Beitrag

Über Honorare reden!

Aus aktuellem Anlass, bei dem es in einem kleinen Twittersturm um das unentgeltliche Schreiben auf Wissenschaftsblogs ging, das sich nur der Festangestellte, der auf eine berufliche Zukunft hinarbeitende Jungwissenschaftler oder der Freiberufler mit Leerlauf zwischen Projekten leisten können (was auch meine spärliche Präsenz auf diesem Blog hier erklären mag), möchte ich auf einen anderen Aspekt eingehen, mit dem man im Kunstbetrieb als KunsthistorikerIn, KuratorIn oder KunstkritikerIn freiberuflich Arbeitende immer wieder konfrontiert wird.

Denn die meisten von uns haben es schon getan: eine Rede zu einer Ausstellungseröffnung gehalten. Die Honorare sind vergleichsweise gering: 200 bis 600 Euro werden in der Regel gezahlt. Ich selbst habe schon Anfragen für 100 Euro erhalten und dankend abgelehnt. 100 Euro belasten vielleicht aus Auftraggebersicht ein ohnehin mickriges Ausstellungsbudget weniger als ein - in meinen Augen - Minimum von 400 Euro, mit einem bisschen Nachdenken müsste aber klar sein, dass hier weit unter Mindestlohn verhandelt wird, wenn man den Zeitaufwand für einen evtl. Atelier- oder Ausstellungsbesuch vorab, für Recherche und Anfahrt kalkulieren und vom Honorar noch Steuern und Abgaben bezahlen soll. Wie das mit 100 Euro gehen soll, bleibt mir ein Rätsel. Ist man dagegen ein „Promi“, wie z.B. ein pensionierter Museumdirektor oder auch Professor mit Renommee, die ohnehin versorgt sind, kann man schon mal 1400 Euro oder mehr verlangen, weil der Name auf der Einladungskarte zusätzlich für die Veranstaltung wirbt.


Leider hat der Verband Deutscher Kunsthistoriker zum Thema Eröffnungsrede noch immer keine Honorarempfehlung veröffentlicht. Das ist seltsam angesichts der vielen Reden zu Ausstellungseröffnungen, die täglich deutschlandweit gehalten werden. Dabei wäre es so einfach, wie es der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) vormacht.

Ich wünsche mir endlich mehr Diskussionen dieser Art und eine Sensibilisierung Festangestellter gegenüber den Freien. Die Schieflage wird sich in naher Zukunft nicht bessern. Immer mehr Freie konkurrieren untereinander bei gleichbleibender Weigerung der Institutionen, angemessene Honorare zu zahlen.

 

 

 

 

7 Comment(s)

  • Andrea Welz
    18.09.2017 09:23
    Freiberuflich als Kunsthistorikerin

    Liebe Isa, danke für den Anstoss zur Diskussion über Honorarempfehlungen für Kunsthistoriker. Ich bin ganz deiner Meinung, dass wir unter 400 € keine Rede halten sollten. Leider sieht die Realität anders aus. Mehr zum Thema in meinem Blog

    http://kunstundreisen.com/2015/06/blogberatung-freiberuflich-im-museum/

    Viele Grüße, Andrea

    • Bickmann
      18.09.2017 15:48
      Danke für den Link

      Liebe Andrea,
      danke. Den Eintrag werde ich genauer lesen. Melde mich dann.
      Beste Grüße

