Inszenierung, Fiktion, Narration und Capas Fotografie eines sterbenden Soldaten

21. Jul 2009 | von Christine Walter | 511 views

In Berlin ging am vergangenen Wochenende eine Tagung zum Thema „Inszenierung – Fiktion – Narration. Begriffsnavigationen im Feld des Fotografischen“ zu Ende.

Um sich den allesamt schwierigen Begriffen der Inszenierung, Fiktion und Narration anzunähern, beschäftigte sich ein kleiner Teil der Vorträge mit dem Bereich der künstlerischen Fotografie (Jeff Wall, Gregory Crewdson u.a.), während der Großteil der Vorträge um eine Klärung der Begrifflichkeiten im Feld der so genannten dokumentarischen Fotografie bemüht war.

Wie aktuell die Frage nach der Inszenierung ist, zeigen dabei prompt die jüngsten Untersuchungen zu Robert Capas berühmtem Foto „Loyalistischer Soldat im Moment seines Todes“ (1936). Die Authentizität des sterbenden Soldaten wurde in den vergangenen Jahren wiederholt angezweifelt und selbst Capas Biograf Richard Whelan meldete Zweifel an Capas Version zum Entstehen des Bildes an. Dennoch, und da waren sich alle Kritiker einig, könnte ein Bild, das den Moment des Todes zeigt, in der Inszenierung tatsächlich so ausdrucksstark sein? Offenbar ist dies möglich, das zumindest legen die Untersuchungen des Akademikers José Manuel Susperregui nahe, der die Landschaft in der Fotografie als den Ort Espejo identifiziert hat, einen Ort, an dem es zum Zeitpunkt von Capas Aufnahme definitiv keine Kampfhandlungen gegeben hat.

Capa wurde auf diese Enthüllung hin als „Fotograf, der getrickst hat“ (Javier Cercas) bezeichnet, eine Bezeichnung, die ebenso unschön ist, wie sie der Indexikalität einer Fotografie – und darüber dürfte Konsens bei der oben genannten Tagung bestanden haben – zwar gerecht wird, keinesfalls aber ihrer Ikonizität.

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