blog.arthistoricum.net http://blog.arthistoricum.net/feed/ Der Blog von arthistoricum.net de-DE TYPO3 News Tue, 13 Apr 2021 18:29:34 +0200 Tue, 13 Apr 2021 18:29:34 +0200 TYPO3 EXT:news news-12652 Mon, 12 Apr 2021 09:48:53 +0200 Zukunft der Kunstgeschichte /beitrag/2021/04/12/zukunft-der-kunstgeschichte Im kommenden Semester wird am Institut für Kunstgeschichte der LMU München eine Veranstaltung zu Perspektiven einer zukünftigen Kunstgeschichte stattfinden. Einzelheiten hier. Es ist eine Registrierung hier notwendig

 

 

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news-12491 Tue, 23 Mar 2021 16:34:21 +0100 Virtuelle Ausstellung - Scientists 2010-2021. Portraits of Fellows of the Royal Society - Porträtfotografien von Anne-Katrin Purkiss /beitrag/2021/03/23/virtuelle-ausstellung-scientists-2010-2021-portraits-of-fellows-of-the-royal-society-portraetfotografien-von-anne-katrin-purkiss

Die gebürtige Chemnitzerin Anne-Katrin Purkiss lebt und arbeitet seit 1984 als freie Fotografin in Großbritannien. Ihre Arbeiten wurden in britischen und internationalen Zeitungen wie The Guardian, der New York Times, Die Zeit und Nature veröffentlicht und waren bislang in England, Deutschland und der Schweiz in Einzelausstellungen zu sehen. Purkiss Werke befinden sich zudem in den Sammlungen der National Portrait Gallery, der Royal Academy Library und National Art Library sowie im Archiv der Royal Society, dem Tate Archive und dem Henry Moore Institute, Leeds.

 

Neben Kunst und Natur bilden Porträts einen Schwerpunkt innerhalb des Werkes der Fotografin. Abseits ihrer Auftragsarbeiten ist sie stets auch auf der Suche nach der Begegnung mit Menschen, die sie inspirieren und ihr neue Blickwinkel eröffnen. Seit mehr als dreißig Jahren porträtiert Purkiss durch das Objektiv ihrer Kamera aber vor allem erfolgreiche Künstler*innen und Wissenschaftler*innen, die mit ihrer Arbeit und Kreativität inspirieren und deren Forschungen neue Wege eröffnen. Dabei legt Purkiss in ihren Arbeiten ein besonderes Augenmerk auf die Kontextualisierung von Mensch und Umgebung, indem sie das direkte Arbeitsumfeld der Porträtierten in hohem Maße mit einbezieht. Durch die Wiedergabe der Porträtierten an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz, der räumlichen und inspirierenden Quelle ihres schöpferischen Wirkens, generieren Purkiss Arbeiten eine über die physiognomische und emotionale Charakterisierung hinausgehende erweiterte Bezugs- und Deutungsebene und bilden zugleich gesellschaftliche Prozesse ab. 

Die in der virtuellen Ausstellung Scientists 2010-2021: Portraits of Fellows of the Royal Society gezeigten Porträts stellen Auszüge aus einem noch laufenden Langzeitprojekt dar, in welchem Purkiss bislang über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten hinweg Fellows der Royal Society in ihrem Arbeitsumfeld fotografierte. Die aktuelle digitale Ausstellung wurde von der Fotografin mit Unterstützung von Katherine Marshall und Ellen Embleton (The Royal Society) kuratiert. Sie schließt an eine vorangegangene Ausstellung von 2010/11 an und zeigt 29 aktuelle Bilder aus der mittlerweile über 100 Porträts umfassenden Sammlung. 

Das Projekt zeigt nicht nur den Wandel der äußeren Rahmenbedingungen wie Gebäude, Geräte und Arbeitsräume auf, sondern lässt auch die veränderten sozialen Räume und Geschlechterverhältnisse hervortreten. So zeigen die Fotos der aktuellen Ausstellung, die alle seit 2010 aufgenommen wurden, einen deutlich gestiegenen Frauenanteil innerhalb der Fellows.

Link zur Ausstellung:
https://artsandculture.google.com/exhibit/fellows-of-the-royal-society-2010-2021/YQJC8Galthk4IA

Einblick in die bislang von Purkiss zwischen 1985 und 2020 angefertigte Porträtserie gibt zudem ein Online-Katalog:

https://issuu.com/anne.purkiss/docs/scientistsportraits19852020photographsbyannekatrin

Weitere Information zu den Arbeiten und laufenden Projekten von Anne-Katrin Purkiss finden sich auf ihrer Website: 
http://www.purkiss-images.eu/

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news-12391 Tue, 16 Mar 2021 09:15:00 +0100 Auktionskataloge als kunsthistorische Quelle für Druckgraphik /beitrag/2021/03/16/auktionskataloge-als-kunsthistorische-quelle-fuer-druckgraphik Die Universitätsbibliothek Heidelberg hat über 10 000 Auktionskataloge in ihrem Bestand, die sie unter anderem im Zuge von Projekten digital bereitstellt. Nicht selten sind Exemplare handschriftlich mit informativen Notizen, wie Preisen oder gar den Namen von Käufern versehen. Ursprünglich dienten diese Annotationen HändlerInnen und SammlerInnen dafür, den aktuellen Wert eines Kunstwerks auf dem Markt einschätzen und die eigenen Gebote in späteren Auktionen anpassen zu können.

Die Universitätsbibliothek Heidelberg hat über 10 000 Auktionskataloge in ihrem Bestand, die sie unter anderem im Zuge von Projekten digital bereitstellt. Nicht selten sind Exemplare handschriftlich mit informativen Notizen, wie Preisen oder gar den Namen von KäuferInnen versehen. Ursprünglich dienten diese Annotationen HändlerInnen und SammlerInnen dafür, den aktuellen Wert eines Kunstwerks auf dem Markt einschätzen und die eigenen Gebote in späteren Auktionen anpassen zu können.


Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts notierte der Bamberger Sammler Joseph Heller (1798–1849) Zuschlagspreise, ja er recherchierte sie sogar rückwirkend durch den Erwerb bereits annotierter Kataloge, die lange vor seiner Zeit als aktiver Käufer entstanden. Die Preisentwicklung über mehrere Jahrzehnte publizierte er dann beispielsweise in seinem ab 1827 erschienenem Werkverzeichnis Albrecht Dürers (1471–1528). Bei dem Kupferstich Adam und Eva nennt er Auktionspreise von 1757 bis 1821. Dieses Vorgehen professionalisierte und etablierte sich im Laufe des folgenden Jahrhunderts unter anderem mit dem Erscheinen kunstspezifischer Periodika. Die 1930 gegründete Weltkunst veröffentlichte gar Preisberichte. Zum Eintragen in den Katalog.
Zu den gedruckten Objekt-Anpreisungen in Form knapper Katalogbeschreibungen gehört die Nennung namhafter Provenienzen, also ehemaliger BesitzerInnen, deren Sammlungen für Erstklassigkeit stehen. Bei nicht unikalen Kunstwerken aus dem Bereich der Druckgraphik, geben genannte Charakteristika indirekt Auskunft über Auflagenhöhen und liefern Indizien, um den Weg bestimmter Exemplare nachzuvollziehen.


Der Berliner Galerist und Kunsthändler Paul Cassirer (1871–1926) versteigerte 1918 die bedeutende Sammlung an Kupferstichen und Holzschnitten von Meistern des 15. bis 18. Jahrhunderts, die der Freiburger Sammler Vincent Mayer (1831–1918) zusammengetragen hatte. Als im ersten Teil Werke von Albrecht Dürer (1471–1528) in Auktion gingen, boten neben einigen PrivatsammlerInnen, zahlreiche KunsthändlerInnen, aber auch bis heute namhafte Museen, um ihre Dürer-Sammlungen zu vervollständigen. Ein Exemplar des Auktionskatalogs, das sorgfältig per Hand mit Preisen und KäuferInnen versehen ist, nennt unter anderem das Rijksprentenkabinet Amsterdam, das dänische und schwedische Nationalmuseum in Kopenhagen und Stockholm, aber auch inländische Sammlungen, wie das Kupferstichkabinett München, das Germanische Nationalmuseum Nürnberg sowie die Kunsthalle Hamburg. Nicht selten übertrafen die Gebote die vorab im Auktionskatalog angegebenen Schätzpreise.


Das Rijksprentenkabinet erwarb den laut Katalog „einzigen Zustand“ von Dürers sechstem Knoten (Inv.-Nr. RP-P-1919-1975), die Münchener Graphische Sammlung Das Schweißtuch von einem Engel gehalten. Letzteres befand sich Cassirers Beschreibung zufolge vormals in namhaften Sammlungen, darunter diejenige des Frankfurter Sammlers Heinrich Anton Cornill-D’Orville (1790–1875), die 1900 in Stuttgart versteigert wurde. Auch in diesem Katalog ist wiederum die Vorgängersammlung genannt. Ein Exemplar von Dürers Sebastian am Baume, das sich heute in den Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg befindet (Inv.-Nr. St.N. 16735), stammt aus der Sammlung Mayers, wie der rückseitig aufgebrachte Sammlerstempel belegt. Dieser Kupferstich wurde jedoch nicht direkt aus Cassirers Auktion erworben, sondern erst 10 Jahre später bei einem Münchner Kunsthändler. Sogar ‚Ladenhüter’ können mithilfe von Auktionskatalogen ausgemacht werden. So zum Beispiel ein „vorzüglicher Abdruck” von Dürers um 1499 gefertigtem Kupferstich Der heilige Sebastian an der Säule aus der Sammlung Richard Fisher, der mit nahezu deckungsgleicher Beschreibung zwischen 1904 und 1911 immer wieder in Katalogen von Amsler & Ruthardt angeboten wurde.


Auktionskataloge, ob annotiert oder nicht, sind schon länger ein schätzbares Instrument für WissenschaftlerInnen, doch steigern sich Potenzial und Quellenwert mit fortschreitender und vertiefender digitaler Erschließung zusehends.

Kontakt
Dr. Franziska Ehrl
Universitätsbibliothek Heidelberg

Link zum Themenportal
Albrecht Dürer

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news-12397 Mon, 15 Mar 2021 18:03:00 +0100 Bitte um Mitwirkung bei der Befragung "Migration und Vielfalt in Museen" /beitrag/2021/03/15/bitte-um-mitwirkung-bei-der-befragung-migration-und-vielfalt-in-museen Weitergeleitet von Dieter Osses, Arbeitskreis Migration im Deutschen Museumsbund

Kultureinrichtungen sind  mit verschiedenen Formen des demographischen Wandels konfrontiert. Darin spielen die zunehmende Vielfalt der familiären Hintergründe bei jungen Menschen, aber auch die Alterung der Gesellschaft eine zentrale Rolle. Andererseits wirken auch die gesellschaftlichen Debatten um Migration und Vielfalt in die Kultureinrichtungen hinein.

Die Befragung soll einer Bestandsaufnahme dienen, inwieweit und in welcher Form die Themen Flucht, Migration und Diversität als Thema in den Museen in Deutschland präsent sind und die Arbeit in den letzten Jahren verändert haben. Die Ergebnisse der Umfrage sollen dazu dienen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema zu gewinnen, die bisher kaum vorliegen.

Die Befragung ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts „KultMIX - Kulturproduktion in der Migrationsgesellschaft“ an der Universität Osnabrück und richtet sich an alle Museen in Deutschland (es gibt parallele Befragungen auch der Kulturämter und der öffentlichen Theater). Kooperationspartner für diese Befragung ist der Arbeitskreis Migration im Deutschen Museumsbund. Ein zentrales Ziel der Befragung ist es, aus den Ergebnissen relevante Empfehlungen für die Museumspraxis und die Kulturpolitik zu formulieren.

Die Umfrage läuft bis zum 1. April und ist über diesen Link zu erreichen! Herzlichen Dank für  Ihre Unterstützung!

Kontakt und Projektkoordinator: Dr. Jens Schneider, Institut für Migrationsforschung interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück

 

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news-12331 Mon, 08 Mar 2021 15:43:00 +0100 Symposium - Kosmos Kiefer: Material, Begriffe, Rezeption /beitrag/2021/03/08/symposium-kosmos-kiefer-material-begriffe-rezeption

Symposium - Kosmos Kiefer: Material, Begriffe, Rezeption
Freitag, 12.03.21, 10-15 Uhr (Online dt.-engl.)

 

Beitrag von Sebastian Baden


Anselm Kiefer (*1945) ist einer der bekanntesten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Sein umfangreiches und vielschichtiges Werk setzt sich mit der deutschen Geschichte, der Verbindung von jüdischer und christlicher Tradition und den Medien der Erinnerungskultur auseinander. Die Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim zeigt Werke aus der Sammlung Grothe, die mehr als 30 Jahre künstlerisches Schaffen repräsentieren. Zu den typischen Werkstoffen des international renommierten Künstlers zählen neben Ölfarbe und Schellack die Materialien Asche, Blei, Beton, Pflanzen und Kunstharz. Die zumeist großformatigen Gemälde und Skulpturen zeigen Kiefers intensive Auseinandersetzung mit existenziellen Fragestellungen, menschlichen Katastrophen und der Möglichkeit der Versöhnung.

 

Im Rahmen der Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim wird das Symposium Anselm Kiefers Werk aus der Perspektive der jüngsten Forschung beleuchten. Neben der Präsentation der Werke soll die transdisziplinäre Arbeit vergleichender und kritischer Studien aus den Bereichen der Kunstgeschichte, Literatur- und Kulturwissenschaft, Geschichts- und Politikwissenschaft, Erinnerungskultur, Theologie oder Kunstpädagogik vorgestellt werden. Mittels eines Open Calls konnten sowohl etablierte als auch Nachwuchswissenschaftler*innen ausgewählt werden, die somit einen Beitrag zur aktuellen und internationalen Rezeptionsgeschichte von Anselm Kiefer leisten.

 

Programm:

 

9:45 Uhr  Einloggen & Rezeption

 

10:00 Uhr  Begrüßung: Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim, Dr. Sebastian Baden, Kurator der Ausstellung „Anselm Kiefer“, Dörte Ilsabe Dennemann, Programmkuratorin

 

10:15 Uhr  „Untergehen, das heißt: zum Höchsten aufsteigen“ Fragmente geladener Vergangenheit im Werk von Anselm Kiefer und Tadeusz Kantor. Dr. Klaus Dermutz

 

10:45 Uhr  Mud, ashes and cosmos: Anselm Kiefer’s books and the monumental. Dr. Isabelle Le Pape Head of Art Department, Bibliothèque nationale de France, Paris

 

11:15 Uhr  Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption. Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Andreas Beyer, Universität Basel, Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Karlsruhe, ehem. Direktor des Städelschen Kunstinstituts Frankfurt am Main, Dr. Esther Graf, Judaistin, Mitinhaberin der Agentur für jüdische Kultur und Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Mannheim sowie Dr. Harriet Häußler, freie Kunsthistorikerin, Berlin

 

12:15 Uhr  Pause

 

13:00 Uhr  Résurrection à La Tourette − Bildtheologische Perspektiven. Dr. Kristin Riepenhoff & Carolin Hemsing M. A., Katholisch-Theologische Fakultät, Arbeitsstelle für Christliche Bildtheorie, Theologische Ästhetik und Bilddidaktik Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

 

13:30 Uhr  On artistic interpretation of literary heritage: the case of the exhibition “Anselm Kiefer – for Velimir Chlebnikov”. Nina Danilova, PhD Candidate in Culture Studies, The Lisbon Consortium / The Catholic University of Portugal, Lisbon

 

14:00 Uhr  „So much history!“ Zum Kiefer-Hype in den USA anlässlich der Ausstellungstournee 1987/88 (Arbeitstitel). Prof. Dr. Hans Dickel (Erlangen/Berlin)

 

14:30 Uhr  Ende und Ausblick

 

Die Ausstellung und das Begleitprogramm werden gefördert von Stiftung Kunsthalle Mannheim, Hector-Stiftungen, Verein 321-2021:1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland e.V. und dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat.

 

Kurator der Ausstellung: Dr. Sebastian Baden

Programmkuratorin: Dörte Dennemann

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim

 

kuma.art

Link zum Symposium:https://shop.kuma.art/#/product/event/274 

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news-12333 Mon, 08 Mar 2021 14:13:35 +0100 Umstrukturierung im V & A Museum London – als Folge der Covid-19-Pandemie /beitrag/2021/03/08/umstrukturierung-im-v-a-museum-london-als-folge-der-covid-19-pandemie

von Margret Schild (Theatermuseum Düsseldorf)

 

Nicht nur die Kulturbranche leidet unter den Folgen der Pandemie - sie hat auch gravierende Auswirkungen auf die Einrichtungen, die das immaterielle Kulturerbe sammeln und zugänglich machen. 2003 wurde das Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes verabschiedet. Es trat im Frühjahr 2006 nach der Ratifizierung durch 30 Staaten in Kraft. Inzwischen sind 178 Staaten beigetreten und über 500 kulturelle Ausdrucksformen, Traditionen und Branchen eingetragen.  Tanz, Theater und Musik gehören dazu – sowohl im deutschsprachigen Raum als auch weltweit ist die Zahl der Museen, Sammlungen, Archive und Dokumentationszentren zu den darstellenden Künsten überschaubar:  das Deutsche Bühnenjahrbuch 2020 weist 42 Einrichtungen im deutschsprachigen Raum nach, die TheSiD (Theatersammlungen in Deutschland) hat 27 korporative und die internationale Vereinigung SIBMAS (Société internationale des bibliothèques, des musées, archives et centres de documentation des arts du spectacle) knapp 100 Mitglieder.

Das Victoria & Albert Museum (V & A) wurde 1852 als South Kensington Museum gegründet und beherbergt die größte Sammlung von Kunstgewerbe und Design der Welt. Das britische Theatermuseum wurde als Abteilung des V & A 1974 in Covent Garden eröffnet. Zu dessen Bestand gehören Objekte zur Geschichte der darstellenden Künste in Britannien seit dem 16. Jahrhundert mit all ihren Sparten und gilt als  größte Sammlung zu diesem Thema weltweit. Kostüme, Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Manuskripte, Literatur, Videoaufnahmen, Plakate und Gemälde rekonstruieren vergangene und zeitgenössische Produktionen sowie die Biografien der Personen, die in diesem Metier tätig waren und sind. Das Museum wurde 2006 aus finanziellen Gründen geschlossen, kehrte 2007 als Abteilung Theatre Collection in die Räumlichkeiten des V & A zurück und beteiligte sich danach aktiv  an den dortigen  Ausstellungen. Ab März 2009 wurde ein Ausstellungsbereich im V & A  eingerichtet (Theatre & Performance Department). Objekte aus der Sammlung werden für Wanderausstellungen sowie im Rahmen der Ausleihe  weltweit zur Verfügung gestellt.

Bedingt durch die Pandemie gingen die Besucherzahlen im V & A um 85 % zurück. Da diese nicht so schnell wieder das alte Niveau erreichen werden, muss das Museum erhebliche finanzielle Verluste ausgleichen. Im September 2020 wurden die Verantwortlichen beauftragt, die Summe von 10 Millionen Britischen Pfund jährlich einzusparen und haben ein Strategiepapier erarbeitet. Im letzten Schritt dieses mehrstufigen Prozesses sollen die bisherigen komplexen und historisch gewachsenen Strukturen reformiert werden. In Zukunft soll die Aufteilung  in Sammlungen (Mode, Theater & Darstellende Künste, Architektur, etc.) zugunsten von multidisziplinären Teams aufgelöst werden. Fachliche Kompetenzen aus den Bereichen Kunst, Design, Mode und darstellende Kunst sollen zusammengeführt, andere Bereiche (Medienkunst und –design, Architektur und Städteplanung) ausgebaut werden. Auch die eigene Forschungsabteilung, die nationale Kunstbibliothek und die Archive des V &A sollen zentralisiert werden.