      Isa

  • Anne Fischer
    17.09.2017 11:38
    Kommunikationskultur im Verband

    Anne Fischer an Ina Bickmann:
    Sie haben den Wunsch nach mehr Diskussionen dieser Art. In Ihrem Beitrag bedauern Sie, dass der Verband noch keine Honorarempfehlungen veröffentlicht hat und verweisen vergleichsweise auf den VRdS. Richtig stellen möchte ich, dass auch auf der Seite des VDK Honorarempfehlungen veröffentlicht sind unter: http://www.kunsthistoriker.org/honorarempfehlungen.html.
    Die Aktualisierung der Tabelle steht dort auf der Agenda. Allerdings besteht dort aus kartellrechtlichen Gründen auch Unsicherheit darüber, inwieweit derartige Veröffentlichungen zulässig sind. So hoffe ich auf Ihr Verständnis und darauf, dass Sie noch Geduld aufbringen, die bereits durch meine Vorgängerin begonnene Abklärung abzuwarten. Ihrem Beitrag entnehme ich weitere Themen wie die „Solidarität unter den Freiberuflern“ oder die „Sensibilisierung der Festangestellten gegenüber den Freiberuflern“. Für mich beinhaltet das Thema der Honorierung des Weiteren die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit und insbesondere auch nach dem Selbstverständnis bzw. den Vorteilen einer freiberuflichen Berufslaufbahn sowie den vielfältigen Komponenten der damit verbundenen persönlichen Entwicklung sowie das umfangreiche Thema Geld an sich; dies alles auch im gesellschaftspolitischen Kontext – so wie auch meinerseits in der Vergangenheit bereits – auch mit Ihnen - hier „diskutiert“. (s. hierzu auch:
    https://www.kulturrat.de/publikationen/frauen-in-kultur-und-medien/
    https://www.kulturrat.de/publikationen/arbeitsmarkt-kultur-lage-in-kulturberufen/
    https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/dauerhaft-ungleich/113476
    https://selbststaendige.verdi.de/geld )
    Heute möchte ich mich jedoch auf die, auch von Ihnen als Mitglied hier wahrnehmbare Sichtweise wohl der meisten Mitglieder (immer m/w) auf den Verband Deutscher Kunsthistoriker beziehen. Dies tue ich als neu gewähltes Vorstandsmitglied (www.kunsthistoriker.org/vorstand) und stelle die selbstreflektorische Frage, wer denn der Verband ist? Nicht nur aus meiner Sicht sind wir alle der Verband. In meiner neuen Funktion greife ich den Bedarf der Mitglieder auf, koordiniere oder berate – immer im Austausch mit den weiteren Vorstandsmitgliedern bzw. der Geschäftsführung. Aus dieser Perspektive ist eine, zumindest nicht ausreichend sichtbare Kommunikationskultur im Verband wahrnehmbar.
    Aus „Karriere durch Networking“ zitiere ich sinngemäß:
    „Antwort: Wer sich aktiv beteiligt, kann eine Menge Serviceangebote wahrnehmen, beispielsweise zur Weiterbildung. Außerdem sind Verbände eine unerschöpfliche Quelle für Kontakte. Rechtsauskünfte oder Ähnliches gibt es per Telefon und übers Internet kann man sich regelmäßig informieren.
    Frage: Wie aktiv sind die Mitglieder?
    Antwort: Die meisten nutzen Ihren Verband fast ausschließlich als Serviceorganisation. Ein aktives Engagement ist in aller Regel ehrenamtlich. Wer sich einbringt, profitiert - langfristig gesehen – sicher mehr als andere.“ (Kirsten Wolf, Karriere durch Networking. Erfolgreich Beziehungen knüpfen im Beruf, Niedernhausen/Ts., 1999, S. 35).
    Ich bemerke, dass diese Publikation älteren Datums ist … und wir auch fast zwanzig Jahre später an selbigem Punkt kreisen. Woran liegt´s? Diese Frage möchte ich zur Diskussion stellen.
    Ihnen auf jeden Fall wieder Danke für die Kommunikation Richtung „Verband“ und Ihre Anregung, nun auch die Klärung der Frage nach der Veröffentlichung von Honorarempfehlungen fortzusetzen.
    Dazu sind mir eindeutig auch im Namen des „Verbandes“ alle Mitglieder immer sehr willkommen so wie ich selbstverständlich versuchen will, auch diese, meine Aufgabe zu erfüllen.
    Abschließend nochmal zu Ihrem Wunsch nach mehr Diskussionen dieser Art und ebenfalls die Bitte um feedback an alle, wo und wie wir Mitglieder uns dazu „treffen“ wollen?
    anne.fischer@vorstand.kunsthistoriker.org

