blog.arthistoricum.net

Bericht: Summer School "(Art-)Forgery – Cultural, Social, Economic and Juristic Aspects in a Transcultural Perspective": 14. - 23. September 2014

Bericht: Summer School "(Art-)Forgery – Cultural, Social, Economic and Juristic Aspects in a Transcultural Perspective": 14. - 23. September 2014

Zwischen dem 14. und dem 23. September 2014 fand an der Universität Heidelberg die vom HCCH (Heidelberg Center for Cultural Heritage: Prof. Dr. Christian Witschel, Michaela Böttner) und dem Institut für Europäische Kunstgeschichte (Prof. Dr. Henry Keazor) organisierte und von der VolkswagenStiftung finanzierte Summer School „(Art-)Forgery – Cultural, Social, Economic and Juristic Aspects in a Transcultural Perspective“ statt.

 

Die insgesamt 17 TeilnehmerInnen aus Australien, den USA, China, Großbritannien, Serbien, Portugal und Deutschland hatten zuvor einen Reader mit Texten erhalten, die für die während der Summer School verhandelten Themen eine gemeinsame Basis darstellten. Die Vorab-Lektüre dieser Beiträge ermöglichte es so, dass man relativ schnell zu einer vertieften Diskussion zentraler Aspekte vordrang, da zum klareren Verständnis des jeweils Gemeinten stets auf entsprechende Artikel und die dort verhandelten und verwendeten Begriffe verwiesen werden konnte. 

In diesen Texten noch nicht geklärte und bereit gestellte Begriffe wurden sodann im Eröffnungsvortrag und in der anschließenden Diskussion entwickelt, wobei es auch um eine Erörterung der zuweilen im Bereich der Fälschung sehr feinen und variablen Trennlinie zwischen legitimen Praktiken künstlerischen Schaffens (wie z.B. dem Kopieren oder der Stil-Aneignung) und deren Anwendung zu kriminellen Täuschungszwecken ging.

 

Bereits bei dieser ersten Diskussion wurde deutlich, dass die Summer School enorm von den verschiedenen Wissenshorizonten der TeilnehmerInnen profitierten, welche Fächer wie Kunstgeschichte, Rechtswissenschaften, East Asian Languages and Cultures, Oriental and African Studies, Museologie, Conservation and Restoration sowie Theaterwissenschaften  vertraten und während der Diskussionen ihre jeweiligen Kenntnisse und Erfahrungen untereinander austauschten.

 

Auch der für die Summer School gewählte transkulturelle wie transdisziplinäre Ansatz erwies sich als äußerst geeignet und passend: ExpertInnen chinesischer, südamerikanischer, westlicher Kunst, ProvenienzforscherInnen, Archäologen, Polizeibeamte, Kunst-Technologen und im kulturpolitischen Bereich Tätige (darunter Prof. Dr. Lynn Catterson [New York, Columbia University], Dr. Bernd Kromer [Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie an den Reiss Engelhorn Museen in Mannheim], Dra. Franziska Neff [Universität Heidelberg, Institut für Europäische Kunstgeschichte/Ibero-Abteilung], Dr. Hermann Pflug [Universität Heidelberg, Institut für Klassische Archäologie], Dr. Roland Schwab [Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie an den Reiss Engelhorn Museen in Mannheim]) trugen im Verbund mit Filmvorführungen, Führungen durch Laboratorien, Diskussionen vor den entsprechenden Objekten in Museumsammlungen und praktischen Demonstrationen dazu bei, dass die verschiedenen Themen stets von einer Vielzahl von Seiten betrachtet und erörtert werden konnten. Häufig ergänzten sich die einzelnen thematischen Sektionen dabei in äußerst idealer Weise: Hauptkommissar René Allonge (LKA 45: Kunstdelikte, Berlin) z.B. hatte eine Reihe von Fälschungen Wolfgang Beltracchis zur Dokumentation seines Vortrages über dessen Vorgehen mitgebracht, die anschließend von Professor Robert Fuchs (Fachhochschule Köln, Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft) als Demonstrationsobjekte der so genannten „Art-Gun“ verwendet werden konnten, einem mobilen Gerät für eine erste Untersuchung von Kunstobjekten, dessen Vorzüge ebenso diskutiert wurden wie seine Begrenzungen, was belastbare Ergebnisse angeht.

Als besonders ergiebig und stimulierend erwies sich zudem eine Exkursion zur Graphischen Sammlung des Frankfurter Städel Museums, wo unter der Leitung des Kurators Dr. Martin Sonnabend anhand von ausgewählten Zeichnungen und Graphiken die Fluidität des Fälschungsbegriffs aufgezeigt und erörtert werden konnte: Die aus der Frühen Neuzeit stammenden Blätter ließen sich häufig nicht eindeutig den Kategorien „Original“ und „Fälschung“ zuweisen, denn ob Werke, die heute als „gefälscht“ kategorisiert würden, auch im historischen Entstehungskontext adäquat mit solchen Begriffen zu belegen seien, ist ebenso eine noch immer offene Diskussion wie es zugleich nach wie vor zuweilen eine besondere Herausforderung darstellt, solche Werke zu erkennen und eindeutig zu bestimmen.