Die SIBMAS betrachtet die Entwicklung (vor allem in Hinblick auf die Abteilung Theater & Darstellende Künst) mit Besorgnis: sie setzt sich nicht nur für die Sicherung der Stellen und die Weiterbeschäftigung des spezialisierten, engagierten Personals in diesen unsicheren Zeiten ein, sondern möchte auch die dauerhafte Zugänglichkeit zu diesem weltweit einzigartigen Archiv in Zukunft sichergestellt wissen. Eine vom SIBMAS-Präsidenten Alan Jones initiierte Protestpetition wurde innerhalb von wenigen Tagen [Stand: 8. März 2021] von mehr als 10.000  Personen unterschrieben.  

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news-12207 Mon, 01 Mar 2021 00:14:00 +0100 Wohin damit? – Platzmangel in Kunst- und Museumsbibliotheken /beitrag/2021/03/01/wohin-damit-platzmangel-in-kunst-und-museumsbibliotheken Platz ist knapp in Kunst- und Museumsbibliotheken - welche Ansätze gibt es, um mit diesem Problem umzugehen? Antje Gegenmantel (Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main) berichtet über Beispiele für (geplante) Lösungen.

von Antje Gegenmantel (Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main)

Über Geschenke freut sich jeder. Wirklich jeder? Da gibt es eine kleine Berufsgruppe, die tut sich oft etwas schwer damit. Häufig klagen Bibliothekar*Innen über Platzmangel, der die Annahme von Buchgeschenken fast unmöglich macht. Eine Kollegin stapelt ihren Neuzugang platzsparend in Umzugskisten. Eine andere bietet Bestände über ELTAB an und nimmt im Schriftentausch keine neuen Titel an.

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Zum Beispiel: Schweiz

Ein Blick über die Grenze zeigt, dass die Schweizer deutlich weniger Raumprobleme haben. Bei der Studienreise der AKMB  2019 besuchten wir u.a. das Medien- und Informationszentrum der Züricher Hochschule der Künste. Aus 39 verschiedenen Standorten wurden 2014 im Toni-Areal, einer ehemaligen Milchfabrik, die verschiedensten Fachrichtungen zusammen geführt und haben viel Platz. Ähnlich ist die Situation der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Winterthur. In der ehemaligen Halle 87 der Dieselmotorenfabrik Sulzer ist 2015 ein moderner Medien-, Informations- und Lernort entstanden, eben auch mit reichlich Platz. Die Biblioteca dell’Accademia di architettura in Mendrisio muss sich über zu wenig Raum auch keinerlei Sorgen machen. Im Februar 2021 zog die Bibliothek in ihre neuen Räume in den Palazzo Turconi und nun hat 1.500m² zur Verfügung. Auch bei unserem Kollegen Thomas Rosemann, Leiter der Bibliothek des Kunsthaus Zürich, gibt es kein Kopfzerbrechen über den Standort von neuen Medien, denn die Kunst wird  in naher Zukunft in einen Neubau ziehen und die Bibliothek darf sich im „alten“ Kunsthaus ausbreiten. Neben den individuellen Raumlösungen gibt es in der Schweiz seit 2016 eine kooperative Speicherbibliothek. Hier werden die Publikationen unter optimalen klimatischen Bedingungen in Hochregalen gelagert und voll automatisiert verwaltet. Durch einen Kurierdienst steht die Literatur den Benutzern weiterhin zur Verfügung. Ein Teil der Zeitschriften geht in den Besitz der Speicherbibliothek über. Nur das beste physische Exemplar wird behalten, aber nicht mehr ausgeliehen, sondern ausschließlich digital zur Verfügung gestellt.

... und in Deutschland

 Einen Speicherverbund findet man auch in Deutschland. So haben sich die SuUB Bremen, SUB Hamburg, die TIB Hannover, die UB Kiel, das MIZ Lüneburg und die UB Rostock zu dem „Speicherverbund Nord“ zusammengeschlossen. Mehrfach vorhandene, aber wenig genutzte Medien werden abgebaut, die Archivierung verteilt und die Bereitstellung gemeinsam gesichert. 

 

bw Last Copies

Der Gedanke, Mehrfachexemplare zu reduzieren, spielt auch bei „bw Last Copies“, einem Projekt im Rahmen des Förderprogramms „Wissenschaftliche Bibliotheken gestalten den digitalen Wandel (BW-BigDIWA)“ die entscheidende Rolle. Das Konzept besteht darin, Printmedien durch Kooperation auszusondern und dennoch die Literaturversorgung sicher zu stellen. Das Projekt wird zwischen September 2019 und August 2021 umgesetzt. Ziel ist die Etablierung eines kooperativen Bestandsmanagements in baden-württembergischen Bibliotheken. Dafür sollen gefährdete Titel im Verbundkatalog sichtbar gemacht werden, um so eine Aussonderung seltener Bestände zu verhindern. Es soll eine Lastenverteilung bei der Archivierung und eine Unterstützung beim Aussonderungsworkflow geben. Dazu gibt es standardisierte Verfahren und der Bedarf der jeweiligen Einrichtung wird berücksichtigt. Im Fokus stehen bisher Monographien, die älter als 10 Jahre sind.

Ein ausführlicher Bericht dazu ist für Heft 2/2021 der AKMB-news geplant. Wir dürfen gespannt sein und freuen uns, dass das Problem „Raumnot“ angegangen und möglicherweise zeitnah gelöst wird. Schließlich kann das Projekt auch Vorbild für Bibliotheken sein, die nicht in Baden-Württemberg sind.

 

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news-12231 Fri, 26 Feb 2021 15:52:29 +0100 Ein Einstieg: Kopf-Gesicht-Antlitz-Icon-Abbild-Konterfei-Bildnis-Porträt-Selfie /beitrag/2021/02/26/ein-einstieg-kopf-gesicht-antlitz-icon-abbild-konterfei-bildnis-portraet-selfie

Die visuelle Selbstdarstellung im Porträt gehört zu den grundlegendsten künstlerischen Ausdrucksformen der Menschheit – unabhängig von Geschlecht, Sozialisation oder Kultur und unabhängig von den sich wandelnden Paradigmen wie Realismus, Naturtreue und Ähnlichkeit. Ihre Präsenz hat im Zeitalter von Social Media einen Höhepunkt erreicht, der zugleich zur Reflexion über die anhaltende Wirkmacht nachdenken lässt und zur Auseinandersetzung anregt.

 

In den vergangenen Monaten sind wir wie kaum zuvor in den sozialen Netzwerken, beim Homeschooling und im Home-Office, in virtuellen Meetings und Konferenzen mit unserem eigenen Gesicht und den Gesichtern unserer Mitmenschen in einer künstlich inszenierten Form konfrontiert worden. Als Icon gerahmt, treffen wir im virtuellen Raum aufeinander, um miteinander zu kommunizieren. Kaum jemand, der sich dabei wohl keine Gedanken gemacht hat, wie er/sie sich am vorteilhaftesten positioniert, ausleuchtet und inszeniert, welche Hintergründe zu wählen sind, die genau das richtige Maß an Information und positiver (Selbst)Darstellung bieten, ohne dabei Peinliches oder Unerwünschtes preiszugeben.

Damit unterscheiden wir uns kaum von unseren Vorfahren, die insbesondere in Zeiten der Illiteralität auf die visuelle Wirkmacht der Porträtkunst setzten. Als Prestige- und Propagandamedium unterliegen Porträts bis heute einer gezielten Inszenierung und Instrumentalisierung und beinhalten eine spezifische Zeichensprache, die eingeweihten Zeitgenossen vertraut, für nachfolgende Generationen jedoch oftmals verschlüsselt bleibt. Stets wurden sie über die zur Verfügung stehenden medialen Kanäle verbreitet und popularisiert. Als individuelle künstlerische Annäherungen können sie zu psychologisierenden Spiegelbildern werden, die ebenso einfühlsame wie schonungslose Einblicke in menschliche Charaktere liefern.

Als Kunsthistorikerin, die sich seit Jahrzehnten der Faszination des Mediums Porträt verschrieben hat, möchte ich dieses Blog nutzen, um in lockerer Folge Informationen zur Porträtforschung quer durch alle Medien und Jahrhunderte zu teilen – über Ausstellungen, physische und virtuelle Sammlungen, Publikationen, Online-Ressourcen, Konferenzen und Netzwerke. Über Anregungen, Kommentare und Hinweise würde ich mich sehr freuen!

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news-12153 Tue, 23 Feb 2021 11:30:00 +0100 Erster Open Space hat sein Ziel erreicht /beitrag/2021/02/23/erster-open-space-hat-sein-ziel-erreicht

Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte

Unser Anliegen und Ziel: “Wir wollen neue Erkenntnisse teilen, gemeinsam unser Methodenrepertoire schärfen und neue Wege diskutieren.”

Die inaugurale, virtuelle Veranstaltung “Open Space des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte” hat ihr Ziel erreicht: Mit über 160 Anmeldungen und ca. 120 gleichzeitigen Teilnehmer:innen sowie einer großen Anzahl über den Tagesverlauf in wechselnden Zuschaltungen beteiligter Personen wurde eine große Zahl an Interessierten angesprochen. Sie bildeten ein breites Spektrum ab, das von der etablierten Digital Humanities-Expertin bzw. Experten bis hin zu zahlreichen Early Careers und thematischen Neueinsteiger:innen versammelte, die sich über das Feld informieren wollten und Kontakte sowie Anküpfungspunkte suchten. Nach einem Auftakt mit acht kurzen Pitches, die auf den Call des Arbeitskreises für Digitale Kunstgeschichte eingegangen sind (s. u.), wurden noch weitere Themen gesammelt und auf drei Diskussionszyklen mit drei bis fünf parallel stattfindenden Räumen verteilt. Zusätzlich strukturiert wurde der Tag durch eine Vorstellung der Aktivitäten des Arbeitskreises vor der Mittagspause und einem abschließenden Plenum, in dem die Gruppen von ihrem Austausch berichtet haben. Als weiteres Angebot wurden für die Pausen und als Ausklang eine virtuelle Umgebung zum Netzwerken angeboten (wonder.me). Alle Formate waren vom Arbeitskreis als Angebot gedacht, den thematischen Einstieg in das Themenfeld vor allem aber die Vernetzung zu befördern. Diese Möglichkeit wurde nach unserer Beobachtung sehr gut angenommen.
Dementsprechend wurde ein Diskussionsraum mit Tipps und Tricks für den Beginn des ersten “digitalen” Forschungsprojekts von einer weitgespannten Runde besucht, die spontan Anfänger:innen und Forscher:innen mit viel Erfahrungen zusammengeführt hat. Gemeinschaftlich arbeiteten sie an einem Best-practice-Dokument. Die thematisch engeren Diskussionsräume hatten zwar kleinere Teilnehmerzahlen, waren jedoch ebenso heterogen besucht. Als großer Erfolg können die vielen angeregten Diskussionen gewertet werden, die aus verschiedenen Projekten und Expertisen kommend auf verbindende und fortführende Einsichten gerichtet waren. Sie waren für alle Teilnehmer:innen eine große Bereicherung und ließen die jeweils auf eine gute Stunde begrenzte Diskussionszeit fast regelmäßig als zu knapp bemessen erscheinen. Ein Vorteil des spontanen Tagungsformates war es sicher, dass so nur Themen besprochen wurden, die aktuell durch die Anwesenden Zuspruch fanden und auf Diskussionsbedarf trafen. Zuzüglich zum geläufigen Zoom-Chat und Twitter (#openspaceDKG2021) gab es einen Slack-Channel mit Tipps und Hilfestellungen zum Tagungsformat. Ein kollaboratives virtuelles Board (miro) wurde nach den einleitenden pitches spontan und vielfältig von den Gruppen genutzt, um ihr Thema und ihre Diskussionspunkte auf dem interaktiven Board festzuhalten.
(Dokumentation: Angela Dressen und Holger Simon)

Projektentwicklung: Vom Schuhkarton zur Datenbank

Initiiert und dokumentiert von Catrin Blanke
Die Gruppe öffnete mit der Frage: Wie kann strategische Projektentwicklung aussehen, wenn die physischen Sammlungsobjekte erst einmal erfasst und dann in eine digitale Infrastruktur nach neuestem Stand aufgenommen werden sollen?
Festgestellt wurde, dass die Komplexität der Aufgabe und Herausforderung auf der technischen Ebene (digitale Kunstgeschichte) oft den Blick verstellen. Wie bei allen Projekten fragen wir jedoch auch hier als erstes nach Projektziel und Möglichkeiten: Wohin? Welche Daten? Wer macht was, wo, wie, wann und wieso? Organisches Arbeiten und Entwicklung “on the fly” helfen, Lösungen schrittweise zu entwickeln. Man beginnt mit einfachen Prozessen und nutzt das explizite Formulieren implizit verwendeter Prozessabläufe (mit Powerpointpräsentation, Zeichnung etc.) und iteratives Vorgehen bis zur Entscheidung über die digitale Infrastruktur. Eine offene Kommunikation zu Schwierigkeiten und Hürden, Irrwegen und Erfolgen ist notwendig.
Kunsthistoriker:innen, so bestätigte die Erfahrung der Diskussionsrunde, wünschen sich Unterlagen zum Einstieg in die digitale Kunstgeschichte und Empfehlungen (Handreichungen) für die Erarbeitung des notwendigen Know-hows.
Das Fazit der gemeinsamen Überlegungen kann wie folgt zusammengefasst werden: Sich nicht von der technischen Herausforderung abschrecken lassen und mit konsequentem Projektmanagement Schritt für Schritt vorarbeiten. Die Projektplanung iterativ gestalten und dabei Mut zur Lücke und zum “failing forward” haben. Insbesondere soll auf implizit vorhandenes Wissen zurückgegriffen werden können - in der Besprechung somit nicht nur sprechen, sondern auch zuhören. Gerade bei interdisziplinären Forschungsprojekten muss genau verstanden werden, wer was mit welchen Begriffen meint (z. B. stellt sich der Begriff “Design” für Kunsthistoriker:innen und Interface Designer:innen als zwei verschiedene Paar Schuhe heraus). Unbedingt zu berücksichtigen ist, welcher Teil des Projekts auf das Sammeln und Organisieren von Material und Informationen, und welcher auf das tatsächliche Forschen mit digitalen Daten abzielt.

Beyond Ontology

Initiiert und dokumentiert von Jacqueline Klusik-Eckert
Trotz unterschiedlicher Perspektiven auf die Frage der Datenmodellierung und Datenbankstrategien gab es in dem Raum einen Konsens. Wenn es um Daten geht, verfolgen wir das gleiche Ziel. Wir möchten unsere Forschungsdaten miteinander vernetzen, sie austauschbar und erweiterbar halten. Wir zielen auf Transparenz und Interoperabilität. In der Gruppe wurde, angeregt durch das Forschungsprojekt Beyond Ontology von Jacqueline Klusik-Eckert, diskutiert, ob die in der Theorie angelegte Interoperabilität durch Ontologien wie CIDOC-CRM und LIDO in der Praxis umsetzbar ist. Als Fallbeispiel wurde über die Modellierung von Objektbeziehungen nachgedacht. Dabei wurde festgestellt, dass Werkbeziehungen aus unterschiedlichen Gründen noch nicht in den großen Onlinesammlungen angelegt werden. Darüber hinaus wurde sich über aktuelle Projekte ausgetauscht, die nach einer Standardisierung der Datenmodellierung für unser Kulturgut arbeiten und sich eher im Gedanken der Meta-Datenbank verpflichtet sehen. Doch hier hat sich gezeigt, dass eine Vernetzung der unterschiedlichen Communities noch aussteht. Parallel hat der Raum über Twitter angeregt, Projekte zu sammeln.

Semantische Daten und Linked Open Data

Initiiert und dokumentiert von Linda Freyberg, Sabine Günther, Thomas Hänsli, Florian Kräutli und Stephanie Santschi
Im Open Space versammelten sich Interessierte zum Thema semantische Daten und Linked Data, dabei bildeten zwei Projekte die Diskussionsgrundlage. Sabine de Günther und Linda Freyberg stellten Restaging Fashion vor, Florian Kräutli das Projekt Bilder der Schweiz Online (BSO). Beide Projekte bereiten Daten aus unterschiedlichen Quellen für die kunsthistorische Forschung auf. Gemein sind beiden Projekten ein Fokus auf Bilddaten und Datenvisualisierung. Restaging Fashion generiert zudem digitale Rekonstruktionen historischer Kleidung als 3D Daten, während BSO ein besonderes Augenmerk auf geografische Daten legt. Ein Grundpfeiler von Linked Data ist die Beschreibung von Daten mittels Links auf existierende Referenzdaten. Bei historischen Forschungsprojekten stellt sich aber immer die Frage, ob überhaupt direkte Beziehungen zu existierenden Taxonomien hergestellt werden können. Hier bietet es sich an, schwächere Beziehungen zu wählen (z.B. skos:closeMatch, statt skos:exactMatch oder owl:sameAs), oder existierende Thesauri zu erweitern. Auf der technischen Ebene wurden geeignet Linked Data Plattformen und Tools zur Datensammlung angesprochen, u.a. Omeka S, WissKi, ResearchSpace und Metaphacts Open Platform.

Zeitschrift zur Rezension von Forschungssoftware und Datenservices

Initiiert und dokumentiert von Lisa Dieckmann, Maria Effinger und Anne Klammt
Der Open Space hat zur Profilierung eines neuen Formats ‒ Construction Kit: a review journal for research tools and data services in the humanities ‒ für Rezensionen von Forschungssoftware und digitalen Services geführt. Beigetragen haben dazu sowohl Forscher:innen, die das Thema aus dem Blickwinkel der Anwendung und des Einsatzes von Software und Services betrachten, als auch solche, die diese entwickeln. Für die Anwendung wurde besonders der Bedarf nach Besprechungen hervorgehoben, aus denen sich ein umfassendes Bild zu den Use Cases und dem Aufwand zur Implementierung und dem Erlernen einer angemessenen Anwendung ergibt. Für die Research-Software-Engineers sind die differenzierte Beschreibung der technischen Parameter der Software und ihrer Dokumentation wichtige Merkmale einer aussagekräftigen Rezension. Die Veröffentlichung solcher Reviews über ein Open-Access-E-Journal, das über arthistoricum.net gehostet werden soll (Nutzung von Open Journal Systems [OJS]) und entsprechend von einer etablierten Infrastruktur mit bibliothekarischer Katalogisierung, Datenrepositorium und der Anbindung an den arthistoricum.net-Blog profitieren kann, wurde von der Gruppe als zielführend eingeschätzt. Positiv begrüßt wurde die Verbindung mit der Task Area 3 Research Tools and Data Services von NFDI4Culture, die von 2021 an eine Registry von Software und Services aufbauen wird. Auch in diesem Kontext werden einige Rezensionen entstehen, die in der neuen Zeitschrift veröffentlicht werden können.

Computervision

Initiiert und dokumentiert von Peter Bell und Fabian Offert
Der Einstieg in die Diskussion über das künstliche Sehen (Computer Vision) wurde durch eine Präsentation der Bildähnlichkeitssuche imgs.ai vollzogen und entfachte sich insbesondere um die Validität und teilweise Banalität oder Unerwartetheit der Ergebnisse. Dabei wurde sogar infrage gestellt, ob überhaupt von Ergebnissen gesprochen werden sollte, da darin schon eine sehr subjektive Erwartungshaltung enthalten ist, während die präsentierte Ähnlichkeitsverhältnisse lediglich statistische Sichten auf das Material sind, die sich mit jedem Modell ändern. Begrüßt wurde der ‘Verfremdungseffekt’ und die kritische Praxis, die im Umgang mit der Maschine gepflegt wird und ein Beitrag der digitalen Kunstgeschichte als Bildwissenschaft sein könnte. Unterstrichen wurde auch, dass obwohl große Fortschritte im Gebiet zu verzeichnen sind, weiterhin viel Grundlagenforschung zu leisten ist, die ein tiefergehendes Bildverständnis ermöglichen. Handschriften wurde in ihrer doppelten Bedeutung diskutiert, indem die Fortschritte im Bereich der Texterkennung (OCR) betont wurden, aber auch die Sonderstellung von illuminierten Handschriften herausgestellt wurden, deren Untersuchung sich durch Bild-Textrelation, Seitengestaltung und sequenzieller Bilderzählung anbieten würde.

