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Punkt, Punkt, Komma, Strich – Zeichnen zwischen Kunst und Wissenschaft | 1525 bis 1925

Heinrich Lautensack, Des Circkels vnnd Richtscheyt, auch der Perspektiva und Proportion der Menschen und Rosse kurtze, doch gründtliche Underweisung deß rechten Gebrauchs, [Frankfurt am Main] 1564
Heinrich Lautensack, Des Circkels vnnd Richtscheyt, auch der Perspektiva und Proportion der Menschen und Rosse kurtze, doch gründtliche Underweisung deß rechten Gebrauchs, [Frankfurt am Main] 1564

Bereits vor einem Jahr konnte hier an dieser Stelle über die Eröffnung einer Ausstellung zu Zeichenbüchern und Vorlagenwerken des 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert im Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München berichtet werden. Nun wird heute Abend in der Universitätsbibliothek Heidelberg die zweite Station dieser Ausstellung eröffnet, deutlich erweitert zeigt sie nun 120 Exponate, außer den Lehrbüchern auch Zeichnungen sowie Zeicheninstrumente aus vier Jahrhunderten. Parallel dazu gibt es eine virtuelle Ausstellung.

Die Ausstellung verfolgt  die Entwicklung europäischer Zeichenlehrbücher und ihrer Didaktiken über vier Jahrhunderte hinweg. Sie präsentiert zahlreiche Beispiele der praktischen Anwendung dieser Zeichenkompetenzen zwischen Kunst, Technik und Wissenschaft.

Zeichen-Unterricht war von der Renaissance bis zum Beginn der Moderne fester Bestandteil von Erziehung und Ausbildung. Ohne Fähigkeiten im Zeichnen ließ sich weder als Künstler oder Handwerker noch als Ingenieur oder Wissenschaftler arbeiten, selbst die Freizeitbeschäftigungen basierten vielfach darauf. Ob Menschen und Tiere, ob Landschaften und Blumen, Bauwerke, Maschinen und Gerätschaften, ob Landkarten, Ornamente oder wissenschaftliche Befunde und Proben: Gezeichnet wurde nicht nur das gesamte Spektrum des Sichtbaren. Es bildeten sich für diese unterschiedlichen Anforderungen auch ganz verschiedene Darstellungskonventionen und 'Zeichenstile' heraus. Diese prägten entscheidend das europäische Sehen und Denken. Allerdings gilt es die volle Bedeutung dieser allgegenwärtigen Zeichnungen immer noch zu entdecken und im Verhältnis zum lange Zeit vorrangig untersuchten 'Textwissen' richtig einzuordnen.

Auch diese zweite Ausstellung steht im Kontext des Forschungsprojekts Episteme der Linien - Theorien und Praktiken von Zeichnen und Zeichnung | 1400-2000 in Kooperation des Zentralinstituts für Kunstgeschichte und des Instituts für Kunstgeschichte der LMU.  Das Projekt „Episteme der Linien“ verbindet die Bereitstellung und neuartige digitale Erschließung dieses bislang praktisch nicht beachteten Quellen-Corpus mit einem größeren Forschungsvorhaben. Der großer Teil der in dem Projekt bearbeiteten Zeichenbücher wurde in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg digitalisiert und kann online eingesehen werden, gefördert durch die DFG im Kontext von arthistoricum.net.

Eine Zeichnerin mit Freundin, 1795/1810, Öl auf Leinwand, Privatsammlung
Eine Zeichnerin mit Freundin, 1795/1810, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Aktueller Katalog zur Ausstellung

Maria Heilmann, Nino Nanobashvili, Ulrich Pfisterer, Tobias Teutenberg (Hg.):  Lernt Zeichnen! Techniken zwischen Kunst und Wissenschaft | 1525–1925, Passau: Dietmar Klinger Verlag 2015

Bereits zur 1. Station der Ausstellung vom 24. April bis 29. Juni 2014 in München erschien ein Katalog, auf dem der aktuelle Katalog aufbaut.

Maria Heilmann / Nino Nanobashvili / Ulrich Pfisterer / Tobias Teutenberg (Hg.): Punkt, Punkt, Komma, Strich. Zeichenbücher in Europa | ca. 1525-1925, Passau: Dietmar Klinger Verlag 2014 (online zugänglich)


Weitere Informationen zu Ausstellung und Projekt

 

 

1 Kommentar(e)

  • Maria Effinger
    09.10.2015 20:35
    Ausstellungskatalog online im Open Access

    Die schlechte Nachricht: Der Ausstellungskatalog "Maria Heilmann, Nino Nanobashvili, Ulrich Pfisterer, Tobias Teutenberg (Hg.): Lernt Zeichnen! Techniken zwischen Kunst und Wissenschaft | 1525–1925, Passau: Dietmar Klinger Verlag 2015" ist schon vergriffen! (obwohl wir uns natürlich über das große Interesse freuen!)

    Die gute Nachricht: Wir konnten die elektronische Version des Katalogs heute in ART-Dok frei zugänglich online stellen: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2015/3621

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