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Blick auf Boltanskis Katze im Sack

Wer sich bisher nicht für ein Abonnement von Christian Boltanskis Videokunst entscheiden konnte, dem kann hier geholfen werden. Ich erhielt folgenden Link in einer Werbemail:

 

www.christian-boltanski.com/plugin_newsletters/plugin_newsletters_newsletters/letter/8

 

Wenn Sie auf den Button "Watch the video" klicken, können Sie sich das Video anschauen.

3 Kommentar(e)

  • Sabine Scherz
    15.06.2012 10:57

    Nicht nur die Videos sehe ich, wie Sie sagen, als konzeptuelle Bestandteile des Projekts, sondern auch jede damit zusammen hängende Beschäftigung, wie zum Beispiel das Schreiben oder Lesen eines Kommentars oder Blogbeitrags, der Boltanskis Projekt zum Thema hat.

    Wenn ich eine Werbemail erhalte, und das sind täglich leider einige, dann kenne ich den Kontext: Die Mail ist Teil des Marketings und soll den Gewinn der Unternehmen steigern.

    Ein Künstler, der eine Webpage erstellt und selbst Werbemails verschickt, muss sich genau mit diesen Kriterien messen lassen. Schließlich ist eine Webpage an jedermann gerichtet und nicht nur an besonders geschulte Museumsbesucher. Der Künstler wagt sich mit seiner Kunst unter das gemeine Volk und spricht es auf die Art und Weise an, die es gewohnt ist: mit einer Homepage zu Vermarktungszwecken eines Produkts und Werbemails.

    Das Produkt selbst gilt zwar als Kunstwerk, ist aber letztlich ein Ding, eine Sache (selbst wenn es sich hier um Software handelt). Wir Menschen sind kreativ im Einsetzen der Dinge. Wir benutzen sie nicht immer zu dem vorgesehenen Zeck, sondern erfinden für unsere eigenen Bedürfnisse neue Einsatzgebiete. Beispiele hierfür zeigt das Buch „Thoughtless Acts?: Observations on Intuitive Design“ von Jane Fulton Suri: Der gewöhnliche Internet-Mensch macht sich also Gedanken, was er mit einem Stück Medienkunst anfangen soll.

    Die Frage des Kontextes ist selbstverständlich berechtigt. So ist die Ankündigung des Künstlers, bis zu seinem Ableben selbstporträtierende Videos drehen zu wollen und sich dabei zu deren Vermarkung den Strategien eines kommerziellen Unternehmens zu bedienen, zu beachten. Boltanski schreibt nicht etwa seine Memoiren und gibt ein auf Papier gedrucktes Buch über einen Verlag heraus, sondern dreht digitale einminütige Videoschnipsel und vermarktet sie selbst. Ein Buch könnte – wenn es auf ordentlichem Papier gedruckt wird – die nächsten 500 Jahre im Regal stehen. Was aber mit den Videos geschieht, selbst wenn sie millionenfach verkauft würden, ist hingegen ungewiss. Vielleicht bieten diese Gedanken eine Annäherung an den Kontext des Werkes.

  • Katja Kwastek
    14.06.2012 14:12

    Ich denke, es wäre schon wichtig, einen solchen Hinweis um die Information zu ergänzen, in welchem Kontext dieses Projekt zu sehen ist. Es geht ja hier nicht darum, dass irgendein Videokünstler einen Weg suchen würde, seine Arbeiten zu vermarkten. Ich bin beileibe kein Spezialist für Boltanski, aber seine Auseinandersetzung mit Strategien der Erinnerung und seine stark autobiographischen Verfahrensweisen lassen doch vermuten, dass die Idee eines Abonnements dieser Videos eher als konzeptueller Bestandteil des Projekts zu werten ist. Ob das nun besonders originell oder schlüssig ist, kann man dabei sicher diskutieren.

  • Sabine Scherz
    14.06.2012 12:22

    Ich möchte noch bemerken, dass mich das Probevideo nicht zum Kauf animiert. Was macht man überhaupt damit? Ein Bild kann man an die Wand hängen. Da hängt es dann schön still vor sich hin. So ein Video muss man am PC oder auf einem digitalen Bilderrahmen ablaufen lassen. Die Klangkulisse möchte ich nicht den ganzen Tag hören müssen. Und dann der permanente Stromverbrauch, in Zeiten, in denen es bald nicht mehr genug Strom geben wird...
    Ich finde, dass für den Eigenbedarf so ein Video höchst unpraktisch ist. Allenfalls als Bildschirmschoner käme es bei mir zum Einsatz.

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