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Kulturrettungsschirm 2020

Das Bundesministerium für Kultur und Medien gab vorgestern den Start eines umfassenden Förderprogramms für Kultur und Kulturschaffende in der Höhe von 1 Milliarde € bekannt (Pressemitteilung vom 04.06.2020). Die Summe verteilt sich wie folgt: 250 Millionen € für die Aufrüstung der Kultureinrichtungen für ihre Wiedereröffnung, 450 Millionen € für die Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur und für Nothilfen, 150 Millionen € für die Förderung "alternativer, auch digitaler Angebote" und 100 Millionen € für pandemiebedingten Mehrbedarf von aus Bundesmitteln finanzierten Kulturinstitutionen.

Kulturhilfsprogramm "Neustart Kultur", vom 04.06.2020, Darstellung der Aufteilung der Fördersumme
Kulturhilfsprogramm "Neustart Kultur", vom 04.06.2020, Darstellung der Aufteilung der Fördersumme


Der Großteil des Konjunkturpakets ist vorgesehen für die Förderung - Erhalt und Stärkung - der Infrastruktur der Institutionen sowie für Nothilfen. Der Aufrüstung der Einrichtungen für ihr reopening wird ein Viertel der Gesamtfördersumme zugesprochen. Sehr interessant, und von Andreas Kilb in "Ein Geschenk, aber wofür?", in: F.A.Z. v. 5.6.2020, S. 11, zu Recht als das Zukunftsträchtige angesehen, ist die Förderung „alternativer, auch digitaler Angebote“. Hier findet sich das Experimentierfeld. Geld für Innovation. Hier erhält das Neue die Chance. Das Digitale hätte eigens als Möglichkeit alternativer Angebote der Kultureinrichtungen nicht subsumierend erwähnt werden brauchen. Der Hinweis auf das Digitale dient der Verdeutlichung, ist ein Wink. Ein Teil der neuen, verglichen mit den bisherigen, traditionellen Angeboten, alternativen Dienste und Leistungen wird sich genuin digital aufstellen.

Die „Weichen auf Zukunft“ zu stellen sei laut Staatsministerin Grütters die Intension des Hilfsprogramms. Es heißt „Neustart Kultur“. Neustart? Das kulturelle Leben sei seit der Zeit der kollektiven Quarantäne erlahmt oder, im Fall von Schließungen, zwangserloschen oder kaum noch am Laufen. Nun gelte: neuer Start, neue Taktung.

Nebenher ist freilich, alternativ, für einige Bereiche, wie die Musikszene, auf gewissen Wegen das kulturelle Leben weder vollständig eingeschlafen noch erloschen, sondern treibt, auch unter Corona-Bedingungen sich fortsetzend, neue Blüten.

Die Band "The Notwist" im Mai 2020 - Hinterhof in der Baaderstraße in München
(Die offizielle Abstandsregelung bei der Tuba beträgt 3 Meter.)
Foto: Markus Acher
Die Band "The Notwist" im Mai 2020 - Hinterhof in der Baaderstraße in München
(Die offizielle Abstandsregelung bei der Tuba beträgt 3 Meter.)
Foto: Markus Acher


Die virtuelle Konzerthalle und die virtuelle Museumsführung werden von Grütters im Pressetext schließlich, neben der online-Lesung mit Chat-Elementen, als Exempel für den Bau neuer Wege, Plätze und Orte für den Kreis des Publikums angeführt. Nur Mut!

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