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PHAROS – The International Consortium of Photo Archives

Die Fotoarchive kunsthistorischer Forschungseinrichtungen sind gewaltige Repositorien, die den Wissenschaftlern eine Fülle an Arbeitsmaterial zur Verfügung stellen. In den letzten Jahrzehnten sind weltweit enorme Anstrengungen unternommen worden, um dieses Material digital aufzubereiten, mit Metadaten zu versehen und über verschiedene Portale online zugänglich zu machen. Doch die Vernetzung der Daten macht in den meisten Fällen allerspätestens an der Landesgrenze halt. Noch heute muss man in oft zeitaufwendigen Recherchen die unterschiedlichsten Portale konsultieren, um sich länderübergreifend einen Überblick über die für die eigene Forschung bereits digital zur Verfügung stehenden Bild- und Textquellen verschaffen zu können.

Um dieses Dilemma anzugehen, schlossen sich bereits 2013 insgesamt 14 renommierte europäische und nordamerikanische Fotoarchive (darunter Foto Marburg, Bibliotheca Hertziana, Kunsthistorisches Institut in Florenz, Getty Research Institute, Courtauld Institute of Art sowie Institut National d’Histoire de l’Art) zusammen und gründeten das internationale Konsortium PHAROS. Gemeinsam arbeiten sie am Aufbau einer digitalen Forschungsplattform für Bildmedien, die via CIDOC_CRM und ResearchSpace einen Zugriff auf ihre jeweiligen Bilder und auch auf die damit verbundene wissenschaftliche Dokumentation ermöglichen soll. Für Wissenschaft und Lehre ist dieser direkte Zugang zu Millionen von Kunstwerke dokumentierenden Bildern aus dem Besitz der PHAROS-Institutionen von großem Wert, nicht zuletzt deshalb, weil Recherchen innerhalb eines breiten Themenspektrums – angefangen von Zuschreibung und Provenienzforschung bis hin zur Beschäftigung mit einzelnen Fotografen, fotografischen Techniken oder Fotografien als materielle Objekte – angeregt werden, die ihrerseits wiederum Wissen sowie neue Fragestellungen generieren.

Finanziell unterstütz durch die Samuel Kress Foundation und die Paul Mellon Foundation, geht das Projekt jetzt ins fünfte Jahr. Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer transnationalen Plattform der kunsthistorischen Bildarchive stellt die im September 2016 geschaltete PHAROS Art Research Database zur visuellen Bildersuche dar. Sie enthält schon heute knapp 100.000 Aufnahmen von Werken italienischer Kunst aus den Beständen der PHAROS-Partner und ermöglicht es auch, eigene Bilder hochzuladen und mit denen in der PHAROS-Datenbank abzugleichen.

Seit Sommer 2019 ist das Projekt in eine neue Phase getreten und konzentriert sich auf die Implementierung der Pilotplattform, auf der am Ende insgesamt 1,5 Millionen Aufnahmen von Kunstwerken und die dazugehörigen wissenschaftlichen Dokumentationen von insgesamt fünf Partnerinstitutionen erfasst sein werden. Erste umfangreiche Vorarbeiten dafür haben die Mitglieder des Konsortiums in enger Zusammenarbeit mit Informatikern bereits geleistet. Doch im Hinblick auf eine erfolgreiche Etablierung dieser Plattform als wissenschaftliches Arbeitsinstrument ist ein enger und kontinuierlicher Austausch mit der wissenschaftlichen Community, den zukünftigen Usern, zwingend erforderlich. Deshalb ist die Einsetzung einer Scholar Advisory Group geplant. Diese interdisziplinäre Gruppe soll die wissenschaftlichen Anforderungen an die Plattform so exakt wie möglich definieren und mit ihren jeweils unterschiedlichen Expertisen deren Entwicklung begleiten. Wissenschaftler, die an diesem Bereich der Digital Humanities interessiert sind, können sich noch bis zum 1. September 2019 um eine Aufnahme in die Scholar Advisory Group bewerben. 

Hier finden Sie das pdf des Call for Participation

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