Jetzt endlich Wikidata!

Initiiert und dokumentiert von Michael Müller und Georg Schelbert
In der Diskussionsrunde haben wir festgestellt, dass Wikidata bereits in einem ganzen Spektrum von Funktionen zum Einsatz kommt - als identifier, zur Daten-Anreicherung und zur Dokumentation von Daten aus eigenen Projekten und Sammlungen. Allerdings war auch erkennbar, dass dies noch eher sporadische Beispiele sind.
Es war im Raum spürbar ein großes Interesse vorhanden, Wikidata mehr und intensiver einzusetzen. Ebenso groß ist der Bedarf an passenden Werkzeugen und Best-practice-Beispielen. Die globale Community hat bereits zahlreiche Tools entwickelt, die zentral gesammelt werden (https://www.wikidata.org/wiki/Wikidata:Tools). Es bleibt ein Desiderat, die konkreten Anwendungsmöglichkeiten anhand von Beispielen zu diskutieren und gerade auch Werkzeuge, die in der Kunstgeschichte eingesetzt werden könnten, bekannter zu machen. Auch wäre es hilfreich, zu identifizieren, wo es typischerweise “hakt” und sich darüber systematisch auszutauschen.
Es hat sich aus dem Open Space heraus eine Arbeitsgruppe gebildet, die diese Themen angehen und nicht zuletzt zu einem besseren Austausch der sehr unterschiedlichen Kenntnisse beitragen möchte. Weitere Interessierte sind jederzeit herzlich dazu eingeladen. Sie finden Zugang über einen Slack-Channel namens Wikidata des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte (weitere Informationen zum Zugang unter https://digitale-kunstgeschichte.de/).

Zwischen den Stühlen? Forschungsförderung für Projekte der Digitalen Kunstgeschichte

Initiiert und dokumentiert von Jacqueline Klusik-Eckert
Jede*r, die/der in einem interdisziplinären Bereich forscht, kennt das Problem, dass man mit seinen Anträgen „zwischen den Stühlen“ sitzt. In kleiner Gruppe konnte dies von allen bestätigt werden. Darum haben wir darüber gesprochen, wie man geschickt mit den unterschiedlichen Labeln umgehen kann, wie die Erfahrungen mit fachfremden Reviewer:innen bislang gewesen ist und ob es Nachteile gibt, diese In-Between-Stellung weiter voranzutreiben. Als Ergebnis wurde festgestellt, dass wir aktiv an einer positiveren und unterstützenden Fachkultur arbeiten müssen, um Konkurrenzdruck und missgünstiges Gutachtertum entgegenzuwirken. Wünschenswert wäre eine Öffnung etablierter Strukturen und einer größeren Bereitschaft, Ergebnisse wie auch Daten offen zu teilen. Eine aktive Lobbyarbeit gegenüber Fördergebern als auch eine Forcierung der Förderung von Projekten ohne utopische Versprechungen könnte hier zu einem Mentalitätswechsel führen.

Digitale Viewer und Visualisierungen

Initiiert und dokumentiert von Linda Freyberg, Sabine Günther, Thomas Hänsli, Florian Kräutli und Stephanie Santschi
In diesem Raum fand anhand der vorgestellten Forschungsprojekte Raoul Hausmann, Art of the March (UCLAB Potsdam), beide realisiert mit dem Open Source Vikus Viewer, und Bilder der Schweiz Online (SARI) eine spannende Diskussion zum Zusammenhang zwischen Bild und Wissen statt. Sowohl epistemologisch, in dem gefragt wurde, welchen Wert das (digitale) Bild, das auch die Visualisierung beinhaltet, als Erkenntnismedium hat, wie auch instrumental, nämlich ob digitale Viewer und Datenvisualisierungen eher zum Kuratieren (Darstellung) oder zum Recherchieren (Forschungsinstrument) dienen. Visualisierungen können als Brücken zwischen Makro- und Mikroperspektiven dienen, bei der Überprüfung der eigenen Arbeit helfen, der Exploration eines bisher unbekannten Datensets dienen und zudem didaktisches Werkzeug sein. Zum digitalen Bild als Erkenntnismedium wurde festgestellt, dass Visualisierungen stark davon abhängig sind, was Forschende und Endnutzende sehen respektive nicht darstellen möchten. Jeder Visualisierung liegt somit ein rhetorischer Wert zugrunde. Der Diskurs zum Umgang mit Unschärfen in Daten (Abbildung von Zeiträumen, geografischen Entitäten etc.) innerhalb von Visualisierungen soll unbedingt fortgeführt und verstärkt werden. Es ist zu wünschen, dass kunsthistorische Forschungsprojekte die Visualisierungen als Teil des Prozesses verwenden am Projektende nicht nur erfolgreiche Visualisierungsstrategien, sondern auch Informationen zum Lern- und Nachlernprozess publizieren: Zwischenergebnisse, Lücken und die iterative Veränderung im Spannungsfeld visuelles Kuratieren vs. Recherchieren mittels Visualisationen ist ein wichtiger wissenschaftlicher Bestandteil.

Qualitätssicherung – Replikation von inkorrekten Informationen, kritischer Umgang mit Daten und Möglichkeiten der Korrektion bereits etablierter Fehler

Initiiert und dokumentiert von Charlotte Oertel
Was passiert, wenn Quellenkritik nicht nur ein Beiprodukt guter Forschung ist, sondern zum Fokus wissenschaftsreflektiver Analyse wird? Kunsthistorische Arbeit baut regelmäßig auf früheren Publikationen auf. Zu häufig existieren allerdings Fehlinformationen, welche in Zitationsketten unreflektiert reproduziert werden. Durch Automatisierung können mittlerweile ganze Metadaten-Sets blind kopiert werden. Allerdings bieten technische Methoden auch Möglichkeiten, Diskrepanzen aufzuspüren und Ursprungsquellen zugänglicher zu machen. Die Existenz etablierter Fehlinformationen war allen Teilnehmern an der Diskussion in verschiedenen Formen bekannt, und das Format der freien Diskussion half, sich der komplexen Problematik zu nähern. Ein besseres Bewusstsein in Forschung und Lehre sowie Implementation korrektiver Systemprozesse wurden als zentrale Voraussetzungen besserer Praxis vorgeschlagen. Ein ergänzender Impuls wurde von Teilnehmern aus der Provenienzforschung gesetzt: Hier können informationsgebende Institutionen ein Interesse haben, Quellen zu verzerren. Dennoch wurden besitzende Institutionen von Kulturgütern und etablierte Instanzen am ehesten als verantwortlich gesehen, Informationen zu prüfen und Kontrollprozesse finanziell zu berücksichtigen - ohne als Autorität im Sinne des Monopols gelten zu dürfen.

Übersicht Pitches

 

  1. Stephanie Santschi, Florian Kräutli und Thomas Hänsli: Strategien zur Projektentwicklung in den Digital Humanities
  2. Sabine de Günther und Linda Freyberg: Restaging Fashion - Digitalisierung, Inhaltserschließung und Visualisierung vestimentärer Quellen
  3. Fabian Offert, Peter Bell und Oleg Harlamov: imgs.ai. A Fast, Dataset-Agnostic, Deep Visual Search for Digital Art History
  4. Michael Müller und Georg Schelbert: Jetzt endlich Wikidata!
  5. Florian Kräutli, Stephanie Santschi und Thomas Hänsli: Visuelle Daten im semantischen Raum – Bilder der Schweiz Online
  6. Elisa Roßberger: Babylonische Siegel(ungen) mit Knoten und Kanten
  7. Jacqueline Klusik-Eckert: Beyond Ontology?
  8. Lisa Dieckmann, Maria Effinger und Anne Klammt: Rezensionszeitschrift Forschungssoftware und Services
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news-12165 Thu, 18 Feb 2021 10:19:44 +0100 #vKG2021 - Digitale Erfahrungen und Strategien - Programm und Anmeldung /beitrag/2021/02/18/vkg2021-digitale-erfahrungen-und-strategien-programm-und-anmeldung

Digitale Erfahrungen und Strategien in der Kunstgeschichte nach einem Jahr Corona-Pandemie

Online-Konferenz am 26. und 27. März 2021

Das Programm der Tagung und die Anmeldung finden Sie auf arthistoricum.net.

Eine Anmeldung zur Online-Konferenz des Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V., des
Ulmer Verein – Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V. und des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte ist nun möglich.
Bitte besuchen Sie die Anmeldeseite und registrieren Sie sich kostenlos bis zum 19.3.2021 über das Anmeldefenster.

Außerdem ist das Programm der Konferenz nun ebenfalls online und kann auf den Seiten von arthistoricum.net eingesehen werden:
Programm: Freitag, den 26. März 2021
Programm: Samstag, den 27. März 2021

 

Termin: 26.-27. März 2021
Anmeldefrist: 19. März 2021
Informationen zur Konferenz

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news-12145 Tue, 16 Feb 2021 16:44:30 +0100 Max Beckmann: Digitales Werkverzeichnis im Internet zugänglich /beitrag/2021/02/16/max-beckmann-digitales-werkverzeichnis-im-internet-zugaenglich Seit 15. Januar 2021 ist das neue Werkverzeichnis der Gemälde von Max Beckmann online. Unter http://beckmann-gemaelde.org stehen die 843 Gemälde des Künstlers weit überwiegend mit farbiger Abbildung zur Verfügung. Die Werke sind verknüpft mit rund 10.450 Datensätzen: 5.100 Publikationen, 1.350 Ausstellungen, 2.500 Personen, 1.100 Institutionen, 270 Auktionen und 130 Archivmaterialien. Vielfältige Sortier- und Filterfunktionen bieten raschen und zuverlässigen Zugriff auf umfangreiche Rechercheergebnisse.

Anja Tiedemann

Seit 15. Januar 2021 ist das neue Werkverzeichnis der Gemälde von Max Beckmann online. Unter http://beckmann-gemaelde.org stehen die 843 Gemälde des Künstlers weit überwiegend mit farbiger Abbildung zur Verfügung.

Die Werke sind verknüpft mit rund 10.450 Datensätzen: 5.100 Publikationen, 1.350 Ausstellungen, 2.500 Personen, 1.100 Institutionen, 270 Auktionen und 130 Archivmaterialien. Vielfältige Sortier- und Filterfunktionen bieten raschen und zuverlässigen Zugriff auf umfangreiche Rechercheergebnisse. Weltweit zugänglich und kostenfrei nutzbar dient das digitale Verzeichnis der Forschung, bietet aber auch interessierten Kunstliebhabern eine attraktive Plattform.

In Auftrag gegeben wurde der Catalogue Raisonné von der Kaldewei Kulturstiftung, Ahlen. Auf der Grundlage des Werkverzeichnisses der Gemälde von Barbara und Erhard Göpel bearbeiteten und ergänzten die Kunsthistorikerin Dr. Anja Tiedemann und ihr Team die vorliegenden Daten. Von Tiedemann stammte auch das Gesamtkonzept, das nach ihren Vorstellungen programmiert wurde. Der Online-Katalog wird künftig regelmäßig aktualisiert und ständig weiterentwickelt.

Zu diesem Zweck finanziert die Kaldewei Kulturstiftung der Hamburger Kunsthalle eine Personalstelle und hat bereits weitere Mittel für die Beckmann-Forschung zur Verfügung gestellt. Ausgehend von dem nun an der Hamburger Kunsthalle angesiedelten Projekt, begründet das Museum zudem das Beckmann Forum: Im engen, internationalen Austausch mit Museen, Archiven, Universitäten und ausgewählten Experten wird es in den kommenden Jahren ein lebendiges Forschungszentrum für den Künstler Max Beckmann sein.

Mitte Februar 2021 erscheint ein auf dem digitalen Werkverzeichnis basierender Œuvre-Katalog mit großformatigen Abbildungen. Er enthält ausschließlich nicht veränderliche Informationen zu den Gemälden, aber auch Auszüge aus den Tagebüchern Max Beckmanns und seiner Frau Mathilde. QR-Codes führen direkt zum Online-Katalog.

 

 

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news-11875 Wed, 03 Feb 2021 14:15:00 +0100 Philipp Hainhofer: Reiseberichte & Sammlungsbeschreibungen 1594–1636 /beitrag/2021/02/03/philipp-hainhofer-reiseberichte-sammlungsbeschreibungen-1594-1636

Edition und Datensammlung zur Kunst- und Kulturgeschichte der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Ein Beitrag von Michael Wenzel und Martin de la Iglesia

 

Die Reiserelationen Philipp Hainhofers spiegeln seine vielfältigen Tätigkeiten wider: Zwischen 1594 und 1636 bereiste der Augsburger zahlreiche Orte zwischen Stettin und Italien, um dabei diplomatischen, kaufmännischen und gelehrten Interessen und Aufträgen nachzukommen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es in einer solchen Funktion nördlich der Alpen keine bedeutendere Figur als Hainhofer. Dadurch stellen seine Reiserelationen eine reichhaltige und hochrelevante Quelle für Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaften der Frühen Neuzeit dar, vor allem für solche Forschungsgebiete, welche sich auf Kunst- und Wunderkammern, höfische Kultur oder interkulturelle Prozesse beziehen.

 

Die digitale Edition "Philipp Hainhofer: Reiseberichte & Sammlungsbeschreibungen 1574 & 1636" wird die erste vollständige Edition von Hainhofers Reiserelationen sein. Die digitalisierten Handschriften und transkribierten Texte werden dabei ergänzt durch textkritische Apparate, ausführliche Stellenkommentare und Register. Eine solch umfassende und tiefe Erschließung der Reiserelationen ist ein schon lange bestehendes Desiderat.

2020 endete die erste Phase des an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel angesiedelten und von der DFG geförderten Projekts. Im selben Jahr ging die Editionswebsite hainhofer.hab.de online. Sie umfasst die zwischen 1603 und 1636 entstandenen Beschreibungen der fünf Reisen Hainhofers an den Münchner Hof. Anschließend sollen in einem zweiten Abschnitt bis 2023 die Reisen nach Eichstätt, Nürnberg, Regensburg, Neuburg, Heidelberg (und Oberrhein) sowie Stuttgart, daraufhin in einer dritten Förderperiode die Reisen nach Stettin, Innsbruck und Dresden herausgegeben werden. Die letzte Projektphase wird das Reisetagebuch der Studien- und frühen Erwachsenenjahre sowie einige kleinere Kuraufenthalte zum Thema haben. Der Abschluss des Langfristvorhabens ist für 2029 vorgesehen.

 

Eine ausführlichere Projektvorstellung findet sich in einem 2019 erschienenen Beitrag in den Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen sowie online auf ART-Dok, der Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften der Universitätsbilbiothek Heidelberg. Die der Edition zugrundeliegenden Forschungsdaten – also vor allem die in TEI/XML codierten Transkriptionen und Kommentare sowie die daraus abgeleiteten Formate PDF, TXT und XHTML, außerdem die Register in PDF und XHTML – werden auf dem Repositorium für Forschungsdaten arthistoricum.net@heiDATAder Universitätsbibliothek Heidelberg dauerhaft archiviert. Während die Editionswebseite hainhofer.hab.de bis zum Ende der Projektlaufzeit kontinuierlich um neue Inhalte ergänzt wird, werden neue Versionen des Datensets auf arthistoricum.net@heiDATA in größeren Abständen bereitgestellt.

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news-11942 Thu, 21 Jan 2021 17:42:10 +0100 Workshop "Open Space der Digitalen Kunstgeschichte" /beitrag/2021/01/21/workshop-open-space-der-digitalen-kunstgeschichte Open Space der Digitalen Kunstgeschichte - Wir wollen neue Erkenntnisse teilen, gemeinsam unser Methodenrepertoire schärfen und neue Wege diskutieren. Freitag, der 29. Januar 2021, von 9:00 Uhr – 18:00 Uhr, online per Zoom

Open Space der Digitalen Kunstgeschichte - Wir wollen neue Erkenntnisse teilen, gemeinsam unser Methodenrepertoire schärfen und neue Wege diskutieren.

Freitag, der 29. Januar 2021, von 9:00 Uhr – 18:00 Uhr, online per Zoom

Link zur Anmeldung

Die Digitalisierung hilft Komplexität zu erfassen, die dem Menschen analog so nicht zugänglich wäre. Das gilt nicht nur für die Wettervorhersage oder für die Auswertung pandemischer Daten. Das betrifft alle Wissenschaften und so auch die Kunstgeschichte.

So können beispielsweise mit Graphdatenbanken Archive vollständig zugänglich und über Linked Open Data auch inhaltlich erschlossen werden. Computer Vision ist mittlerweile in der Lage, sehr große Bildrepositorien zu analysieren und dabei automatisch Ähnlichkeiten in Stil und Motiv zu erkennen. Eine computergenerierte Stilkritik scheint hier in naher Zukunft möglich. Mit digitalen Rekonstruktionen können wir Räume, die es nicht mehr gibt, präzise erstellen und dreidimensional erfahrbar werden lassen. Und Visualisierungen helfen uns, Big Data zu verstehen und im Hinblick auf Netzwerke und ausgesuchte Kategorien zu untersuchen.

Wir brauchen einen Ort, an dem wir gemeinsam diese neuen Möglichkeiten für das Fach Kunstgeschichte diskutieren, computer-prozessierte Verfahren vorstellen und die Methoden kritisch reflektieren können.

Dafür wollen wir den “Open Space der Digitalen Kunstgeschichte” etablieren. Open Space ist ein Raum, der zum einen Impulse aus den aktuellen Forschungen geben und zugleich offen für neue Fragen und Themen sein möchte. Wir wollen Wissen verstehen und Erfahrungen austauschen, wir wollen aber auch Raum geben für neue Wege, die wir heute noch nicht kennen.

Der Open Space ist daher ein gemischtes Format, das kurze Impulsreferate (Pitches) mit einem offenen Barcamp verbindet, auf dem die Fragen und Thesen diskutiert werden, die die Teilnehmer:innen mitbringen. Open Space ist also ein Mitmachformat.

Agenda

9:00–9:10 Uhr Begrüßung
9:10–10:00 Uhr Plenum: Pitchs Digitale Kunstgeschichte

  • Strategien zur Projektentwicklung in den Digital Humanities | Stephanie Santschi, Florian Kräutli, Thomas Hänsli
  • Restaging Fashion – Digitalisierung, Inhaltserschließung und Visualisierung vestimentärer Quellen | Sabine de Günther, Linda Freyberg
  •  imgs.ai. A Fast, Dataset-Agnostic, Deep Visual Search for Digital Art History | Fabian Offert, Peter Bell, Oleg Harlamov
  • Jetzt endlich Wikidata! | Michael Müller, Georg Schelbert
  • Visuelle Daten im semantischen Raum – Bilder der Schweiz Online | Florian Kräutli, Stephanie Santschi, Thomas Hänsli
  • Babylonische Siegel(ungen) mit Knoten und Kanten | Elisa Roßberger
  • Beyond Ontology? | Jacqueline Klusik-Eckert
  • Rezensionszeitschrift Forschungssoftware und Services | Lisa Dieckmann, Maria Effinger, Anne Klammt


10:00–12:30 Uhr Open Space Digitale Kunstgeschichte
12:30–13:30 Uhr Plenum: Informationen zum Arbeitskreis „Digitale Kunstgeschichte“

13:30–14:30 Uhr Mittagspause

14:30–16:30 Uhr Open Space Digitale Kunstgeschichte
16:30–ca. 17:30 Uhr Plenum: Austausch und Abschluss

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news-11909 Mon, 18 Jan 2021 09:09:25 +0100 Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption (Call for Paper) /beitrag/2021/01/18/symposium-anselm-kiefer-material-begriffe-rezeption-call-for-paper

Ein Beitrag von Dr. Sebastian Baden

 

Call for Papers
Please scroll down for English version

 

Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption
(12. März 2021; Deadline 31. Januar 2021)

Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim bis 06.06.2021

 

Anselm Kiefer (*1945) ist einer der bekanntesten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Sein umfangreiches und vielschichtiges Werk setzt sich mit der deutschen Geschichte, der Verbindung von jüdischer und christlicher Tradition und den Medien der Erinnerungskultur auseinander. Die Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim zeigt Werke aus der Sammlung Grothe, die mehr als 30 Jahre künstlerisches Schaffen repräsentieren. Zu den typischen Werkstoffen des international renommierten Künstlers zählen neben Ölfarbe und Schellack die Materialien Asche, Blei, Beton, Pflanzen und Kunstharz. Die zumeist großformatigen Gemälde und Skulpturen sind in ihrer Dimension und ihrer haptischen Materialität auf Überwältigungseffekte angelegt. Die Ausstellung zeigt neben dem zentralen Frühwerk „Volkszählung“ von 1987-89 rund 17 Arbeiten aus mehr als drei Jahrzehnten wie „Die große Fracht“ (1981/1996), „Frauen der Antike“ (2002), „Palmsonntag“ (2007), oder „Der verlorene Buchstabe“ (2011-2017).

