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Schlaglicht: Dürers Tagebuch der niederländischen Reise in einer Abschrift

Albrecht Dürers Tagebuch der niederländischen Reise in einer Abschrift. Nürnberg (?), circa 1620. Staatsbibliothek Bamberg, JH.Msc.Art.1#1, S. 1
Albrecht Dürers Tagebuch der niederländischen Reise in einer Abschrift. Nürnberg (?), circa 1620. Staatsbibliothek Bamberg, JH.Msc.Art.1#1, S. 1

Aus dem Nachlass Joseph Hellers (1798–1849) ging eine der beiden heute noch erhaltenen Abschriften des verlorenen originalen Tagebuchs in den Bestand der damals noch Königlichen Bibliothek (heute Staatsbibliothek) Bamberg über, das Albrecht Dürer (1471–1528) während der Reise verfasste, die er 1520/21 in die Niederlande unternahm. 

 

Heller stand im Zuge der Vorarbeiten für seine mehrteilige Dürer-Monografie, die ab 1827 erschien (vgl. Heller Dürer 1827), in regem Briefkontakt mit dem Nürnberger Sammler Hans Albrecht von Derschau (1755–1824). Dieser fungierte als Berater, las und kommentierte ausgewählte Manuskripte Hellers und tauschte mit ihm Objekte aus seiner Sammlung.

 

Der Bamberger baute sich ein Netzwerk aus Gleichgesinnten sowohl auf, um über die erworbenen Kontakte seine eigene Sammlung erweitern zu können als auch, um für seine Publikationen die Möglichkeit zu haben, mit dem unikalen Material anderer Sammler zu arbeiten. So bat er Derschau am 3. August 1822 schriftlich um die sogenannte „Hauerische Abschrift” des Tagebuchs, an die dieser angeblich während der Versteigerung der „Bibliotheca Ebneriana“ gelangt war. Heller schrieb:

Haben Sie die Hauerisch' Abschrift v. Dürers Tagebuch zurück erhalten? Wäre dieses der Fall, so möchte ich freilich Ihre schon zu oft erprobte Güte wieder in Anspruch nehmen und Sie um gefäll. Zusendung ersuchen.

(vgl. Brief von Heller an Derschau, dat. 03.08.1822)

 

Derschau hatte das Manuskript jedoch bereits an den Frankfurter Historiker Johann Friedrich Böhmer (1795–1863) verliehen, der es mit einem ähnlichen Ansinnen wie Heller begutachten wollte - auch er plante darüber zu publizieren (vgl. Brief von Böhmer an Heller, dat. 17.10.1822). Damit traf die wertvolle Abschrift zeitverzögert in Bamberg ein.

 

Nach Derschaus Tod im Jahr 1824 forderten seine Erben, die dessen Nachlass zeitnah versteigern lassen wollten, die Abschrift von Heller zurück. Da ihn die Rückforderungen (Heller zufolge) zunächst nicht erreicht hatten, gab er das Tagebuch – wenn überhaupt noch einmal – nicht vor September 1824 aus den Händen (vgl. Briefe von Derschaus Erben an Heller, dat. 03.08.1824 und 14.09.1824). Ein handschriftlich annotiertes Exemplar vom „Verzeichniss der seltenen Kunstsammlungen“ des verstorbenen Königlich-Preußischen Hauptmanns, versteigert im August 1825, gibt Aufschluss darüber, dass Heller die Abschrift für 15 Gulden erwerben konnte (vgl. Versteigerungskatalog Derschau 1825, Abt. 3, S. 6).

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Dr. Franziska Ehrl
Staatsbibliothek Bamberg
Neue Residenz
Domplatz 8
96049 Bamberg

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