldo Manuzio, 1575.

Fontes 72, die erste in einer Reihe von Texteditionen, die die numismatische Literatur der Renaissance behandelt, beschäftigt sich mit zwei Briefen von ANNIBALE CARO (1507-1566). Der erste, um 1557-1559 neu zu datieren, wird an Caros ehemaligen Schüler, SILVIO ANTONIANO, adressiert. Hier beschreibt Caro ausführlich seine wissenschaftlichen Methoden, das numismatische Material zu analysieren, dokumentieren, klassifizieren und deuten, insbesondere hinsichtlich der Münzreversen. Im zweiten Brief Caros, 15. September 1562 datiert und an den Humanisten, Antiquar und Antikensammler FULVIO ORSINI adressiert, wird diese Methode verdeutlicht. Einer Bitte Orsinis folgend, liefert Caro Informationen über fünfundsechzig Münzen und die Darstellungen auf deren Reversen, die er von den Exemplaren in seiner eigenen Sammlung sowie aus seinen sorgfältig zusammengestellten Indizes und Notizen, beschrieben in seinem Brief an Antoniano, zusammenstellen konnte. Caros Beschreibung der allegorischen Figuren auf den Münzreversen werden Orsini höchstwahrscheinlich für die Ausarbeitung eines künstlerischen Programmes gedient haben. Caros Münzstudien sind schon in den Dreißigerjahren belegt worden, als er im römischen Kreis von Claudio Tolomei, Marcello Cervini und Bernardino Maffei verkehrte. Diese haben die Deutung der Münzbilder nach den antiken Schriften („per via d’historie“) angestrebt. Für Caro ließen sich Münzbilder und Schriften gegenseitig ergänzen: „E cosi si verebbono a far di belli interpretamenti tanto ne’ le medaglie quanto ne’ libri.“ Die Schwierigkeiten, die die Numismatiker bei der Deutung der Reversen gegenüberstehen, sind in der Münzliteratur von den Dreißigerjahren des Cinquecento bis zur Zeit Francesco Angelonis und Giovan Pietro Belloris (1685) deutlich.

FONTES 73
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ERNST STEINMANN, Postillen (um 1931-1932), in: Ein Exemplar der Ausgabe KARL FREYs von Le Vite di Michelangelo Buonarroti scritte da GIORGIO VASARI e da ASCANIO CONDIVI con aggiunte e note, Berlin 1887.

Fontes 73 präsentiert die Randbemerkungen des Kunsthistorikers und Michelangelo-Forschers ERNST STEINMANN (1866-1934), die sich in einem bisher unbekannten Exemplar der Ausgabe KARL FREYs Le Vite di Michelangelo Buonarroti scritte da Giorgio Vasari e da Ascanio Condivi con aggiunte e note (Berlin 1887) befinden. Ein Nachtrag mit Ergänzungen und Scans der postillierten Seiten wird bald folgen.

Als Gründungsdirektor der Bibliotheca Hertziana in Rom wurde Steinmann neulich in einer Ausstellung in Dresden (SLUB: Hundert Jahre Bibliotheca Hertziana, 19.01.-21.04.2013) gefeiert. Siehe: 100 Jahre Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte. Die Geschichte des Instituts 1913-2013, herausgegeben von Sybille Ebert-Schifferer, 369 Seiten, 183 Abbildungen, München: Hirmer Verlag, 2013, ISBN 978-3-7774-9031-1, € 98.

DIE NÄCHSTEN FONTES-BEITRÄGE SIND:

(1) Vasari in England: An Episode: „Was Mrs. Foster a Plagiarist?“, with excerpts from: MRS. JONATHAN FOSTER, Lives of the most eminent Painters, Sculptors, and Architects, translated from the Italian of GIORGIO VASARI, London: Henry G. Bohn, 1850-1852, by Charles Davis

(2) Vasari in England, 2: GIORGIO VASARI, The Life of Giovanni Angelico da Fiesole, translated from the Italian of Vasari by GIOVANNI AUBREY BEZZI, with Notes and Illustrations, printed for the Aurundel Society, 1850.

Die Einführung stellt wesentliche Informationen über GIOVANNI AUBREY BEZZIs Übersetzung von Vasaris Das Leben des Fra Angelico (für die Arundel Society 1850 in London veröffentlicht) vor. Behandelt sind Bezzi, seine Mitarbeiter und die institutionellen Rahmenbedingungen für das Buch, sowie Bezzis Übersetzung, sein Kommentar zum Leben Angelicos und seine Quellen. Das Werkverzeichnis und die Bildtafel werden beschrieben; ferner wird die Übersetzung Bezzis als Medium für eine Künstler-Monographie in Anbetracht der Geschichte und Vorgeschichte dieser Gattung der Kunstgeschichtsschreibung analysiert. Nach der Volltext-Transkription des Buches folgt eine Auswahl der Tafeln. Volltexte von den zwei Vasari-Viten Angelicos sind angeboten, auch eine vergleichende Analyse der beiden Texte. Es folgt eine Diskussion über MRS. JONATHAN FOSTERs Übersetzung von Vasaris Angelico-Leben. Diese wurde in London gleichzeitig mit Bezzis Übersetzung oder kurz dannach im selben Jahr 1850 veröffentlicht. Ein Volltext der Übersetzung Mrs. Fosters ist enthalten.

(3) Il rovescio della medaglia; 2: „Enea Vico on Ancient Coin Reverses as Historical Documents“; mit Auszügen aus: ANTONIO ZANTANI; ENEA VICO, Le imagini con tutti i riversi trovati et le vite de gli imperatori tratte dalle medaglie et dalle historie de gli antichi, Libro primo, Parma 1548, und aus: ENEA VICO, Discorsi di M. Enea Vico parmigiano, sopra le medaglie de gli antichi divisi in due libri, Venezia 1555.

In der Einleitungen des ANTONIO ZANTANI zu den von ihm und ENEA VICO 1548 herausgegeben Imagini, erläutert Zantani die Schwierigkeiten der Numismatikforscher, Darstellungen auf Münzreversen korrekt zu deuten. Die mannigfaltigen Publikationen von Vico in den folgenden Jahren – hier werden insbesondere drei Texte aus seinen Discorsi wiedergegeben – belegen Vicos unaufhörliche Versuche, dieser Herausforderung zu entsprechen. In seinen Discorsi (1555) weisen mehrere Textstellen auf das nie publizierte zweite Buch der Imagini hin, wo er die Münzreversen, verlässliche Dokumente der römischen Geschichte und Zivilisation, neu klassifiziert habe. Anstatt chronologisch, den Imperatorenviten folgend, wurden die Reversen in thematischen Sektionen – Vico erwähnt religione, militia und politica – eingeteilt. Diese widerspiegeln die Kategorien der von Marcus Terentius Varro konzipierten Antiquitates wie auch die von Flavio Biondo (Roma triumphans, ed. pr. 1482). Auch wenn das zweite Buch der Imagini nie das Tageslicht sah, war der Ansatz Vicos grundlegend für die Ausarbeitung der Discorsi. In vielen Kapiteln des Werkes, die hier in Volltexten präsentiert sind, zeigen sich die Reversen als Hilfsmittel, “la religione de’ Gentili, tutta la militia Romana e tutta la historia de gli Imperatori”, zu rekonstruieren.

Der Text dieses Blogs wurde in Zusammenarbeit mit Margaret Daly Davis geschrieben.

 

 

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