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Verdoppelung der Welt

3D-Digitalisierung von Skulpturen im Frankfurter Liebieg-Haus

Die Kunstgeschichte ist eine Reproduktionswissenschaft. Daran ändern auch die zuweilen fetischhaften Beschwörungen der Bedeutung des Originals nichts. Dass die Skulptur im kunstgeschichtlichen Kanon eher ein Schattendasein fristet, dürfte auch mit der Tatsache zu tun haben, dass sie aufgrund ihrer Dreidimensionalität schwer zu reproduzieren ist. Das könnte sich jetzt ändern.

Digitale 3D-Scans gibt es schon seit einigen Jahren. Das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung, laut eigener Aussage "die weltweit führende Einrichtung für angewandte Forschung im Visual Computing" hat jetzt für das Frankfurter Liebieg-Haus ein Verfahren entwickelt, das den Scan-Vorgang vereinfacht und perfektioniert. In wenigen Minuten ist eine Plastik durch die Scanstraße bugsiert, dabei werden Dutzende von Aufnahmen gemacht, die das Objekt in seiner Dreidimensionalität und in höchster Auflösung erfassen. Im Zweifel so (meine Vermutung), dass es dann in einem 3D-Drucker so wieder ausgedruckt werden kann, dass über kurz oder lang auch Experten Schwierigkeiten haben werden, das Original von der Reproduktion zu unterscheiden. (Die Revolution, die hier dem Kunstmarkt bevorsteht, ähnelt all den Umstürzen, die von der Digitalisierung auch in anderen Feldern angestoßen werden) Bevor aber Letzteres wahr wird, könnte die Verfahrensweise, die geeignet ist, Skulptur-Digitalisierungen in Massen durchzuführen, vor allem zu dem führen, was ich anfänglich vermutet habe: der Skulptur den Rang in der Kunstgeschichte restituieren, der ihr historisch und ästhetisch zukommt.

 

 

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