 

Konzept des Symposiums (12.3.2021)
Anselm Kiefer hat für die Gesellschaft und ihre Individuen existenzielle Themen aufgegriffen. Nach seiner intensiven Auseinandersetzung mit der deutschen Nachkriegsgeschichte im Frühwerk entstanden in den letzten Jahrzehnten seit der Übersiedelung nach Frankreich Arbeiten zur Verbindung von jüdischer und christlicher Kultur. Der Künstler zeigt darin sein Interesse an den unterschiedlichen Weltreligionen, der Mystik sowie den Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Kiefers Arbeiten sind zeitgenössische Historienbilder, die Geschichte kritisch reflektieren und mit ihrer Ästhetik eine emotionale Wirkung erzielen.

 

Das Werk von Anselm Kiefer wurde in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und von umfangreichen Katalogen begleitet. Verschiedene Publikationen und Monographien widmen sich fokussiert wichtigen Themen im Werk des Künstlers und zeigen die Geschichte der Ateliers, die als künstlerisch umgestaltete Landschaften wie Gesamtkunstwerke erscheinen. Einzelne kunstwissenschaftliche Qualifikationsarbeiten haben Kiefers Werk in unterschiedlichen Kontexten mit anderen zeitgenössischen künstlerischen Positionen verglichen. Die Kunstkritik wiederum hat Beiträge zur öffentlichen Diskussion um die Ästhetik und thematischen Inhalte in den Arbeiten von Anselm Kiefer geleistet. Für sein Werk wurde Anselm Kiefer mehrfach ausgezeichnet und sogar mit Aufträgen für den Louvre oder das Panthéon bedacht.

 

Im Rahmen der Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim soll das Symposium Anselm Kiefers Werk aus der Perspektive der jüngsten Forschung beleuchten. Neben der Präsentation der Werke soll die transdisziplinäre Arbeit vergleichender und kritischer Studien aus den Bereichen der Kunstgeschichte, Literatur- und Kulturwissenschaft, Geschichts- und Politikwissenschaft, Erinnerungskultur, Theologie oder Kunstpädagogik vorgestellt werden. Die ausgewählten Referent*innen des Symposiums und die Diskussionen mit dem Publikum sollen einen Beitrag zur aktuellen und internationalen Rezeptionsgeschichte von Anselm Kiefer leisten.
Der Aufruf richtet sich sowohl an etablierte als auch Nachwuchswissenschaftler*innen; gefragt sind Einreichungen aus Qualifikationsschriften, laufenden Forschungsprojekten oder kunstkritische Essays, die nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Das Themenfeld orientiert sich an den ausgestellten Arbeiten und kann folgende Kontexte berücksichtigen:

 

  • Anselm Kiefers Werk im Kontext der Nachkriegszeit und Gedenkkultur
  • Diskurs und Kritik am Werk in der Kunstgeschichte der Gegenwart
  • Die deutsch-französische Perspektive auf die politische Rolle des Künstlers Anselm Kiefer
  • Lyrik und Schrift auf Bildern und Skulpturen
  • Kosmologie und Astronomie zwischen Renaissance und NASA
  • Weltkulturen
  • Genderstudies
  • Jüdische Mystik und Kabbala neu entdeckt
  • Christliche Ikonografie im Wandel
  • Künstlerbücher und Wissenstransfer
  • Kiefers Werk in der Kunstvermittlung und Kunstpädagogik
  • Weitere Vorschläge sind möglich

 

Das Symposium wird von einer Podiumsdiskussion eröffnet.

Teilnehmer*innen des Podiums sind:

  • Prof. Dr. Andreas Beyer, Universität Basel, Kunsthistorisches Seminar, Sprecher Forschungsverbund Bilderfahrzeuge
  • Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Karlsruhe, ehem. Direktor des Städelschen Kunstinstituts Frankfurt am Main, hat 1980 Werke von Anselm Kiefer im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig gezeigt
  • Dr. Esther Graf, Vorstand der jüdischen Gemeinde Mannheim, wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Schwerpunkt Kunstgeschichte am Zentrum für jüdische Studien Heidelberg
  • Dr. Harriet Häußler, freie Kunsthistorikerin, Berlin, 2000-2003 Atelierassistenz bei Anselm Kiefer, Promotion über Anselm Kiefers Werkgruppe „Himmelspaläste“

 

Die Beiträge sollen in Präsentationen von max. 20 Minuten vorgestellt werden. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Aufgrund der derzeitigen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie wird die Veranstaltung hybrid angelegt und perOnline Streaming übertragen. Vorträge können über eine vom Veranstalter eingerichtete Videochat-Plattform online verfolgt werden.

 

Abgabefrist für die Einreichung der Vorschläge: 31. Januar 2020. Bitte um Abstracts per E-Mail mit max. 2.000 Zeichen und Angaben zum CV. Eine Auswahl der Beiträge erfolgt bis 4. Februar 2020. Kontakt: sebastian.baden@mannheim.de

 

Die Kunsthalle übernimmt die Kosten für die Unterkunft der Referent*innen. Reisekosten können nach vorheriger Absprache bezuschusst werden.

 

Die Ausstellung und das Begleitprogramm werden gefördert von Stiftung Kunsthalle Mannheim, Hector-Stiftungen, Verein 321-2021:1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland e.V. und dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat.

 

Kurator der Ausstellung: Dr. Sebastian Baden
Programmkuratorin: Dörte Dennemann
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
kuma.art

 

Call for Papers: Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption
(12. März 2021; Deadline 31. Januar 2021)
Kontakt: sebastian.baden@mannheim.de

 

Call for Papers (ENGLISH VERSION)

 

Symposium: Anselm Kiefer. Materials, Themes, Reception (March 12, 2021; Deadline January 31, 2021)
Special exhibition "Anselm Kiefer" at the Kunsthalle Mannheim
Through 06.06.2021

 

Anselm Kiefer (*1945) is one of the best-known German artists of the post-war period. His extensive and multi layered work deals with German history, the connection between Jewish and Christian tradition and the media of memory culture. The special exhibition "Anselm Kiefer" at the Kunsthalle Mannheim shows works from the Grothe Collection representing more than 30 years of artistic creation. In addition to oil paint and shellac, the internationally renowned artist's typical materials include ash, lead, concrete, plants and synthetic resin. The mostly large-format paintings and sculptures are designed for overwhelming effects in their dimension and haptic materiality.
Starting from the central early work "Census" from 1987-89, the exhibition shows around 17 works from more than three decades, such as "The Great Cargo" (1981/1996), "Women of Antiquity" (2002), "Palm Sunday" (2007), or "The Lost Letter" (2011-2017).

 

Concept of the Symposium (12.3.2021)
Anselm Kiefer has taken up existential themes for society and its individuals. After his intensive examination of German post-war history in his early work, he has produced works on the connection between Jewish and Christian culture in recent decades since moving to France. In them, the artist shows his interest in the various world religions, mysticism, and the findings of the natural sciences. Kiefer's works are contemporary history paintings that critically reflect on history and achieve an emotional effect with their aesthetics.

 

Anselm Kiefer's work has been shown in numerous international exhibitions and was accompanied by extensive catalogues. Various publications and monographs focus on important themes in the artist's oeuvre or show the history of the studios, which appear as artistically shaped landscapes transformed into total works of art. Individual art history studies compared Kiefer's work in various contexts with other contemporary artistic positions. Art criticism, in turn, has provided a public discussion of the aesthetics and thematic content in Anselm Kiefer's works. Anselm Kiefer has received numerous awards and has even been commissioned to create new works for the Louvre or the Panthéon.

 

In the context of the special exhibition at the Kunsthalle Mannheim, the symposium will illuminate Anselm Kiefer's work from the perspective of recent research. In addition to the presentation of the works, the transdisciplinary research of comparative and critical studies from the fields of art history, literature and cultural studies, history and political science, memory culture, theology or art education will be presented. The selected speakers of the symposium and the discussions with the audience should contribute to the current and recent international reception of Anselm Kiefer. The call is addressed to both established and emerging scholars; submissions from qualifying papers, ongoing research projects, or essays on art criticism that date back no more than five years are invited. The proposal may focus on the exhibited works or may consider the following contexts:

 

  • Anselm Kiefer's work in the context of the postwar period and commemorative culture.
  • Discourse and criticism of the work in contemporary art history
  • The German-French perspective on the political role of the artist Anselm Kiefer
  • Poetry and writing in Kiefer’s paintings and sculptures
  • Cosmology and astronomy between Renaissance and NASA
  • World Culture Studies
  • Gender Studies
  • Jewish mysticism and Kabbalah rediscovered
  • Christian Iconography in Transition
  • Artists' books and knowledge transfer
  • Kiefer's work in art education and art pedagogy
  • Further proposals are possible

 

The symposium will be inaugurated by a panel discussion.

Participants of the panel are:

  • Prof. Dr. Andreas Beyer, University of Basel, Department of Art History, Chair of the research network Bilderfahrzeuge.
  • Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Karlsruhe, former director of the Städelsches Kunstinstitut Frankfurt am Main, curator of works by Anselm Kiefer in the German Pavilion at the Venice Biennale in 1980.
  • Dr. Esther Graf, member of the board of the Jewish community of Mannheim, academic researcher in art history at the Center for Jewish Studies in Heidelberg
  • Dr. Harriet Häußler, freelance art historian, Berlin, 2000-2003 studio assistant to Anselm Kiefer, PhD thesis on Anselm Kiefer's "Himmelspaläste" (Heavenly Palaces)

 

The proposed presentations should not extend 20 minutes. Conference languages are German and English. Due to the current measures to contain the Covid-19 pandemic, the event will be hybrid and streamed online. Presentations can be accessed online via a video chat platform set up by the organizer.

 

Deadline for proposal submission: January 31, 2020.
Please submit abstracts by email with a maximum of 2,000 characters and CV details. A selection of papers will be made by February 4, 2020. Contact: sebastian.baden@mannheim.de

 

The Kunsthalle will cover the costs of accommodation for the speakers. Travel costs can be subsidized by prior arrangement.

 

The exhibition and the program are sponsored by Stiftung Kunsthalle Mannheim, Hector-Stiftungen, Verein 321-2021:1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland e.V., and the Federal Ministry of the Interior, Building and Community.

 

Curator of the exhibition: Dr. Sebastian Baden
Program curator: Dörte Dennemann
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
kuma.art

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news-11730 Wed, 16 Dec 2020 18:29:33 +0100 Save the date: virtuelle Tagung "Digitale Erfahrungen und Strategien in der Kunstgeschichte nach einem Jahr Corona-Pandemie" 26.-27. März 2021 /beitrag/2020/12/16/save-the-date-virtuelle-tagung-digitale-erfahrungen-und-strategien-in-der-kunstgeschichte-nach-einem-jahr-corona-pandemie-26-27-maerz-2021

Digitale Erfahrungen und Strategien in der Kunstgeschichte nach einem Jahr Corona-Pandemie

#vKG2021

Tagung (Zoom/Miro), 26. – 27. März 2021

Das kunsthistorische Arbeiten unter Pandemie-Bedingungen hat das Verhältnis des Fachs zur Digitalität tiefgreifend verändert – bestehende Entwicklungen beschleunigt, Potentiale freigesetzt, aber auch Brüche und Defizite aufgezeigt.

Die gemeinsame Tagung des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V., des Ulmer Vereins und des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte sucht ein Jahr nach der ersten pandemiebedingten Schließung der Museen, Universitäten und Forschungsinstitute den Erfahrungsaustausch, lädt zur Reflexion ein und möchte vorhandene und noch zu entwickelnde Strategien diskutieren.

Programm und weitere Informationen folgen.

 

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news-11587 Thu, 10 Dec 2020 11:34:00 +0100 Curatorial Studies – Statements: Neue Essaysammlung als Open-Access-Veröffentlichungen auf ART-Dok /beitrag/2020/12/10/curatorial-studies-statements-neue-essaysammlung-als-open-access-veroeffentlichungen-auf-art-dok

Ein Beitrag von Dr. Stefanie Heraeus

 

Curatorial Studies – Statements ist eine Essaysammlung des 2010 gegründeten Frankfurter Masterstudiengangs Curatorial Studies, der von der GOETHE-UNIVERSITÄT und der HOCHSCHULE FÜR BILDENDE KÜNSTE–STÄDELSCHULE durchgeführt wird, in Kooperation mit der HOCHSCHULE FÜR GESTALTUNG OFFENBACH und mehreren Frankfurter Museen: MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST, STÄDEL MUSEUM, LIEBIEGHAUS SKULPTURENSAMMLUNG, HISTORISCHES MUSEUM FRANKFURT, WELTKULTUREN MUSEUM und PORTIKUS.

 

Die Essaysammlung wurde auf ART-Dok, dem Volltextserver von arthistoricum.net online im Open Access veröffentlicht. ART-Dok - Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften wird von der Universitätsbibliothek Heidelberg im Rahmen ihres von der DFG geförderten "Fachinformationsdienst Kunst-Fotografie-Design" bereitgestellt.

Zum Auftakt der Reihe Curatorial Studies – Statements erscheinen 15 Essays. Sie zeugen vom breiten Spektrum kuratorischer Diskussionen und Forschungen und spiegeln zugleich die Struktur des Studiengangs: Wissenschaft, künstlerische Praxis – sowohl gegenwärtige als auch historische – sowie deren Vermittlung und Ausstellung werden aufeinander bezogen und theoretisch-kritisch reflektiert. Durch die institutionalisierte Verflechtung von Universität, Kunsthochschule und Museum treffen unterschiedliche Diskussionskulturen aufeinander und verbinden diese Perspektiven.

 

Einige Essays gehören zum direkten Forschungsfeld der Curatorial Studies, wenn es etwa um institutionskritische Handlungsspielräume von Kunstvereinen oder um die Instrumentalisierung des White Cube geht. Nadine Droste diskutiert, im Rückgriff auf die letzten 50 Jahre, in ihrem Essay „Der Kunstverein als Institution der Kritik“ die heutigen Bedingungen und Möglichkeiten einer kritischen institutionellen Praxis dieser ursprünglich bürgerlichen Einrichtung. Maximilian Wahlich legt in seinem Essay „Die weiße Zelle des Faschismus“ dar, wie das Raumkonzept der weißen Wand in den Propagandaausstellungen der Nationalsozialisten zur Konditionierung von Exponaten und Menschen genutzt wurde. Viele Fragestellungen sind aus Arbeitserfahrungen in Museums- und Ausstellungsinstitutionen hervorgegangen, manche aus konkreten Projekten wie Caroline Schäfers Essay zur bislang kaum erforschten „Porträtsammlung Grohte im Historischen Museum Frankfurt“. Schäfer war beteiligt an der mehrsemestrig erarbeiteten Ausstellung „Die Welt im Bildnis. Porträts, Sammler und Sammlungen in Frankfurt von der Renaissance bis zur Aufklärung“ (2020 im MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT).

 

Häufig sind es konkrete Ausstellungsinstallationen, mitunter von den Künstler*innen mitkuratiert, die den Ausgangspunkt der theoretischen Überlegungen bilden und Aufschluss geben über künstlerische Konzeptionen und Vorgehensweisen. Im Fokus von Katrina Weissenborns Essay „Art and Objecthood: Studien zu Cady Noland“ stehen zwei Installationen der Ausstellung im MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST. An diesen legt sie dar, wie die Künstlerin durch die Platzierungen ihrer Arbeiten die Wahrnehmung der Betrachtenden subtil lenkt und so den kunsttheoretischen Überlegungen Michael Frieds zur Minimal Art widerspricht. Ramona Heinlein befasst sich in ihrem Essay „Unterwegs zur Zeichnung – Über die Installation das (to Inger Christensen) von Silvia Bächli“ mit dem Beitrag der Künstlerin zu Venedig-Biennale 2009 im SCHWEIZER PAVILLON. Durch die akribische Positionierung ihrer Papierarbeiten überführt Bächli die subjektive Geste der Handzeichnung in den Raum und lässt ein Zeichnungsgefüge wechselnder Perspektiven und Rezeptionsmodi entstehen.

 

Mit „Expansion in die Trägermedien. Bestimmung der konzeptuellen Verfahren im Werk von Christopher Williams“ macht Sebastian Schneider anschaulich, dass sich die konzeptuellen Aspekte dieser handwerklich perfekten Fotografien präziser fassen lassen, wenn man die Bereiche von Produktion, Herstellung und Distribution als zentralen Teil seiner Konzeptkunst interpretiert. Marina Rüdiger befasst sich in ihrem Essay „Die Narrative des Sockels in der zeitgenössischen Kunst“ (Link folgt in Kürze) mit den installativen und multimedialen Arbeiten von Shahryar Nashat am Beispiel von dessen Einzelausstellung 2016 im PORTIKUS. Damit rückt sie ein Ausstellungsmöbel in den Mittelpunkt, das zumeist Teil der Inszenierung, selten jedoch zentrales Thema ist. Benedikt Seerieders Essay „Vom Begehren nach Individualität. Inszenierungen des (Un)Persönlichen bei Christian Boltanski und Henrik Olesen“ stellt heraus, wie die beiden Künstler Formen des Exponierens für ihre Arbeiten nutzen: Die von ihnen im Ausstellungsraum präsentierten Artefakte, die an die Stelle von bestimmten Individuen treten, erzeugen durch ihre spezifischen Anordnungen ambivalente Rezeptionserfahrungen.

 

Andere Essays rücken künstlerische Positionen und Problemstellungen ins Zentrum, die aktuelle Diskurse aufgreifen zu den Themenfeldern Queer, Körper, Gender und Environment. José B. Segebres Essay „Shaking Laughter Out: Jack Smith’s Decomposing Creatures” (Link folgt in Kürze) führt Lachen als Kategorie und formales Verfahren für die Filmanalyse des queeren Kultklassikers Flaming Creatures (1962–1963) von Jack Smith ein unter Einbeziehung von George Batailles Schriften.

 

Franziska Linhardts Essay „Gesten der Berührung, Zonen des Transfers – Josephine Prydes Hands (Für mich)“ befasst sich mit der 2014 bis 2016 entstandenen Fotoserie. Linhardt legt dar, wie sich in dieser Serie zugleich die Faszination für Entkörperlichung, Mediatisierung und Virtualisierung einerseits, und die Wiedereinschreibung des Körpers andererseits manifestiert. In ihrem Beitrag „Alina Szapocznikow – Der Körper als formbare Substanz“ geht Susanne Mierzwiak der Rezeption und Positionierung der in Vergessenheit geratenen Künstlerin des Ausstellungsdiskurses der 1960er Jahre nach. Mierzwiak befasst sich mit der Rolle des Kritikers Pierre Restany und untersucht aus materialikonografischer Perspektive die synthetischen Assemblagen abgeformter Körperfragmente.

