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George Kubler: Ein Vorläufer der Digital Humanities

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In seinem1962 erschienenen „Shape of time. Remarks on the history of things“ hat George Kubler eine Kunstgeschichte beschrieben, die sich vor allem von der damals gültigen Ikonologie unterschied. Gegenüber deren Indienstnahme der Kunst für die allgemeine Geistesgeschichte postulierte er ihre autonome, oder doch mindestens einer formalen Eigenlogik gehorchende Entwicklung. Zu Beginn des (4.) Kapitels über „Some kinds of duration“ formuliert er:

„The modern professional humanist is an academic person who pretends to despise measurement because of its ‚scientific‘ nature. He regards his mandate as the explanation of human expressions in the language of normal discourse. Yet to explain something and to measure it are similar operations. Both are translations. The item being explained is turned into words, and when it is measured it is turned into numbers. Unfortunately the tissues of history today have only one dimension that is readily measured: it is calendrical time, which permits us to arrange events one after another. But that is all. The domain of the historical sciences remains impervious to other numbers.“

Messen mit Kunst in Zusammenhang zu bringen, dürfte den klassischen Geisteswissenschaftler auch heute noch abschrecken. Hier wird es ausgerechnet von jemandem verteidigt, der sich mit der Eigenlogik des Systems Kunst beschäftigt. Die Digital Humanities sollten auch über ihre eigenen Tellerrand hinaussehen und ihre Legitimation an solchen Stellen holen!

1 Comment(s)

  • Thomas Bürger
    23.08.2016 10:18
    Messen und deuten

    Vielen Dank für diesen klugen Lesetipp!

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