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Filterwechsel

Eine Strategie für onliner

Entschuldigung, dieser Beitrag war offenbar ungewollt in einem unfertigen Zustand schon online. Das war mit der "Strategie für online" auf jeden Fall nicht gemeint!

Ich gebe ja zu, dass mich dieser NSA-Skandal in meiner Internet-Begeisterung ziemlich verunsichert hat. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass uns erstens dieses Internet erhalten bleibt, und dass wir zweitens versuchen müssen, damit verantwortungsvoll (vor allem gegenüber uns selber) umzugehen. Stichwort Datensparsamkeit. Eine wichtige Möglichkeit zur Verteidigung der eigenen Autonomie zeichnet Bernhard Pörksen in einem Vortrag auf der re:publica auf. Der Tübinger Medienwissenschaftler entwickelt darin - neben anderem - das Konzept des Filterwechsels. Gemeint ist damit, dass man seine Souveränität dadurch verteidigen kann, dass man z.B. bewusst unterschiedliche Suchstrategien verfolgt, um den jeweiligen Einseitigkeiten bestimmter Mechanismen zu entgehen. Das Konzept lässt sich natürlich verallgemeinern. Nicht immer nur spiegelonline lesen, sondern auch mal bei der Zeit oder der SZ vorbeischauen (oder vielleicht sogar bei der Welt). Nicht nur in prometheus suchen, sondern auch in artstor. Nicht nur den Firefox-Browser, sondern auch mal Opera. Etc. pp. Der Gedanke nimmt natürlich seinen Ausgang von Elie Pariser, der in einem berühmt gewordenen Buch davor warnte, dass wir uns im Internet immer ausschließlicher in einer Blase bewegen, die wir für die Wirklichkeit halten, die daraus aber nur einen sehr einseitigen Ausschnitt zeigt (The Filter Bubble, 2011). 

Pörksen hat im Auftritt etwas Dandyhaftes, und auch sein Konzept des souveränen Internet-Users orientiert sich am Dandytum: Die Wellen des Datenmeeres zu reiten, ohne von diesem gelenkt zu werden. Irgendwie ist das wie Baudelaire in der Großstadt Paris.

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