 

In ihrem Essay “Ana Mendieta: Posthumanist Performativity and Spiritual Becomings” gelingt es Milena Maffei, die Arbeiten der kubanischen Künstlerin mithilfe posthumanistischer Theorien des Performativen neu zu kontextualisieren. Damit setzt sie sich von den gängigen westlichen Werkinterpretationen und formalistisch geprägten Analysemodellen ab. Mit dem Aufsatz „Auf Messers Schneide. Geschlechterdifferenz als Visualisierungsstrategie in Der Anatom von Gabriel von Max“ stellt Mirjam Wilhelm heraus, wie stark dieses Gemälde der Münchener Salonmalerei die Geschlechterrealitäten popularisierte und zugleich das Rollenverständnis des Malers als genialer Künstler formulierte.

 

Mit Gestaltungsprinzipien des urbanen Raums befasst sich Sina Brückner-Amin in „The Greenest Playground. Planting Los Angeles, 1930“. Darin zeigt sie, wie sich die Begrünung der nordamerikanischen Westküstenmetropole an der Szenerie von Hollywoodfilmen orientierte, Gegenden nichtweißer Bevölkerungsschichten ausließ und auf der Grundlage von deren Unterdrückung und Ausbeutung entstand.

 

Alice Gustson schließlich analysiert, wie 40 Jahre später in der gleichen Stadt, am LOS ANGELES COUNTY MUSEUM OF ART, ein interdisziplinärer Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie initiiert wurde. In ihrem Essay „Space Exploration. (Welt-)Raumforschung zwischen Kunst und Wissenschaft im Habitability Project von Robert Irwin und Edward Wortz“ widmet sie sich den Wahrnehmungsexperimenten zum Universum in den 1960/70er Jahren und deren Einfluss auf künstlerische Produktionen.

 

Das auf jährlich 12 bis 15 Studierende begrenzte Masterprogramm hat bislang 76 Absolvent*innen hervorgebracht, von denen derzeit mehr als die Hälfte in Museums- und Ausstellungsinstitutionen arbeiten, 13 promovieren und einige eigene Projektinitiativen gestartet haben.

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news-11602 Wed, 02 Dec 2020 15:28:00 +0100 Call for Papers & Save the Date: Open Space der Digitalen Kunstgeschichte - Wir wollen neue Erkenntnisse teilen, gemeinsam unser Methodenrepertoire schärfen und neue Wege diskutieren /beitrag/2020/12/02/call-for-papers-save-the-date-open-space-der-digitalen-kunstgeschichte-wir-wollen-neue-erkenntnisse-teilen-gemeinsam-unser-methodenrepertoire-schaerfen-und-neue-wege-diskutieren Die Digitalisierung hilft Komplexität zu erfassen, die dem Menschen analog so nicht zugänglich wäre. Das gilt nicht nur für die Wettervorhersage oder für die Auswertung pandemischer Daten. Das betrifft alle Wissenschaften und so auch die Kunstgeschichte.

Freitag, der 29. Januar 2021, von 9:00 Uhr – 18:00 Uhr, online per Zoom

Die Digitalisierung hilft Komplexität zu erfassen, die dem Menschen analog so nicht zugänglich wäre. Das gilt nicht nur für die Wettervorhersage oder für die Auswertung pandemischer Daten. Das betrifft alle Wissenschaften und so auch die Kunstgeschichte.

So können beispielsweise mit Graphdatenbanken Archive vollständig zugänglich und über Linked Open Data auch inhaltlich erschlossen werden. Computer Vision ist mittlerweile in der Lage, sehr große Bildrepositorien zu analysieren und dabei automatisch Ähnlichkeiten in Stil und Motiv zu erkennen. Eine computergenerierte Stilkritik scheint hier in naher Zukunft möglich. Mit digitalen Rekonstruktionen können wir Räume, die es nicht mehr gibt, präzise erstellen und dreidimensional erfahrbar werden lassen. Und Visualisierungen helfen uns, Big Data zu verstehen und im Hinblick auf Netzwerke und ausgesuchte Kategorien zu untersuchen.

Wir brauchen einen Ort, an dem wir gemeinsam diese neuen Möglichkeiten für das Fach Kunstgeschichte diskutieren, computer-prozessierte Verfahren vorstellen und die Methoden kritisch reflektieren können.

Dafür wollen wir den “Open Space der Digitalen Kunstgeschichte” etablieren. Open Space ist ein Raum, der zum einen Impulse aus den aktuellen Forschungen geben und zugleich offen für neue Fragen und Themen sein möchte. Wir wollen Wissen verstehen und Erfahrungen austauschen, wir wollen aber auch Raum geben für neue Wege, die wir heute noch nicht kennen.

Der Open Space ist daher ein gemischtes Format, das kurze Impulsreferate (Pitches) mit einem offenen Barcamp verbindet, auf dem die Fragen und Thesen diskutiert werden, die die Teilnehmer:innen mitbringen. Open Space ist also ein Mitmachformat.


Call for Papers
Für den ersten Teil fordern wir zur Einsendung von Vorschlägen für ein Impulsreferat auf. Wir bitten um Zusendung eines Exzerpts von einer halben bis maximal einer DIN-A4-Seite inklusive der üblichen Kontaktinformationen bis zum 10. Januar 2021 (verlängert bis 17. Januar 2021) an info@digitale-kunstgeschichte.de. Bei der Auswahl legen wir vor allem folgende Auswahlkriterien zugrunde, von denen es genügt, wenn eines der vier Kriterien überzeugend zutrifft: methodisch-theoretische Dimension, außergewöhnliches Anwendungsbeispiel, innovative Prototypen, neue Forschungsperspektiven.

Anmeldung in Kürze  möglich: https://digitale-kunstgeschichte.de/aktuelles/call-for-papers-save-the-date/

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news-11535 Wed, 25 Nov 2020 18:36:52 +0100 Wieder ein Milestone erreicht: 7.000 kunstwissenschaftliche Open-Access-Veröffentlichungen auf ART-Dok /beitrag/2020/11/25/wieder-ein-milestone-erreicht-7000-kunstwissenschaftliche-open-access-veroeffentlichungen-auf-art-dok

Heute haben wir die siebentausendste Publikation auf ART-Dok online gestellt!

Christoph Luitpold Frommel: Überlegungen zu Bramantes Entwurfsmethode, in: Jahrbuch / Max-Planck-Gesellschaft 1995, S. 592-595
https://doi.org/10.11588/artdok.00007150


Dieser Aufsatz ist Teil der Schriftenreihe Christoph Luitpold Frommel – ein Konzept, das ART-Dok seit über 10 Jahren verfolgt: Nicht nur die Veröffentlichung von Erstveröffentlichungen ist möglich, sondern vor allem auch die gebündelte Bereitstellung bereits gedruckt erschienener Publikationen in Form einer Schriftenreihe. Hier konnten in den vergangenen Jahren bereits 80 renommierte Kunstwissenschaftler und Kunstwissenschaftlerinnen gewonnen werden, deren ausgewählte Schriften in Form solcher Schriftenreihen publiziert wurden.

Angeregt wurde unsere neueste und noch im Aufbau befindliche Schriftenreihe von Christoph Luitpold Frommel mit bislang rund 90 Veröffentlichungen dankenswerterweise von Georg Schelbert, ein Vorschlag, den wir sehr gerne aufgegriffen haben.

Der Kunsthistoriker und Architekturspezialist Christoph Luitpold Frommel, geboren 1933 in Heidelberg, war von 1980 bis 2001 Direktor der Bibliotheca Hertziana in Rom. Nach 2003 hatte er für einige Jahre eine Professur an der römischen Universität La Sapienza inne und ist seit 2020 zudem Ehrenbürger von Rom.

Die Italienforschung und insbesondere die Romforschung ist ein ganz besonderer Zweig der (deutschen) kunstgeschichtlichen Forschung. Analog zu manchen archäologischen Fächern hat sie sich tief in die Untersuchung der Geschichte einer regional definierten Kunst, vor allem aber der Baukunst in der Stadt Rom eingegraben. Unter anderem wurde hierfür 1913 das römische Forschungsinstitut der Max-Planck-Gesellschaft, die Bibliotheca Hertziana gegründet. Die Beschäftigung mit der italienischen Kunst, insbesondere derjenigen der Renaissance, gehört zu den zentralen Gebieten der Kunstgeschichte und stellt eigentlich den Ursprung dessen dar, was sich im Lauf des 19. Jahrhundets als Fach Kunstgeschichte formierte. Längst hat sich das Gebiet von einer kanonisierten Überschau der Meisterwerke zu einer Spezialdisziplin gewandelt, die auch zu den großen Werken und Namen immer noch in erstaunlichem Umfang Forschungsergebnisse hervorbringt. Christoph Luitpold Frommel hat – insbesondere seit 1981, als er Direktor der Bibliotheca Hertziana wurde – diese intensive und spezialisierte Forschung vor allem auf dem Gebiet der Renaissancearchitektur wie kaum ein anderer vorangetrieben.

In seinen  zahlreichen Aufsätzen veröffentlichte Frommel in dichter Folge neue sachliche Erkenntnisse wie Datierungen, Zuschreibungen oder auch die Entdeckung von Werken. Da diese Publikationen  im engen Austausch mit der italienischen und internationalen Forschungsszene entstanden, sind sie überwiegend nicht auf Deutsch erschienen. Hier werden sie  nun erstmals gebündelt und leicht zugänglich präsentiert. Wer sich in sie hineinvertieft, wird immer wieder staunen, wie es ihm gelingt, sich in die Protagonisten der römischen Hochrenaissance – sowohl die Künstler wie Bramante, Raffael und Peruzzi, als auch die kirchlichen und füstlichen Auftraggeber – hineinzuversetzen und das Phänomen der Architektur zugleich als soziale, politische und gestalterische Aufgabe nachvollziehbar zu machen.

ART-Dok, der Volltextserver von arthistoricum.net, wird von der Universitätsbibliothek Heidelberg im Rahmen ihres von der DFG geförderten "Fachinformationsdienst Kunst-Fotografie-Design" bereitgestellt. Durch die Vergabe von dauerhaften und zitierfähigen Uniform Ressource Names (URN) über die Deutsche Nationalbibliothek sowie Digital Object Identifier (DOI) ist die Zitierfähigkeit der veröffentlichten Dokumente gewährleistet. Sie werden zudem formal und sachlich in einschlägigen nationalen und internationalen Bibliothekskatalogen nachgewiesen. Sie sind jedoch nicht nur über diese recherchierbar, sondern auch Gegenstand von Suchmaschinen wie Google, die gezielt elektronische Dokumente auf Volltextservern erfassen. Auch die Langzeitarchivierung der Dateien wird durch die UB Heidelberg garantiert.

In den vergangenen 12 Monaten konnten wir knapp 700.000 qualifizierte Downloads der PDF-Dateien registrieren. Wir freuen uns sehr über diese rege und stetig steigende Nutzung!

Wenn Sie Interesse an der Publikation Ihrer Schriften haben, melden Sie sich bitte bei uns.

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news-11421 Fri, 13 Nov 2020 13:00:18 +0100 Sadie Hawkins Day: Der blanke Hohn im Empowerment-Gewandt /beitrag/2020/11/13/sadie-hawkins-day-der-blanke-hohn-im-empowerment-gewandt

Jedes Jahr am 13. November feiert Amerika den Sadie Hawkins Day. An diesem Tag herrscht Damenwahl: Mädchen laden Jungen zum Ball ein, üblicherweise an High-Schools, Middle Schools oder Colleges. 

Klingt soweit gut?

Unabhängig davon, dass durch diese Umkehr der Norm und ihre Stellung als Besonderheit lediglich das sonst herrschende Machtgefälle betont wird, ist es an dieser Stelle lohnenswert einen Blick auf den Ursprung des Ganzen zu werfen: Die Namensgeberin des Tages taucht zum ersten Mal 1937 im Comicstrip Li’l Abner von Alfred Gerald Caplin, bekannter als Al Capp, auf. Von 1934 bis 1977 wurde Capps Werk in einer Vielzahl an amerikanischen, kanadischen und europäischen Zeitungen, darunter The Boston Globe und The Times, veröffentlicht. 

Der Strip folgt in satirischer Manier dem Leben der Bewohner eines ländlichen amerikanischen Bergweilers. Dogpatch, so der Name der fiktiven Siedlung, ist die Heimat der Familie Yokum – eine Zusammensetzung der Wörter yokel (dt.: Bauerntrampel) und hokum (dt.: Humbug) – deren Sohn Li’l Abner (dt.: kleiner Abner) der Reihe ihren Namen gibt. Wie alle Dogpatch-Bewohner ist er weder ein großer Freund von Arbeit noch von Fortschritt. Auch vor der Heirat drückt er sich lange – sehr zum Leid seiner, an Marilyn Monroe und Mae West angelehnten, Freundin Daisy Mae Scraggs. Erst in den 1950ern fügte sich Capp schließlich den Wünschen seiner Leserschaft und ließ die beiden sich das Ja-Wort geben. 

Doch bevor es soweit kam, litt Li’l Abner viele Jahre unter den Strapazen des sogenannten Sadie Hawkins Days, eines fiktiven Feiertages, der jährlich in Dogpatch begangen wird. Erwähnt wird der Begriff erstmals am 13. November 1937, woraufhin zwei Tage später der Strip The Strange Case of Sadie Hawkins – Part 1 (teilweise auch The Strange Case of Sadig Hawkins – Part 1) erschien. 

Obwohl sich der Sadie Hawkins Day am 13. November etablierte, findet er im Comic an unterschiedlichen Tagen statt. Der fiktive Feiertag wurde letztlich nicht dem Datum, sondern der Handlung angepasst und fand so statt, wie es für die Geschichte dienlich war.

Die Leserschaft erfährt, dass es sich bei diesem fiktiven Feiertag um die Erfindung des ersten Dogpatch-Siedlers Hekzebiah Hawkins handelt. Begründet wird die Neuerung mit Sadie Hawkins, der Tochter Hekzebiahs, die mit 35 Jahren immer noch das unglückliche Leben einer unverheirateten Frau fristet. Von Capp als „the homeliest gal in them hills“ beschrieben wartet sie vergeblich auf das Wunder der Ehe. Da ihr Vater mit Schrecken auf eine Zukunft blickt, in der Sadie immer noch bei ihm wohnt, verpflichtet er die Bewohner der Siedlung an einem Wettstreit teilzunehmen: Derjenige, der sich von seiner Tochter fangen lässt, wird ihr Ehemann. 

Das Vorhaben gelingt und Sadie verlässt als glücklich verheiratete Frau den Platz. Von ihrem Erfolg beflügelt, beschließen die alleinstehenden Dogpatch-Bewohnerinnen dieses Ereignis jährlich am 9. November zu wiederholen und sich so eine Ehe zu ermöglichen. Nun handelt es sich bei diesem Strip natürlich um ein Werk aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, womit sich die antiquierte Meinung zu unverheirateten Frauen erklären lässt. Auch wird deutlich, dass Capp auf humoristische Weise die Geschlechterrollen vertauschen möchte.

Nach Veröffentlichung des Strips fanden innerhalb von zwei Jahren an bereits über 200 Colleges Sadie Hawkins Day Feiern statt, viele davon beinhalteten sogar die Männerjagd. Auch heute noch richten amerikanische Schulen und Universitäten Sadie Hawkins Bälle als emanzipatorisch angehauchte Veranstaltung aus. Geschätzt wurde und wird dabei vor allem die Rollenumkehrung und der damit verbundene Wechsel der Frauen von der passiven in die aktive Rolle, wodurch die gesellschaftlichen Regeln ebenso wie codiertes Dating-Verhalten als gebrochen gelten. 

Doch stellt das Comic-Event tatsächlich eine adäquate Grundlage für heutige Pseudo-Feiertage und Jugendveranstaltungen dar, die sich darüber hinaus das inflationär benutzte Wort „Empowerment“ auf die Fahne schreiben? So findet sich beispielsweise im August 2017 in ENTITY Mag – Women That Do – Inspire, Educate, Empower, einem Onlinemagazin, das zum Online-Bildungsunternehmen ENTITY Academy gehört, der Artikel 5 Ways A Powerful Woman Makes the First Move for Sadie Hawkins Day. Ermutigt werden Frauen mit folgendem einleitenden Satz: „Attention empowered women of 2017, grab your courage this Sadie Hawkins Day (November 15th) and finally go for it with the guy or gal you’ve been waiting to ask you out. After all, if you want something done right, you have to do it yourself, right?“. Zwar wird der Ursprung des Tages nicht unkritisch erklärt, doch mit „Yay, gender equality!“ anschließend auch erläutert, dass er sich von seinen Ursprüngen freigekämpft habe und auch ohne die Männerjagd eine gute Möglichkeit für Frauen sei den ersten Schritt zu machen.

Auch der Holidays Calendar, ein Online-Kalender für weltweite Feiertage, beschreibt den Feiertag folgendermaßen: „The purpose of this day is to empower women to take control of their lives.“

Obwohl sich der Tag beständig in Veranstaltungs-Kalendern findet, ist ein langsamer Prozess des Umdenken in Gang geraten. Dafür liefert der Strip auch einige Gründe. Denn obgleich Damenwahl herrscht, ist die Frau auf den Antrag des Mannes, den sie gefangen hat, angewiesen. Auf der anderen Seite haben die Männer nichtsdestotrotz kein Entscheidungsrecht und sind dazu verpflichtet die Frau zu fragen. So erzeug Capp auf einzigartige Weise eine Art Zwangsheirat und schafft es, das Bild der passiven Frau mit einer gegen den Willen des Mannes stattfindenden Heirat zu vereinen und alle Beteiligten unglücklich zurückzulassen.

Zudem stellt Capp die Frauen als äußerst aggressive Jägerinnen dar, die sich voller Tatendrang und mitunter ohne Gnade auf die Dogpatcher Junggesellen stürzen, oder zu anderen Mitteln wie Sprengpulver greifen. Frauen ist es untersagt zu arbeiten, Geld zu verdienen und sich eine eigene Existenz aufzubauen, weshalb die Ehe für sie gezwungenermaßen Sicherheit bietet. Darüber hinaus wird der Wert der Frau an ihrem Beziehungsstatus gemessen, wie das Verhalten Hekzebiahs verdeutlicht. Statt auf diese Problematik einzugehen, stellt Capp die weibliche Versessenheit auf die Ehe jedoch als unbegründete Hysterie dar.

Da der Fokus im Comic auf Li’l Abner liegt, steht bei jedem Sadie Hawkins Day auch die unglücklich in ihn verliebte Daisy Mae im Mittelpunkt. Der Clou der Strips ist es, dass Abner sich bei jedem Sadie Hawkins Day um die Hochzeit drücken kann. Die Spannung für die Leserschaft wird insofern erzeugt, als bis zum Ende nie klar ist, wie genau es ihm gelingt. Von vorneherein deutlich ist dafür jedes Mal, welch ein Gräuel das Gefangenwerden und die damit einhergehende Ehe für die Dogpatcher und insbesondere Li’l Abner darstellt. Denn die Ehe wird im Comic als ein Zustand gezeigt, infolgedessen Männer ihre Macht und Stärke verlieren, da Frauen sie von ihrem Alltag abhalten würden, ihren Abenteuern und ihrem Nichtstun. So wird dem Bild der heiratspanischen, verzweifelten Frau, die ebenso konstruierte und gleichwohl stigmatisierende Darstellung des soliden Alphatiers, der sich Gefühlen und Schwäche entzieht, gegenübergestellt.

Um Daisy Mae und damit der Ehe zu entkommen, rennt Li’l Abner im Strip von 1939 bewusst in einen Brand. Durch einen Monolog erfährt die Leserschaft, dass der Protagonist den Flammentod der Heirat vorziehen würde. Glücklicherweise kommt es bereits zwei Panels später zu einer Wendung und Abner muss die bewusstlose Daisy Mae, die ihm ins Feuer gefolgt ist, heldenhaft aus der Gefahr retten. 