 

Ebenfalls einer solchen, in mehrerlei Hinsicht „eindeutigen“ Beurteilung von „Original“ und „Fälschung“, sowohl in faktischer wie moralischer Hinsicht, entgegen wirkten die Vorträge von Gastdozenten wie Prof. Shan Guoqiang aus China (Direktor der Abteilung „Court Antiques“ des Palast Museums Peking) und Prof. Dr. Luis Jaime Castillo Butters, dem stellvertretenden Minister für kulturelles Erbe und Kulturindustrie in Peru, die jeweils auch für Überraschungen sorgten: Prof. Shan war insbesondere vor dem Hintergrund der Überlegung eingeladen worden, dass Fälschungen in der chinesischen Kultur anders betrachtet zu sein scheinen als in der westlichen Welt, was mit dem jeweils unterschiedlichen Stellenwert individueller Kreativität zu tun haben scheint. Stark vereinfachend gesagt: Während in der chinesischen Kunst der Rückbezug auf eine bereits bestehende Tradition und deren Hervorbringungen ein wesentliches Element sowohl künstlerischer Produktion als auch von deren Wertschätzung darstellt, wird im Westen mehr Wert auf die vom jeweiligen Künstler geleitete Innovation, also zuweilen gerade eher auf den Grad der Abweichung von bzw. den Bruch mit der Tradition gelegt. Wie in der sich an den Vortrag von Professor Shan anschließenden Diskussion sowie in den Darlegungen von Prof. Dr. Sarah Fraser (Universität Heidelberg, Institut für Kunstgeschichte Ostasiens) über den Fälscher Zhang Daqian deutlich wurde, werden Fälschungen jedoch auch in China durchaus als problematisch angesehen, abgelehnt und sogar verachtet. Nichtsdestotrotz war es zugleich faszinierend zu verfolgen, dass die Pole von „Original” und „Fälschung” dort durchaus in einer sehr viel feingliedrigeren Begriffskette verbunden und miteinander vermittelt werden. Eben diese „Zwischenkonzepte” erwiesen sich für das eigene Nachdenken über das Verhältnis von „Original” und „Fälschung” als sehr inspirierend, da differenzierend, wenn es um die Reflexion über deren Unterschied sowie die hinter solchen Unterscheidungen stehenden Wertvorstellungen ging.

 

Die zweite Überraschung betraf den Vortrag von Prof. Dr. Castillo Butters, einem Experten für die Moche-Kultur seines Landes der mit der Überlegung eingeladen worden war, dass Fälschungen des kulturellen Erbes Lateinamerikas (wie z.B. von antiken Keramikgefäßen) eine besonders ärgerliche Herausforderung dazustellen scheinen.

Prof. Castillo Butters betrachtete das Phänomen jedoch in dem größeren Kontext der über die Fälschung hinausgehenden Herausforderungen bei der Bewahrung kulturellen Erbes in Lateinamerika, zu denen auch Diebstahl und Schmuggel gehören. Er umriss daher eine Position, derzufolge Fälschungen durchaus nicht scharf verurteilt werden, sondern ganz im Gegenteil sogar in gewisser Hinsicht als Hilfsmittel betrachtet werden können, da ihm zufolge nur Touristen und Schmuggler, die es darauf abgesehen hätten, kostbare Artefakte widerrechtlich außer Landes zu bringen, auf solche Fälschungen hereinfallen, so dass hier einen der eher seltenen Fälle gegeben ist, in denen Fälschungen sogar nützlich sein können (die damit angeschnittene Thematik des illegalen Kulturgüterhandels wird auf der nächsten Summer School des HCCH 2015 das Hauptthema darstellen).

 

Jenseits dieser, nur für die TeilnehmerInnen der Summer School organisierten Veranstaltungen, gab es auch einen gemeinsam mit Tina Öcal (Frankfurt am Main/Heidelberg) durchgeführten Abendvortrag, der für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich war und dafür sorgte, dass die TeilnehmerInnen der Summer School sich u.a. mit Studierenden und Mitgliedern der Universität Heidelberg bekannt machen und austauschen konnten.  

1 Kommentar(e)

  • ArqueoBit
    26.05.2016 17:30
    Consultora Arqueológica ArqueoBit: http://arqueobit.com

    Consultora Arqueológica ArqueoBit: http://arqueobit.com/ : Servicios protección de patrimonios culturales, rescate arqueológico, Monitoreo arqueológico y consultoría arqueológica.

Kommentar

Kontakt

Kommentar

Absenden