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Deutsche auf Reisen im Frankreich Ludwigs XIV.: Das binationale Editionsprojekt ARCHITRAVE ist online

Die Webseite ARCHITRAVE „Kunst und Architektur in Paris und Versailles im Spiegel deutscher Reiseberichte des Barock“ bietet erstmals Zugang zu Reiseberichten und Aufzeichnungen deutscher Architekten und Diplomaten, die Frankreich – und insbesondere Paris und Versailles – zwischen 1685 und 1723 besucht haben. Diese Zeitspanne war kriegerisch, so dass die Reisetätigkeit temporär stark eingeschränkt war. Nur wenige ausführliche Berichte haben sich erhalten. Sechs der für die Kunst- und Kulturgeschichte aussagekräftigsten Texte aus deutschen und österreichischen Bibliotheken wurden ausgesucht, an denen sich der Wandel der Wahrnehmung der Kunst und Kultur Frankreichs am Übergang zwischen Späthumanismus und Frühaufklärung untersuchen lassen. Das Quellenkorpus, das in einem mehrjährigen binationalen Editionsprojekt kritisch herausgegeben und online gestellt wurde, umfasst Texte von:

  • Christoph Pitzler (1657-1707)
  • Ferdinand Bonaventura Graf von Harrach (1637-1706)
  • Lambert Friedrich Corfey (1668-1733)
  • Christian Friedrich Gottlieb von dem Knesebeck (um 1685?-1720)
  • Leonhard Christoph Sturm (1669-1719)
  • Balthasar Neumann (1687-1753)


Das deutsch-französische Forschungs- und Editionsvorhaben wurde zwischen 2017 und 2021 von der Agence nationale de la recherche (ANR) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Es wurde von Prof. Dr. Hendrik Ziegler von der Philipps-Universität Marburg geleitet.

Drei Einstiegsmöglichkeiten gewähren einen niedrigschwelligen Zugang zu den Editionen: Entweder kann man die Texte Seite für Seite durchblättern oder über die Register nach Personen, Orten oder Werken suchen, oder aber auf drei interaktiven Karten von Europa und Paris Informationen zu bestimmten Orten und Monumenten erhalten. Zudem unterstützt eine Suchmaschine die Recherche.

Neben den Editionen bietet die Webseite ARCHITRAVE Zugang zu den wissenschaftlichen Aktivitäten, die im Rahmen des Projekts stattfanden:


Noch ein Wort zu den Vorteilen des webbasierten Edierens:

  • Die dynamische Webseite lässt sich an die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer*innen anpassen. Verschiedene Ansichten sind wählbar und können beliebig nebeneinandergestellt werden: die digitalen Faksimiles, die Transkriptionen, die Übersetzungen und die kodierten Versionen in XML-TEI.
  • Alle Texteditionen werden im TextGrid Repository langzeitarchiviert, das von der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen unterhalten wird. Über das Repository können auch sog. Voyant Tools zur quantitativen und qualitativen Textanalyse (Textometrie) genutzt werden: Das Textkorpus kann damit nach den Prinzipien des „distant reading“ auf gattungsspezifische Trends untersucht werden.
  • Entsprechend den Vorgaben von Open Access und Open Source sind alle Forschungsdaten nachnutzbar. Insbesondere sind die angereicherten Registereinträge zu den von den Reisenden gesehenen und besuchten Orten und Kunstwerken dabei für andere Projekte interessant. Sie sind auf heiDATA abrufbar. Von einem der Projektträger – dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris – wird eine Kooperation mit dem Konsortium „Time Machine“ angestrebt.

Hendrik Ziegler

 

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