Das Problem daran ist, dass er, um sie zu retten, mit ihr im Arm über die Ziellinie läuft, was den Regeln nach bedeutet, dass er ihr einen Antrag machen muss. Als Daisy Mae jedoch hört, dass Li‘l Abner mit dieser Tat lediglich „ihr Leben retten, nicht seines ruinieren“ wollte und die SiedlungsbewohnerInnen zusätzlichen Druck aufbauen, weist sie unter Tränen den Heiratsantrag ab. Dass Li’l Abner daraufhin einen Freudentanz aufführt und sich zum glücklichsten Mann der Welt erklärt unterstreicht die Aussage des Strips zusätzlich.

1952 gaben sich Li'l Abner und Daisy Mae schließlich doch das Ja-Wort und obwohl man annehmen könnte, dass die Hochzeit der beiden Charaktere ein Resultat des Sadie Hawkins Days sei, findet sie unabhängig davon statt. Wie bereits erwähnt gelingt es Daisy Mae zwar des Öfteren Li’l Abner zu fangen, doch tritt in letzter Sekunde immer ein Szenario ein, das die Ehe vereitelt oder ungültig werden lässt.

Was bleibt ist ein fader Beigeschmack von einem Rollenbild, das so schon lange nicht mehr vermittelt werden sollte und die Frage warum ein Tag mit dieser Grundlage noch heute gefeiert wird.

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news-11209 Thu, 22 Oct 2020 10:44:04 +0200 Für FAIRe Forschungsdaten und -software in der Kunstgeschichte: Das Deutsche Forum Kunstgeschichte und arthistoricum.net schaffen neues Angebot /beitrag/2020/10/22/fuer-faire-forschungsdaten-und-software-in-der-kunstgeschichte-das-deutsche-forum-kunstgeschichte-und-arthistoricumnet-schaffen-neues-angebot

Maria Effinger (arthistoricum.net), Anne Klammt (DFK Paris)

Die Frage, wie Forschungsdaten und Forschungssoftware gesichert und zur Verfügung gestellt werden können, ist auch in der Kunstgeschichte hochaktuell. Das Deutsche Forum Kunstgeschichte Paris (DFK Paris) bietet nun seinen Forscherinnen und Forschern zusammen mit arthistoricum.net eine Lösung an. Zukünftig wird das DFK Paris publikationsbezogene Daten und Software, die in Projekten des Institutes entstehen, in das Repositorium für Forschungsdaten arthistoricum.net@heiDATA der Universitätsbibliothek Heidelberg übergeben. Auf diese Weise werden Daten und Software langfristig offen verfügbar, können wissenschaftlich korrekt zitiert werden und als Grundlage für neue Forschungsprojekte in den Geistes- und Kulturwissenschaften dienen. Das DFK Paris und arthistoricum.net erweitern damit ihre bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit im Feld der digitalen Open-Access-Publikationsreihen (Jahresberichte und Passages-Online) sowie mit ART-Dok.

Die ersten Daten, die im neuen Dataverse DFK Paris in arthistoricum.net@heiDATA gespeichert wurden, stammen vom internationalen Forschungsprojekt OwnReality – Jedem seine Wirklichkeit zur Untersuchung der Begriffe "Wirklichkeit" und "Realität" im Kunstdiskurs der 1950er und 1960er Jahre in Frankreich, der BRD, der DDR und Polen. Die gespeicherten Forschungsdaten umfassen dabei aufbereitete Quellen (Zusammenfassungen von Presseartikeln und Präsentationen von Kunstzeitschriften), eine Chronologie von Ausstellungen, Interviews mit Zeitzeugen und Fallstudien. Präsentiert werden diese Daten auf den Webseiten des DFK Paris. Bei der Forschungssoftware handelt es sich um eine eigens als Open Source entwickelte API only Webapplikation mit der die Daten in verschiedene Umgebungen ausgespielt werden können.

Mit arthistoricum.net@heiDATA hat arthistoricum.net neben seinen Angeboten zu digitalen Publikationen, digitalen Editionen und Objektdatenbanken auch eine Lösung für die Sicherung von Forschungsdaten und –software.

Das DFK Paris hat seit 2015 systematisch die Entwicklung der Digitalen Kunstgeschichte am Institut vorangetrieben. Geleitet von konkreten fachwissenschaftlichen Fragestellungen sind in wenigen Jahren Datenbestände zu unterschiedlichen Themen der Kunstgeschichte aufgebaut worden, die über die Webseiten des DFK aufrufbar sind. Neben den Daten wurde auch die Entwicklung spezifischer Software von Beginn an als Aufgabe der digitalen Forschung erkannt und die Ergebnisse als Open Source über Github zur Verfügung gestellt.

Zum Projekt „OwnReality“ in den Jahresberichten des DFK Paris:

 

Dataverse DFK Paris in arthistoricum.net@heiDATA

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news-10809 Fri, 11 Sep 2020 10:21:37 +0200 Schwelgen im Bild. Neue Recherchemöglichkeit in Illustrierten Magazinen und Zeitschriften zur Gebrauchsgraphik /beitrag/2020/09/11/schwelgen-im-bild-neue-recherchemoeglichkeit-in-illustrierten-magazinen-und-zeitschriften-zur-gebrauchsgraphik

In den 1920er Jahren entstand ein neuer Typ von Zeitschriften, der unser Bildgedächtnis ähnlich prägte wie das Kino: die Illustrierten Magazine. Sie waren angetreten, um in populärer und unterhaltender Art den Informationshunger der breiten Masse zu stillen, und zwar nicht im Dienste eines klassischen Bildungsideals, sondern in popkultureller Mission: gesellschaftliche Events, die Welt der Schönen und Reichen, Sport und nicht zuletzt die Glitzerwelt des Films waren die tonangebenden Themen der meisten Magazine. Diese Ausrichtung fand ihren Ausdruck in der typischen – und bis heute gültigen – Gestaltungsform der Hefte: Das bestimmende Element war das Bild.

Abbildungen aus den Illustrierten Magazinen

Gerade der innovative, nicht selten experimentelle, avantgardistische Einsatz der Fotografie macht die Illustrierten Magazine zu einer einzigartigen Quelle für das Bildgedächtnis der Weimarer Zeit und bis heute zu Referenzpunkten der Fotogeschichte. Bereits vor einigen Jahren wurde daher an der SLUB Dresden mit einem aufwendigen Digitalisierungs- und Erschließungsprojekt begonnen, das die Magazine virtuell für die Recherche per Tiefenerschließung und Volltexterkennung zusammengeführt hat. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Erfassung der einzelnen Abbildungen, allerdings war der Recherchezugang bibliothekarischen Gepflogenheiten folgend primär auf das Suchen und Finden einzelner Hefte ausgelegt.

Die Möglichkeiten des arthistoricum.net-Bildsuchraumes nutzend – und dem Stellenwert des fotografischen Materials angemessen –, wurde daher im Rahmen des FID Kunst, Fotografie, Design an einer bildzentrierten Recherchemöglichkeit für diese einzigartige Quellenbasis gearbeitet. Zu diesem Zweck wurden alle innerhalb einzelner Hefte und Artikel erfassten Abbildungen über komplexe Datenmanagement-Routinen auf Metadatenebene vereinzelt und als eigenständige Bilddaten für die arthistoricum.net-Bildersuche verfügbar gemacht. Ergebnis ist die Bildkollektion »Illustrierte Magazine«, in der die rund 56.000 Abbildungen nun nach Fotografen, Bildagenturen, Titeln und Schlagworten individuell und unter Beibehaltung ihres Veröffentlichungskontextes auffindbar sind. Vervollständigt wird die neue Zugriffsmöglichkeit durch IIIF-Manifeste für jedes Bild, die den komfortablen Umgang mit den gefundenen Bildern im arthistoricum.net-Werkzeugkasten ermöglichen.

Beilagen und Abbildungen in »Das Plakat« und »Gebrauchsgraphik«

Doch damit nicht genug! Auch die beiden Zeitschriften »Das Plakat« und »Gebrauchsgraphik«, die maßgeblichen Fachzeitschriften zur Gebrauchs- und Reklamegrafik in den 1910er und 1920er Jahren, haben wir uns noch einmal vorgenommen. Beide Zeitschriften sind ebenfalls durch ihre besondere Gestaltung und den Stellenwert, der den Abbildungen beigemessen wird, erstklassiges Quellenmaterial, wenngleich es hier weniger Fotografien als vielmehr hochwertige Druckreproduktionen gebrauchsgrafischer Arbeiten aller Art sind. Grund genug auch diese Abbildungen für eine bequeme, bildzentrierte Recherche in den arthistoricum.net-Bildsuchraum zu integrieren. In rund 18.000 Abbildungen kann man nun nach Plakaten, Verpackungen, Buchumschlägen und anderen gebrauchsgrafischen Erzeugnissen stöbern.

Beide Bildkollektionen werden in arthistoricum.net näher vorgestellt: Eine Auswahl an Namen, Themen und Schlagwörtern dient als Einladung zum Stöbern und Staunen, zum Suchen und Finden in den faszinierenden Bildwelten der Goldenen Zwanziger!

• zur Übersicht »Bildkollektion Illustrierte Magazine«
• zur Übersicht »Bildkollektion Gebrauchs- und Reklamegrafik«
• Stöbern zum Beispiel nach Werken von Lucian Bernhard, Heinz Hajek-Halke, Umbo, Yva, Ludwig Hohlwein ... oder Bilder von Marlene Dietrich, Emil Jannings, Hans Albers, Greta Garbo oder der Ufa finden ... oder die eigene Suche starten.

 

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news-10683 Sat, 08 Aug 2020 11:27:00 +0200 „Was Hänschen nicht gelernt, lernt Hans nimmermehr“ /beitrag/2020/08/08/was-haenschen-nicht-gelernt-lernt-hans-nimmermehr Dieses und andere Sprichwörter wie „Hunger ist der beste Koch“ oder „Wer A sagt, der muss auch B sagen“ begleiten uns von Kindheit an durch das ganze Leben. Wenn auch auf den ersten Blick nicht immer leicht verständlich, übermitteln Sprichwörter Lebenserfahrungen, Warnungen oder Verhaltensregeln, die über Generationen hinweg allgemeingültig gewesen zu sein scheinen. Da ihr Ursprung in der Regel unbekannt ist, überrascht es nicht, dass sie bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur volkstümlichen Belehrung verwendet wurden – und dies unter anderem in Form von humorvollen Illustrationen. Ein hervorragendes Beispiel geben dafür die „Münchener Bilderbogen“ ab.

Ein Beitrag von Franziska Fritzsche M.A. für das Themenportal Caricature & Comic

Dieses und andere Sprichwörter wie „Hunger ist der beste Koch“ oder „Wer A sagt, der muss auch B sagen“ begleiten uns von Kindheit an durch das ganze Leben. Wenn auch auf den ersten Blick nicht immer leicht verständlich, übermitteln Sprichwörter Lebenserfahrungen, Warnungen oder Verhaltensregeln, die über Generationen hinweg allgemeingültig gewesen zu sein scheinen. Da ihr Ursprung in der Regel unbekannt ist, überrascht es nicht, dass sie bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur volkstümlichen Belehrung verwendet wurden – und dies unter anderem in Form von humorvollen Illustrationen. Ein hervorragendes Beispiel geben dafür die „Münchener Bilderbogen“ ab.

Bei diesen handelt es sich um eine Reihe von humoristischen Einblattdrucken, die von dem Münchener Verlag Braun & Schneider – ebenfalls Herausgeber der Fliegenden Blätter – ab dem Jahre 1848 veröffentlicht wurde. Im zweiwöchentlichen Turnus erschien jeden Samstag ein Bilderbogen, der in Einzelhandelsgeschäften verkauft wurde. Bis 1898 wurden in 50 Jahrgängen je 24 Bilderbogen veröffentlicht, welche durch 30 vereinzelte Sonderexemplare in den Jahren 1902 bis 1929 ergänzt werden. Die Serie umfasst somit insgesamt 1230 Einblattdrucke.

Unter einem Bilderbogen wird aus heutiger Sicht ein einseitig, mit Bildern – teilweise mit Text – bedruckter Papierbogen mittleren Formats verstanden. Sie dienten der Belehrung und Unterhaltung aller Altersklassen und waren dank ihrer leichtverständlichen Darstellungen sowie des niedrigen Kaufpreises eine weitverbreitete Form der populären Druckgraphik. Als Gebrauchsgraphik wurden sie beispielsweise gesammelt, ausgeschnitten und ausgemalt oder zur Dekoration von Oberflächen bzw. als Einschlagpapier verwendet. Ihre Herstellung und Verbreitung begann mit der Erfindung des Holzschnittes. Dieser machte es möglich, Bilder kostengünstig und in großer Anzahl zu reproduzieren. Somit kamen nicht nur die höheren Gesellschaftsschichten in den Genuss von künstlerischen Darstellungen, sondern auch die breite Masse der Bevölkerung.

Die Vorläufer der Bilderbogen waren zunächst einfache Blätter mit überwiegend sakralen Motiven. Im Laufe des 16. Jahrhunderts erweiterte sich der Motivschatz durch eine Reihe profaner Bildthemen: von den unterschiedlichsten Szenen aus dem Alltag, Illustrationen von Erzählungen oder Naturphänomenen über Herrscherporträts und Schlachten bis hin zu aktuellen Geschehnissen. Zunächst war vor allem die bäuerlich geprägte Gesellschaft Abnehmer der Bilderbogen. Dies liegt unter anderem an der verwendeten Technik des Holzschnitts, da diese die Bilder gröber und veralteter wirken ließ. Im 17. Jahrhundert wurde erstmals auch der Kupferstich zur Produktion der Graphiken verwendet. Durch die feineren und dezenter kolorierten Drucke konnte nun auch die städtische Bevölkerung für die Gebrauchsgraphik begeistert werden. Auch die abgebildeten Themen passten sich der neuen Abnehmerschaft an, sodass nicht nur zwischen urbanen und ländlich bevorzugten Bildthemen unterschieden werden konnte, sondern auch zwischen Motiven für Kinder und Erwachsene. Die Erfindung der Lithographie und die sozialen Umbrüche des 19. Jahrhundert verhalfen dem Bilderbogen schließlich zu seiner Blütezeit und genau in diese Zeit fällt auch das Erscheinen der Münchener Bilderbogen.

Die Verleger der Münchener Bilderbogen Kaspar Braun und Friedrich Schneider waren stark daran interessiert, ein besonders breites Publikum anzusprechen. Sie bemühten sich darum, dass die Bilderbogen nicht mehr nur als beliebte Gebrauchsgraphik für den Mittelstand, sondern als eigenständige Kunstwerke wahrgenommen wurden und auch die oberen, gebildeteren Schichten ansprechen sollten. Es überrascht daher nicht, dass lediglich 35 der 1230 Bogen zum Zwecke des Bastelns, Faltens, Ausschneidens, etc. gestaltet worden sind. Um die künstlerische Bedeutung der Drucke hervorzuheben, etablierte das Münchener Verlagshaus zum einen die Technik des Holzstiches in Deutschland, welche zuvor in England entwickelt wurde. Durch diese Art des Hochdruckes waren feinere und detaillierte Abbildungen möglich, wodurch auch die Papierqualität, das Format und die Kolorierung der Bilderbogen verbessert werden konnte. Neben der technischen Optimierung engagierten Braun und Schneider zum anderen auch bekannte Künstler, die Entwürfe für die Blätter lieferten. Zu diesen gehörten zum Beispiel Wilhelm von Diez, Heinrich Leutemann, Andreas Müller, Franz von Pocci, Moritz von Schwind, Lothar Meggendorfer – später Herausgeber der Meggendorfer Blätter – und Wilhelm Busch. Allerdings gestaltete sich anfangs die Suche nach Künstlern schwierig, da zu diesem Zeitpunkt die Bilderbogen nicht als Kunst galten und sogar als minderwertig sowie wenig lukrativ angesehen wurden. Dieser Umstand konnte jedoch durch Kaspar Brauns Kontakte kompensiert werden, da es ihm als Absolvent der Münchener Kunstakademie gelang, zunächst junge und unbekannte Künstler, später dann auch namhafte Vertreter, zu gewinnen. Die Akquirierung von Absolventen und Studenten der Kunstakademie hatte gleichzeitig noch den Vorteil, dass die Mehrheit der Zeichner aus den mittleren und höheren Bildungsschichten stammten und daher mit den geistigen und künstlerischen Anforderungen ihrer Zeit vertraut waren. Insgesamt waren an den Münchener Bilderbogen 138 Künstler beteiligt, die namentlich bekannt sind, da sie ihre Arbeiten signieren durften und in Drucklettern unterhalb des Titels angegeben wurden.

Wie bereits erwähnt, sollten die Bilderbogen ein besonders breit gefächertes Publikum ansprechen, sowohl auf dem Land wie in der Stadt, über alle Gesellschaftsschichten hinweg. Betrachtet man das Motivspektrum der Münchner Bilderbogen genauer, fällt auf, dass es keine Spezialisierung auf bestimmte Themen gibt. Im Gegenteil. Die Darstellungen reichen von Szenen aus dem alltäglichen Leben, wie beispielsweise Darstellungen modischer Trends oder verschiedener Berufe, über Kriegs- und Jagdmotiven bis hin zu Eindrücken aus aller Welt. Eine Ausnahme bilden allerdings die Herrscher- und Heiligendarstellungen, sowie das Kommentieren des aktuellen Tagesgeschehens oder lokaler Begebenheiten. Diese sucht man in den Münchener Bilderbogen vergebens. Besonders auffällig ist die große Anzahl an Motiven und Themen, die Kinder als Zielgruppe ansprechen. Haustiere, die wie Menschen leben, Illustrationen zu Sprichwörtern, dem Einmaleins und dem Alphabet, aber auch Sagen, Märchen und Geschichten über Figuren, wie den Baron von Münchhausen oder belehrende Szenen über falsches Tun und Handeln gehören zum Kanon der kindhaften Bildthemen. Allein diese Motivvielfalt macht deutlich, dass das Verlagshaus Braun & Schneider nicht nur auf eine humorvolle Unterhaltung der Leserschaft abzielte, sondern zeitgleich auch einen Bildungsgedanken vermitteln wollte, der zeitgemäße Werte, erwünschte Verhaltensweisen und moralische Vorstellungen spielerisch näherbrachte. Zu diesem Zwecke wurden in den späten 1850er Jahren spezielle Serien innerhalb der Bilderbogenreihe etabliert, die regelmäßig erschienen und zur umfangreichen Illustration spezieller Themen dienten. Mit „Geschichte der Kostüme“, „Die Welt in Bildern“ und „Bilder aus dem Althertume“ wurde ein außergewöhnliches und sehr detailliertes Bildmaterial zur Verfügung gestellt, welches in gebundener Form sogar in Schule, Lehre und Studium Verwendung fand. Die hohe technische sowie inhaltliche Qualität dieser Bilderbogen war über das kindliche Publikum hinaus, sicherlich auch für die erwachsenen Leser eine interessante Unterhaltung.

Die Bemühungen von Kaspar Braun und Friedrich Schneider, die Münchener Bilderbogen als Kunst für Jedermann – egal welchen Alters oder Standes – zu etablieren, führten rasch zu einer landesweiten Beliebtheit der Blätter. Aus den Aufzeichnungen des Verlags geht hervor, dass die Jahre 1860 bis 1870 zu den umsatzstärksten zählten, was auch auf die damaligen Beiträge von Wilhelm Busch zurückzuführen sein dürfte. In den darauffolgenden Jahren ging der Absatz der Bilderbogen jedoch allmählich zurück, da neue Bildmedien wie die Bildpostkarten, Lackbilder, Abziehbilder, Chromlithographien und Fotografien auf dem Markt erhältlich waren. Um dem Sinken der Auflagezahlen entgegen zu wirken, verkaufte der Münchener Verlag auch einzelne Blätter gebunden als Kinder- bzw. Anschauungsbücher, Nachschlagewerke zur Kostümkunde oder als Sammelalben zu ausgewählten Künstlern.

Auch wenn die Münchener Bilderbogen ab 1898 nur noch vereinzelt erschienen, lässt sich der damalige Erfolg der Einblattdrucke auch an ihrem Vertrieb ins Ausland erkennen. Ab Mitte der 1850er Jahre wurden die Blätter überregional nach England, Amerika, Russland, Schweden, Italien, Spanien, Portugal, Ungarn und in die Schweiz geliefert. Für den Export ins Ausland ließen die Herausgeber sogar für jede Sprache neue Druckstöcke fertigen, um die Bogen in entsprechender Übersetzung drucken zu lassen. Bedauerlicherweise war dies kein lukratives Geschäft, da die Verkaufszahlen zu gering waren und die Produktionskosten – bedingt durch die zusätzliche Übersetzung und den Transport – höher lagen als beim Vertrieb innerhalb Deutschlands.

Dank ihrer künstlerischen Qualität und der großen Palette an Bildthemen erfreuten sich die Münchener Bilderbogen während ihres Erscheinens großer Beliebtheit. Besonders aus Sicht der heutigen Forschung besitzen die Blätter einen unschätzbaren Wert, da die Wahl und Gestaltung ihrer Themen Aufschluss über zeitgemäße Wert- und Wunschvorstellungen geben und zudem das zeitgenössische Weltbild der Bevölkerung skizzieren. Gerade das Selbstverständnis der breiten Masse ist von großer Bedeutung, da es sich im 19. Jahrhundert um eine Zeit tiefgreifender sozialer Veränderungen handelt, ausgelöst durch die Prozesse der Demokratisierung und Industrialisierung. Wie Ulrike Eichler in ihrer umfassenden Untersuchung zu den Münchener Bilderbogen bemerkte, wurde speziell diesen Bilderbogen in der Forschung bisher zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Nicht nur aus Sicht soziodemographischer Sicht, sondern auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung der humorvollen Bildunterhaltung sollten dem Genre der Bilderbogen auch in Zukunft mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

„Die künstlerischen, kunstgewerblichen und kunsterzieherischen Bilderbogen unseres Jahrhunderts, einem kleinen Verbraucherkreis vorbehalten, bauen auf ihrem Erbe auf. Die ‚Zeitungsbilderbogen‘ der illustrierten Familienzeitschriften und noch die Bildbeilagen unserer heutigen Presseorgane wurzeln in der Tradition jener Bilderbogenreihe. Die Entwicklung der comic strips basiert auf den im Münchener Programm erschienenen Bildgeschichten.“


Ulrike Eichler, Münchener Bilderbogen, in: Oberbayerisches Archiv. Bd. 99, München 1974, S. 72f.

 

Die Münchener Bilderbogen digital
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news-10675 Fri, 07 Aug 2020 09:30:00 +0200 Schlaglicht: Zum Umgang mit historischen Druckplatten aus Eisen /beitrag/2020/08/07/schlaglicht-zum-umgang-mit-historischen-druckplatten-aus-eisen Aus dem Nachlass des Kunstgelehrten und -sammlers Joseph Heller (1798–1849) bereichern etwa zwei Dutzend Druckplatten des 16. bis 19. Jahrhunderts den Bestand der Staatsbibliothek Bamberg. Neben Auftragsarbeiten, die der Illustration seiner zahlreichen Publikationen dienten, konnte Heller historische Druckformen namhafter Künstler erwerben, darunter fünf geätzte Eisenplatten aus den ersten Dekaden des 16. Jahrhunderts.

Aus dem Nachlass des Kunstgelehrten und -sammlers Joseph Heller (1798–1849) bereichern mehr als zwei Dutzend Druckplatten des 16. bis 19. Jahrhunderts den Bestand der Staatsbibliothek Bamberg. Neben Auftragsarbeiten, die der Illustration seiner zahlreichen Publikationen dienten, konnte Heller historische Druckformen namhafter Künstler erwerben, darunter fünf geätzte Eisenplatten aus den ersten Dekaden des 16. Jahrhunderts. Vier dieser frühen Zeugnisse der Ätzradierung stammen aus der Werkstatt des Augsburger Waffenätzers Daniel Hopfer (1470–1536), der gemeinhin als Erfinder der Technik gilt. Eine weitere hat Albrecht Dürer (1471–1528) eigenhändig bearbeitet, der nachweislich nur sechs Mal in seinem Gesamtwerk mit der Technik experimentierte. 

 

Dass sich die handwerklich-kunstvollen Matrizen erhalten haben, belegt eindrücklich ein wiederholt aufkeimendes Interesse seitens des Sammlertums. Dieses hatte nur zum Teil reinen Liebhaber-Charakter: Über Jahrhunderte, noch lange nach dem Tod des jeweiligen Künstlers, wurden die Platten abgezogen und ihre „neueren” Abzüge getauscht, verschenkt, aber auch veräußert. 

Für zahlreiche Platten aus der Werkstatt Hopfers lassen sich verschiedene Druckkampagnen fassen: Im 17. Jahrhundert kaufte der Nürnberger Verleger David Funck (1642–1709) 230 der Hopfer’schen Platten, nummerierte sie und verbreitete Abzüge in unbekannter Auflage (vgl. Jäck/ Heller 1822, S. 95). Ein knappes Jahrhundert später erwarb der Frankfurter Kunsthändler Carl Wilhelm Silberberg (1757–1824) ein Konvolut von 92 der Hopfer-Platten, ließ sie reinigen und 1802 in einer limitierten Auflage von 60 Exemplaren unter dem Titel Opera Hopferiana in Buchform drucken. Die Reinigung begünstigte das Erscheinungsbild der Abzüge auffallend. Soweit Heller private Besitzer von Druckplatten ausmachen konnte, bat er diese um Abzüge. Am 15. Juni 1821 schrieb er bezüglich Dürers 1515 radierter Platte Christus am Ölbergnach Innsbruck: 

 

Angenehm wäre es mir, wenn ich davon einige neue Abdrücke erhalten könnte.

(vgl. Brief von Heller an Pfaundler, dat. 15.06.1821)

 

Hatte er wiederum selbst Druckformen in seinem Besitz, gab er Abzüge in Auftrag. Hieronymus Hopfers (1500–1563) Kopie der Geburt Christi ließ er 1846 von Carl Mayer (1798–1868) in Nürnberg fünfzigmal abziehen (vgl. Bamberg, Staatsarchiv, Nachlassakten, Nr. 2335/I, Bl. 111v). Ein Inventar, das nach Hellers Tod von seinen Sammlungen erstellt wurde, belegt die Auflagenhöhen noch Jahrhunderte nach Vollendung der Platten. Von der „Geburt Christi” gingen 81, von Dürers „Christus am Ölberg” sogar 138 Abzüge gemeinsam mit den Druckformen aus Hellers Nachlass in den Bestand der damals noch Königlichen Bibliothek Bamberg über (vgl. Heller'sches Kupferstich-Verzeichniß, Bamberg 1850, Bl. 63r). In Joseph Meders (1857–1934) „Dürer-Katalog”, der noch heute für eine relative Chronologie der Druckzustände herangezogen wird, sind die durch den Innsbrucker Johann Georg Schaedler (1777–1866) und Heller als Besitzer der Dürer-Platte erfolgten Drucke nicht einmal erwähnt (vgl. Meder 1932 74.19). Einer fast ein Kilogramm schweren Eisenplatte, die Christoph Bockstorffer (1480–1553) im Jahr 1531 als Illustration zu den Sprüchen Salomos radierte (Signatur: Kupferplatte 28 der Staatsbibliothek Bamberg), sind noch heute 85 Abzüge ohne Inventarnummer beigeordnet, die wohl aus unterschiedlichen Druckkampagnen stammen. In seinem 1858 erschienenen Monogrammen-Lexikon hatte Georg Kaspar Nagler (1801–1866) bereits zu dieser Eisenradierung aus der Hopfer-Werkstatt resümiert: 

 

Dieses Blatt ist im ersten, vollkommenen Abdrucke sehr selten. Es gibt aber auch gute neuere Abdrücke.

(vgl. Nagler Monogrammisten I.959.2294)

 

Betrachtet man insgesamt die Summe der nachweisbar über Jahrhunderte zusammengekommenen Exemplare, so scheint der in der Forschung dogmatisch wiederholte 'rapide Qualitätsverlust' der Radierung bereits ab 100 Abzügen eine durchgängige Verwendung keineswegs ausgebremst zu haben. Um die Platten derart häufig abzuziehen, muss das korrosionsempfindliche Eisen bereits vor der Möglichkeit einer galvanischen Verstählung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entsprechend behandelt worden sein. Die überlieferten historischen Druckplatten sind allerdings bislang noch nicht hinreichend untersucht, die Text- und Bildquellen zum Umgang mit ihnen noch nicht systematisch ausgewertet worden.

 

Kontakt
Dr. Franziska Ehrl
Universitätsbibliothek Heidelberg

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news-10650 Wed, 29 Jul 2020 19:15:37 +0200 Corona als Bildungsbooster /beitrag/2020/07/29/corona-als-bildungsbooster Corona hat uns an den Unis durchaus auch positive Anregungen gegeben - wenn wir das nicht aus ideologischen Gründen von vorneherein ausgeschlossen haben. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens haben viele von uns gemerkt, wie viel besser eine auf Intensivität ausgerichtete Lehre ist, da wir vielfach den Teilnehmer*innen der (online)Seminare auch Aufgaben gegeben haben, die von Stunde zu Stunde zu erledigen waren. Und zweitens - indirekt - da ich den Eindruck habe, dass wir jetzt, nach der anstehenden partiellen Rückkehr zur Präsenzlehre (?) eventuell zum Umdenken gezwungen sind. Ich konzentriere mich hier auf letzteren Punkt.

Wir haben im Münchener Institut 3 Übungsräume, einen für 70, einen für 40 und einen für 25 Teilnehmer*innen. Diese Räume unter Coronabedingungen zu reaktivieren würde bedeuten, dass wir sie auf 20% ihres eigentlichen Fassungsvermögens reduzieren müssten. Einmal auf 14, einmal auf 8 und einmal auf 5. Berücksichtigt man den Umfang unseres Lehrpersonals und die Anzahl der von den Studierenden zu belegenden Lehrveranstaltungen unter Bachelor/ Masterbedingungen, ist das nicht machbar. Unserer Kapizität wäre bei weitem nicht ausreichend. Hier fallen mir die Bedingungen an englischen Eliteunis ein: Wenige Teilnehmer*innen, dafür hohe Anforderungen: wöchentliche Essay, dreiwöchtentliche Referate etc. pp. Das wäre doch der Ausweg aus den wenig geliebten BA/MA-Studiengängen: Quantitative Reduktion bei gleichzeitig qualitativer Aufwertung. Die Leute machen nicht mehr 20, sondern nur noch 8-10 Stunden, diese dafür intensiver. Ich garantiere dafür, dass der Studienerfolg entschieden höher wäre. Und der berühmt-berüchtigte workload ließe sich anpassen, wenn man diese 8-10 Stunden mit entsprechenden Leistungen verbände.

Aber ich höre schon die Einwände: Die organisatorischen/ gesetzlichen/ europäischen Richtlinien lassen das nicht zu, and what not. Aber es wäre doch eine Idee, nicht wahr? Das könnte man doch auch einmal diskutieren ... Den ganzen anstehenden Akkreditierungsprozess könnte man dann allerdings knicken und neu organisieren. Und wenn schon: Diesen Bürokratie-Mist zur Lebensabendgestaltung von pensionierten Uni-Rektoren müsste man sowieso mal in die Schranken weisen!

 

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news-10626 Thu, 23 Jul 2020 10:54:23 +0200 Mein digitales Semester /beitrag/2020/07/23/mein-digitales-semester Im Gegensatz zu manchen anderen Ländern, in denen die Universitäten von einem auf den anderen Tag auf online-Lehre umstellen mussten, hatten wir in Deutschland mehrere Wochen Zeit, uns vorzubereiten. Ich war wild entschlossen, das digitale Medium nicht nur als Behelf anzusehen, sondern vielleicht sogar das eine oder andere damit zu realisieren, was besser lief als in der Präsenzlehre. Viel habe ich davon allerdings nicht hinbekommen. Was nicht am Medium liegt, sondern an mir. Immerhin soviel: Im Examenskolloquium habe ich die Vorteile von Gruppenarbeit genutzt, die im Rahmen einer Videokonferenz entschieden besser läuft als in real life. Wir haben zoom verwendet, weil die LMU München eine Sammellizenz angeschafft hat, in deren Rahmen offenbar auch die Datenschutzprobleme gelöst waren (na ja, so genau weiß man das nicht). Ich habe ein paar Mal zwei Gruppen gebildet, die aktuelle Streitfragen aus der Kunstwelt kontrovers diskutieren sollten. In zoom werden diese in sogenannte breakoutrooms geschickt, in denen sie sich vorbereiten können, so dass sie dann nach Rückführung in den Hauptraum sich gegenseitig beharken können. Haben sie getan. Und ich glaube, mit großer Begeisterung. Einmal ging es um Eike Schmidts (Uffizien) Vorschlag, die Kunst wieder in die Kirchen zurückzuführen (Streitfrage: ja oder nein), ein anderes Mal um Keith Christiansens instagramm-Erinnerung an Alexandre Lenoir, der in der Französischen Revolution die Kunstwerke gegen gewalttätige Bilderstürmer verteidigt hatte. Die blacklivesmatter-Bewegung hatte das als Kritik an ihren denkmalstürzerischen Aktionen in den USA verstanden. (Streitfrage: Christiansen rausschmeißen oder nicht?). Insbesondere bei der zweiten Frage ging es hoch her. Höher auf jeden Fall, als man das aus gewöhnlichen Seminaren kennt.

Für ein Proseminar schien es mir angesichts der Tatsache, dass der lockdown auch mit einer Schließung der Bibliotheken einherging, angebracht, auf Angebote zurückzugreifen, die schon in online-Form vorlagen. Das gilt etwa für das alte "Funkkolleg Kunst" aus den 1980er Jahren, von dem es bekanntermaßen seit den frühen 2000er Jahren eine erweiterte und angepasste online-Version gibt. Das Funkkolleg Kunst scheint mir immer noch die beste Einführung in den Gesamtstoff, auch wenn sie natürlich sehr dem Zeitgeist von post 68 verpflichtet ist. In der Vermittlung konnte man hier immer sehr gut darauf verweisen, dass auch Wissenschaft nicht neutral dasteht und jeweils vom eigenen zeitlichen Kontext mitbestimmt wird. Im Sinne des flipped classroom wurde hier die Substanz des Stoffes in der allwöchentlichen Lektüre vermittelt, während die Seminarstunden der Diskussion dieses Stoffes gewidmet waren.

Die online-Lehre wird uns noch eine Weile erhalten bleiben, ob wir wollen oder nicht. Mir scheint, dasss wir uns die guten Seiten dieser Form erhalten und auch dann einsetzen sollten, wenn der ganze Spuk wieder vorbei ist. Und im übrigen manches von dem, was online notwendig schien - z.B. die Lektüren zwischen den Seminarstunden - auch in der Präsenzlehre beizubehalten.

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news-10613 Tue, 21 Jul 2020 07:53:33 +0200 Von einem geglückten Experiment /beitrag/2020/07/21/von-einem-geglueckten-experiment Gespräch mit Matteo Burioni über ein gelungenes Seminarformat in Zeiten von Emergengy Remote Teaching

Als klar war, dass man in diesem Semester auf Exkursionen, Ortsbegehungen und Übungen vor Originalen verzichten muss, ging ein lautes Seufzen durch die kunsthistorischen Institute. Gerade in einem Fach wie der Kunstgeschichte ist der direkte Kontakt mit den Werken unverzichtbar. Raumgefüge erschließen sich oft erst, wenn man durch die verwinkelten Gänge eines alten Palastes geschlichen ist. Drehungen von Figuren versteht man leichter, wenn man die Skulptur aus unterschiedlichen Blickwinkeln entdecken konnte. Deckenmalerei mit den ausgeklügelten Dekorationsprinzipien erschließen sich einem vor Ort besser. Auch olfaktorische Eindrücke helfen die historischen Fakten und Diskussionen mit den Kommilitonen zu memorieren.

 

Wenn also nun ein Seminar über barocke Deckenmalerei genau auf diesen Zugang angewiesen ist, kann man sich nur zu leicht vorstellen, was das angekündigte digitale Semester ohne Präsenzveranstaltungen und Exkursionen für den Projektkoordinator und Leiter der Arbeitsstelle München des "Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland" Matteo Burioni an der LMU München bedeutet hat. In einem Gesprächen haben wir uns über genau diese Herausforderung unterhalten. Inspiriert von dem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen über die anfangs wöchentliche Soforthilfe des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte hat er den Spieß einfach umgedreht. Anstatt mit den Studierenden zu den Experten*innen und Schlössern zu fahren, ließ er die Spezialist*innen via Videomeetings in den virtuellen Seminarraum kommen. Er konnte dabei auf das große Netzwerk des Projekts Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland zurückgreifen. Da nun alle zunehmend im Homeoffice und mit der technischen Infrastruktur ausgestattet sind, war auch bei den Gästen die Bereitschaft groß. Wie das bei den Studierenden angekommen ist und welche Vor- aber auch Nachteile dieses Experiment hatte, erfahren Sie im aufgezeichneten Gespräch:

 

Weiterleitung zu Soundcloud, Dauer 30:50 min

 

Beispielszenarien für die digitale Lehre in der Kunstgeschichte

Die Gespräche finden im Rahmen einer Initiative des Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte statt und sollen Kolleg*innen zur Inspiration für eigene Seminarexperimente dienen. Hierfür gab es auch schon einen längeren Blogbeitrag "Was man so alles machen könnte..."

Bereits zu Semesterbeginn fand ein Gespräch mit Bettina Keller aus der FAU Erlangen-Nürnberg statt. Nachzuhören ist dies unter

Weiterleitung zu Soundcloud, Dauer 13:39 min

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news-10472 Mon, 29 Jun 2020 10:54:02 +0200 Gewinner der ersten Förderrunde: arthistoricum.net prägt bei NFDI4Culture die nationale Forschungsdateninfrastruktur mit /beitrag/2020/06/29/gewinner-der-ersten-foerderrunde-arthistoricumnet-praegt-bei-nfdi4culture-die-nationale-forschungsdateninfrastruktur-mit Wie im vorangehenden Beitrag von Waltraud von Pippichschon verkündet: Es gibt Gewinner der ersten Förderrunde einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und arthistoricum.net ist dabei! Die SLUB Dresden und die Universität Heidelberg (vertreten durch die Heidelberger Universitätsbibliothek) beteiligen sich als Mitantragsteller an dem Konsortium NFDI4Culture - Konsortium für Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern.

Ein Beitrag von Dr. Maria Effinger und Dr. Jens Bove

Wie im vorangehenden Beitrag von Waltraud von Pippichschon verkündet: Es gibt Gewinner der ersten Förderrunde einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und arthistoricum.net ist dabei! Die SLUB Dresden und die Universität Heidelberg (vertreten durch die Heidelberger Universitätsbibliothek) beteiligen sich als Mitantragsteller an dem Konsortium NFDI4Culture - Konsortium für Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern.

Damit fällt uns eine besondere Verantwortung zu, weil wir von Beginn an den Auf- und Ausbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur prägen werden, der gemeinsam von Bund und Ländern künftig mit jährlich bis zu 90 Mio. Euro gefördert wird, wobei über die konkrete Mittelverteilung für die einzelnen Konsortien erst im Juli 2020 entschieden wird. Das Ziel unseres Teilbereichs NFDI4Culture, der ein breites Spektrum an Fachdisziplinen von der Architektur-, Kunst-, Musik- bis hin zur Theater-, Tanz-, Film- und Medienwissenschaft umfasst, ist der Aufbau bedarfsorientierter Infrastrukturen zu materiellen und immateriellen Kulturgütern in der NFDI. Bislang existiert auf nationaler Ebene noch keine umfassende Struktur, die sich um eine nachhaltige Sicherung, Standardisierung und Bereitstellung von Forschungsdaten des kulturellen Erbes bemüht. NFDI4Culture wird diese Lücke schließen. Auf der übergeordneten Ebene der NFDI geht es zudem darum, bestehende nationale und internationale Angebote, Projekte und Plattformen mit existierenden Angeboten zu Data und Code Literacy zu sichten, deren Potentiale für die NFDI zu analysieren und diese dann auf Basis abgestimmter Strategien und Workflows in Zusammenarbeit zwischen den NFDI-Konsortien weiter auszubauen und international einzubetten.

Unter der Federführung der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, ist das NFDI4Culture-Konsortium, zu dem wir beitragen und mit dem wir uns beworben haben, angetreten, um 7 Handlungsfelder mit 33 Maßnahmen und 120 Tasks zu bearbeiten. Es geht um digitale Repräsentationen von Kulturgütern, darum, Daten zu standardisieren, zu analysieren und zu publizieren. Zudem sollen diese Daten global nachnutzbar sein und damit auch Ausbildungsprogrammen und den Schnittstellen zwischen Forschung, Kulturpolitik, Kulturwirtschaft und Zivilgesellschaft zur Verfügung stehen. Im Fokus stehen dabei materielle und immaterielle Kulturgüter z.B. 2D-Digitalisate (Fotografien, Gemälde, Partituren) sowie 3D-Digitalisate (Skulpturen, Denkmäler, Gebäude), audio-visuelle Daten (Musik-, Film-, Bühnenaufführungen), aber auch standardisierte Metadaten, die nötig sind, damit Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern weltweit maschinenlesbar sind.

Für diese Aufgaben, die Publikation und Bereitstellung der Daten, verantworten Dr. Jens Bove (SLUB Dresden) und Dr. Maria Effinger (UB Heidelberg) als Co-Sprecher*innen gemeinsam die erfolgreich begutachtete Task Area 4 (Data publication and data availability) des Konsortiums. Darin ist u.a. vorgesehen, ein Expertenforum für „Datenpublikation und Langzeitverfügbarkeit“ einzurichten und zu betreiben. Gerade Langzeitsicherung ist dabei ein Schlüsselfaktor, der dafür sorgen soll, dass die digitale Aufbereitung und Sicherung von Daten keine kurzfristige Angelegenheit ist und auch zukünftige Computersysteme Forschungsergebnisse in Form von digitalen Daten bewahren und zur weiteren Erforschung beitragen können. Dabei soll die Nutzergemeinschaft aktiv beteiligt werden, ebenso wie Berufsverbände und Fachgesellschaften, damit die Maßnahmen den Bedarf treffen und alle Beteiligten vernetzen. Dafür ist u.a. auch eine Beratungsagentur vorgesehen, die sowohl Forscher*innen als auch Infrastrukturanbieter bei der Publikation komplexer Datentypen unter Einhaltung der FAIR-Prinzipienunterstützen wird.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, die auch die Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) ist, hat die Entscheidung für die Förderung der ersten neun Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) in der Pressemeldung der GWKwie folgt begrüßt: „Wir müssen die vielen Datenschätze in den unterschiedlichen Disziplinen heben.“ Wir als arthistoricum.net-Team freuen uns sehr darüber, dass wir mit NFDI4Culture an der Bergung der kulturellen Schätze auf digitalem Wege beteiligt sind, und dass wir dazu beitragen dürfen, die Zugänglichkeit, aber auch die Wiederverwendbarkeit von Forschungsergebnissen in unseren Fächern zu verbessern und langfristig zu sichern.

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news-10227 Thu, 04 Jun 2020 19:15:00 +0200 Schlaglicht: Vom Durchpausen altmeisterlicher Raritäten /beitrag/2020/06/04/schlaglicht-vom-durchpausen-altmeisterlicher-raritaeten In der Graphiksammlung Joseph Hellers (1798–1849) finden sich zwischen Holzschnitten, Kupferstichen, Radierungen, Handzeichnungen und anderen Techniken immer wieder Durchpausen altmeisterlicher Raritäten. Während manche auf dünnes und durchscheinendes Papier gezeichnet und dadurch offensichtlich sind, ist ein Teil von ihnen derart originalgetreu, dass ein näheres Hinsehen erforderlich ist.

In der Graphiksammlung Joseph Hellers (1798–1849) finden sich zwischen Holzschnitten, Kupferstichen, Radierungen, Handzeichnungen und anderen Techniken immer wieder Durchpausen altmeisterlicher Raritäten. Während manche auf dünnes und durchscheinendes Papier gezeichnet und dadurch offensichtlich sind, ist ein Teil von ihnen derart originalgetreu, dass ein näheres Hinsehen erforderlich ist.

 

Heller, der selbst aktiv publizierte, kannte manch eine künstlerische Seltenheit nur aus der Literatur bzw. durch die Erzählung ihm bekannter Kunstliebhaber. Um dennoch das Erscheinungsbild für sich und seine Leserschaft zu erschließen, gab er Annoncen in fachspezifischen Zeitschriften auf. Am 2. März 1822 reagierte der Basler Universitätsbibliothekar Daniel Huber (1768–1829) auf eine dieser Heller'schen Anzeigen, indem er schrieb: 

In Folge Ihres zugleich geäußerten Wunsches erhalten Sie hier eine Copie der auf unserer Bibliothek vorhandenen Handzeichnung, nebst einem Facsimile der Handschrift, welches beides gut ausgeführt ist. Hr. Deputat Huber, der [...] Chef der Kunsthandlung Birmann u. Huber hat die Gefälligkeit gehabt, dieses besorgen zu lassen, ohne daß es die mindesten Kosten verursachte.

(vgl. Brief von Huber an Heller, dat. 02.03.1822)

 

Für das Faksimile des Affentanzes, den Albrecht Dürer 1523 auf einen Brief an Felix Frey zeichnete (Basel, Kunstmuseum, Inv.-Nr. 1662.168), bedankte sich Heller in seiner Publikation von 1827, da sich kaum Vorsteher von Bibliotheken und Behörden auf seine öffentliche Anzeige hin gemeldet hätten (vgl. Heller Dürer 1827 II.35).

 

Neben Durchzeichnungen von Unikaten sammelte Heller auch welche, die nach raren Druckgraphiken gefertigt wurden, die er schlichtweg nicht erwerben konnte. Hierzu zählt das Holzschnitt-Wappen Dürers aus dem Jahr 1523, das Heller 1827 als „selten” bezeichnete (Heller Dürer 1827 II.731.1938). Auch der aus vier Stöcken bestehende Holzschnitt Die große Säule mit Satyr ist ein interessantes Beispiel: Bereits im 19. Jahrhundert begegnete das Werk den Verfassern von Verzeichnissen sehr selten, oftmals nur die beiden abschließenden Stücke mit Satyr bzw. Putten, sodass vielfach an der ganzheitlichen Existenz, aber auch an der Urheberschaft Dürers gezweifelt wurde. In der Heller-Sammlung finden sich zwei Durchpausen der beiden mittleren Holzschnitte, die offenbar zur Vervollständigung des Heller'schen Exemplars angefertigt worden sind.

 

Das diese Art Sammlungen temporär zu vervollständigen keine Eigenart Hellers gewesen ist, zeigt ein Briefwechsel mit dem Bremer Senator und Gründer des dortigen Kunstvereins Hieronymus Klugkist (1778–1851). Er bat den Bamberger 1840 darum, „einen fleißigen gewissenhaften Zeichner” zu beauftragen, der für ihn bestimmte Stücke aus der Heller-Sammlung kopieren sollte, die ihm zu diesem Zeitpunkt noch fehlten (vgl. JH.Comm.lit.5 der Staatsbibliothek Bamberg).

 

Kontakt
Dr. Franziska Ehrl
Universitätsbibliothek Heidelberg

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news-10224 Wed, 03 Jun 2020 16:12:00 +0200 „Die Moderne“ als politisches Konstrukt: Otto Karl Werckmeister eröffnet in vier Statements den Zugang zu seinem neuen Buch /beitrag/2020/06/03/die-moderne-als-politisches-konstrukt-otto-karl-werckmeister-eroeffnet-in-vier-statements-den-zugang-zu-seinem-neuen-buch Anlässlich der Veröffentlichung seines Buches „The Political Confrontation of the Arts in Europe from the Great Depression to the Second World War“, das bei arthistoricum.net ART-Books in der Schriftreihe „Zurich Studies in the History of Art“ von Wolfgang F. Kersten erscheint, hat der Herausgeber den Autor darum gebeten, vier Statements zu seinem grundlegenden Werk zu formulieren.

Ein Gastbeitrag von Wolfgang F. Kersten und Otto Karl Werckmeister


Anlässlich der Veröffentlichung seines Buches The Political Confrontation of the Arts in Europe from the Great Depression to the Second World War, das bei arthistoricum.net ART-Books in der Schriftreihe „Zurich Studies in the History of Art“ von Wolfgang F. Kersten erscheint, hat der Herausgeber den Autor darum gebeten, vier Statements zu seinem grundlegenden Werk zu formulieren.

1. Thema

Von 1929 bis 1939, im Jahrzehnt vom Beginn der Weltwirtschaftskrise bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wurden die Künste in Europa stärker politisiert als je zuvor. Regierungen, Parteien und Interessengruppen drängten darauf, sie einer Innenpolitik gesellschaftlicher Stabilisierung und einer Außenpolitik staatlicher Selbstbehauptung dienstbar zu machen. Damit wurde die relative Freiheit, die ihnen nach dem Ersten Weltkrieg zugefallen war, eingeschränkt, bedroht oder aufgehoben. Sie wurden in die Auseinandersetzungen zwischen antagonistischen politischen Systemen hineingezogen, die schließlich zum Zweiten Weltkrieg führten. Sie verfingen sich in einem dreiseitigen Konflikt zwischen Kommunismus, ‚Faschismus‘ und Demokratie, in dem kunstpolitische Richtlinien verordnet und ideologische Kunstprogramme proklamiert wurden. Das führte zu einer politischen Konfrontation der Künste.

2. Historiografische Kritik

Nach dem Zweiten Weltkrieg und seit Beginn des Kalten Krieges wurde diese Konfrontation ideologisch schematisiert. Dabei wurden Kommunismus und Nationalsozialismus unter dem Begriff des Totalitarismus gleichgesetzt und dem Verständnis des Antagonismus zwischen traditioneller und moderner Kunst zugrunde gelegt. Da sowohl in der Sowjetunion als auch im Dritten Reich jene einseitig gefördert und jene summarisch unterdrückt worden war, wurde moderne Kunst im Namen der Freiheit nachträglich zur Kunst der Demokratie überhöht. Das widersprach der kulturpolitischen Lage im Jahrzehnt der Wirtschaftskrise. Damals rangen traditionelle und moderne Kunst sowohl in totalitären als auch in demokratischen Staaten noch um Akzeptanz. Das moderne Credo subjektiver Ausdrucksfreiheit war zwar de facto ein demokratisches Grundrecht, setzte aber kein Bekenntnis zur politischen Demokratie voraus.

3. Historische Revision

Heute ist die weltweite Polarisiereng zwischen Demokratie und Kommunismus, die im Kalten Kriege ausgefochten wurde, multilateralen politischen Konflikten zwischen demokratischen und autoritären Staaten gewichen, die in der kapitalistischen Weltwirtschaft miteinander vernetzt sind, miteinander konkurrieren, und sich durch Stellvertreterkriege gegeneinander militärisch abzusichern suchen. In der flankierenden neoliberalen Kultur floriert die moderne Kunst auf dem Weltmarkt und hat deshalb eine weltweite kulturpolitische Dominanz gewonnen, die jene Konflikte ignoriert. Ihre triumphalistische Inszenierung verengt im Rückblick die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert auf ‚die Moderne‘ als hypostasierte welthistorische Epoche. Im Widerspruch zu dieser ideologischen Hypostasierung versuche ich im vorliegenden Buch die politische Geschichte ihrer Konkurrenz mit der traditionellen Kunst ins Gleichgewicht zu bringen.

4. Begrifflichkeit

Die überbordende Literatur über die Kunst der ‚dreißiger Jahre‘ hat noch immer keine begrifflich schlüssige, vergleichende Gesamtdarstellung hervorgebracht. Wie instruktiv auch immer sie unsere Kenntnisse erweitert und vertieft, ist sie doch zusammenhanglos geblieben. Ihre akademischen und öffentlichen Vorbedingungen unterwerfen sie dem neoliberalen Prinzip planlosen Wachstums, das Akkumulation, Duplikation und Substitution befördert. Damit ist sie ist über jede bibliografisch verantwortliche Synthese durch das Denken eines Einzelnen hinausgewachsen. So ist auch das vorliegende Buch keine Synthese, sondern ein Argument, das ausgewählte Quellen und Forschungsergebnisse unter den beiden Grundbegriffen der politischen Geschichte – Politik und Ideologie – konzeptionell zusammenführt. Substanielle Wesensbegriffe nach Maß zu prägen oder von anderen Autoren zu übernehmen‚ – ‚Copyrightbegriffe‘, denen die Namen ihrer Erfinder in Klammern beigegeben sind –, habe ich vermieden. Meine Begrifflichkeit ist epistemologisch, nicht substanziell, lässt sich im Oxford English Dictionary kritisch nachprüfen und von allen Lesern teilen oder korrigieren. Sie ermöglichen auch eine nachvollziehbare Kritik des ganzen Buchs.

Curriculum Vitae Otto Karl Werckmeister:

1934 in Berlin geboren, studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Freien Universität Berlin und promovierte dort 1958 mit einer Arbeit über spätkarolingische Goldschmiedekunst. Nach mehrjährigen Forschungsaufträgen am Warburg Institute (University of London) und am Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Madrid, wurde er 1965 als Associate Professor an die University of California, Los Angeles, berufen und dort 1971 zum Professor ernannt. 1972–1974 und 1983–1984 war er Vorsitzender der Fachgruppe Kunstgeschichte an dieser Universität. 1984–2001 lehrte er als Mary Jane Crowe Distinguished Professor in Art History an der Northwestern University in Evanston, Illinois. Seit 2001 lebt er wieder in Berlin.
1976 gründete Werckmeister zusammen mit T. J. Clark and David Kunzle den ‘Caucus for Marxism and Art’ innerhalb der College Art Association of America. 1981–82 war er John Simon Guggenheim Memorial Fellow, 1986–87 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. 1979 war er Gastprofessor an der Universität Marburg, 1981 an der University of Texas in Austin, 1983 an der Northwestern University, 1991 an der Universität Hamburg.
Werckmeisters Forschungen konzentrieren sich auf frühmittelalterliche und romanische Kunst, auf die politische Geschichte der Kunst in den beiden Weltkriegen und der Zwischenkriegszeit, sowie auf Theorie und Historiographie der Kunstgeschichte. Zu seinen Büchern zählen Ende der Ästhetik, Frankfurt 1971; Ideologie und Kunst bei Marx und andere Essays, Frankfurt 1974; Versuche über Paul Klee, Frankfurt 1981; The Making of Paul Klee’s Career, 1914-1920, Chicago 1989; Zitadellenkultur, München 1989 (englische Ausgabe: Citadel Culture, Chicago 1991); Linke Ikonen, München 1997 (englische Ausgabe: Icons of the Left, Chicago 1999); Der Medusa Effekt, Berlin 2005; Die Demontage von Hans Bellmers Puppe, Berlin 1911.
Werckmeisters Position in der Kunstgeschichte wird in einer Diskussion erörtert, die in der Festschrift zu seinem sechzigsten Geburtstag erschien: “‘Radical Art History’. Ein akademisches Gespräch über O. K. Werckmeister”, in: Wolfgang Kersten, ed., Radical Art History. Internationale Anthologie – Subject O. K. Werckmeister, Zürich 1997, pp. 11–27.

Otto Karl Werckmeister
The Political Confrontation of the Arts in Europe from the Great Depression to the Second World War, (Zurich Studies in the History of Art, Georges Bloch Annual,
University of Zurich, Institute of Art History, 2019/20, vol. 24/25), Heidelberg, ART-Books, 2020

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news-10048 Thu, 07 May 2020 13:00:00 +0200 Preview statt Vernissage. Umwege in Zeiten der Corona-Pandemie /beitrag/2020/05/07/preview-statt-vernissage-umwege-in-zeiten-der-corona-pandemie Am 26. April 2020 sollte in der Staatsbibliothek Bamberg die Ausstellung "Joseph Heller und die Kunst des Sammelns" eröffnet werden, um ihren bedeutendsten Mäzen des 19. Jahrhunderts zu ehren. Für die Besucher wollte man damit ein Stück Bibliotheksgeschichte lebendig werden lassen.

Am 26. April 2020 sollte in der Staatsbibliothek Bamberg die Ausstellung "Joseph Heller und die Kunst des Sammelns" eröffnet werden, um ihren bedeutendsten Mäzen des 19. Jahrhunderts zu ehren. Für die Besucher wollte man damit ein Stück Bibliotheksgeschichte lebendig werden lassen. Charakteristische und kostbare Objekte aus Hellers facettenreicher Sammlung wurden ausgewählt, ihre Arrangements geplant, Flyer, Plakate und Informationstafeln gestaltet, ein Begleitprogramm erdacht und an interaktiven Konzepten getüftelt. Doch: Wie zahlreiche Veranstaltungen weltweit musste auch diese Frühjahrsausstellung im Zuge der Einschränkungen unserer Leben durch die Corona-Pandemie weichen.

 

Anstelle der Vernissage, die in gesundeten Zeiten nachgeholt werden wird, präsentiert die Staatsbibliothek Bamberg nun eine Preview in Form einer interaktiven Begleitpublikation.

 

Diese Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Kunstgeschichte der Otto-Friedrich-Universität Bamberg erschien jüngst bei der University of Bamberg Press. Wissenschaftliche Beiträge stellen den Sammler, die Sammlungsgenese und das DFG-Projekt "Die Graphiksammlung Joseph Hellers in der Staatsbibliothek Bamberg – Visualisierung und Vernetzung einer Sammlungsstruktur" vor. Anschließend werden Absicht und Aufgabe des Heller-Nachlasses erläutert. Am Beispiel von ausgewählten Objekten beleuchten derzeitige und ehemalige Bamberger Studentinnen, die im Wintersemester 2019/20 an einem kunsthistorischen Seminar zur Sammlung teilnahmen, diverse Forschungspotenziale.

 

Insgesamt bietet die frei verfügbare digitale Version des Begleitbands Joseph Heller und die Kunst des Sammelns. Ein Vermächtnis im Herzen Bambergs mehr als einen Vorgeschmack auf die Ausstellung von zu Hause aus. Bild- und Literaturquellen führen die Leserschaft direkt in die digitalen Sammlungen. Wie bei einem Ausstellungsrundgang wählen Sie selbst die Route: Jeder Klick eröffnet einen Nebenweg zu objektspezifischen Informationen oder – bei Interesse – einen Umweg in weiterführende Literatur.

 

Das Projekt- und Ausstellungsteam der Staatsbibliothek Bamberg möchte Sie mit einem Eintrag aus Hellers Stammbuch, den ein Nördlinger Freund am Neujahrstag 1826 schrieb, zum Schmökern, Staunen und/oder Forschen einladen:

Dreimal beglückt ist der Sterbliche, welcher die Weisheit sich zur Führerin wählt, und zur Gefährtin die Kunst. Würde verleiht die eine dem Leben, Freude die andere, jene sichert den Schritt, diese verschönert den Pfad.

 

In diesem Sinne – bleiben Sie viel zu Hause, bleiben Sie gesund und nutzen Sie die Umwege.

 

Kontakt
Dr. Franziska Ehrl
Staatsbibliothek Bamberg
Neue Residenz
Domplatz 8
96049 Bamberg

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