    • Bickmann
      18.09.2017 15:47
      Danke

      Danke für den langen Kommentar, liebe Anne Fischer.
      2009, kurz nach dem Kunsthistorikertag in Marburg, hatte ich Ihrer Vorgängerin schon einmal mit der Bitte direkt angeschrieben, die Eröffnungsrede als Punkt in den Honorarempfehlungen (die mir natürlich bekannt sind und deren Höhe sich in den letzten 10 Jahren auch nicht geändert hat) aufzunehmen. Es ist nicht meine Art, Kritik an "meinem" Verband öffentlich zu machen, aber hier ging es auch um das Reden über Honorare im Allgemeinen.

      Kartellrechtliche Gründe? Mein Traum wäre ja eine eine Verordnung wie bei Juristen und Ärzten.

      Das Problem betrifft übrigens auch männliche Kollegen, wie mir erst kürzlich ein Gespräch offenbarte.

  • AndreasP
    15.09.2017 18:14
    Redenschreiber

    Die Liste ist ja schön und gut, aber doch nicht realistisch. Von Trauerrednern, die die Rede auch noch mit Angehörigen im Vorgespräch erarbeiten müssen (telefonisch oder persönlich), weiß ich, dass da eher 300 Euro als 3000 verlangt und gezahlt werden.

    • Anne Fischer
      19.09.2017 18:35
      Step by step

      Einspruch: Wir sollten auf gar keinen Fall mehr unter Wert arbeiten. Klar reicht eine Honorartabelle nicht aus, um sich beim Auftraggeber durchzusetzen. Aber das wichtigste Wort für Erfolg heißt nunmal: nein! Ja, und dies mit allen Konsequenzen,sonst wird das nichts. Es ist ein Irrglaube, dass sich das Honorar verbessert, wenn man erst mal drin ist. Ich werde bei Gelegenheit mal zitieren, was so die häufigsten Irrtümer bei Honorarverhandlungen sind oder jeder kann selber mal nachlesen z. B. in dem "Survival-Guide" von Svenja Hofert. Das ist zugegebenermaßen mit einer persönlichen Entwicklung verbunden. Da sollte wir schon selber davon überzeugt sein, dass unsere Leistung diesen Wert hat (der da z. B. in den Empfehlungen steht). Und wir sollten auch verstehen, dass wir nicht unsere Person, sondern unser Produkt verkaufen usw. Mir wird schwindelig, wenn ich selber für ein Rechtsanwaltsgespräch 250Euro hinblättere - und als Kunsthistorikerin ungefähr mit einem 10tel pro Stunde kalkuliere. Wieso stehen wir Kunsthistoriker (m/w) so da?
      Der zweitwichtigste Schritt ist unsere Solidarisierung und dann auch ein gemeinschaftliches Handeln. Es kann eben nicht sein, dass nach meinem "Nein" ein Auftraggeber auf eine Reihe von KollegInnen zugreifen kann, die kein "nein" haben. Auch dazu steht etwas im Survival-Guide, also zur Solidarität. Dafür ist der Verband gut und ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann.
      Ja, und Sorry, Frau Bickmann, ich habe tatsächlich überlesen, dass es Ihnen um die Aufnahme der Leistung "Rednerhonorar" ging. Wir bleiben jetzt dran.

    • Bickmann
      18.09.2017 15:28
      Realistisch oder nicht

      Solche eine Liste sollte eine Empfehlung sein. Wer für weniger arbeiten kann und möchte, kann dies tun. Aber der Kunde weiß dann, dass der Preis nicht selbstverständlich ist.

Kommentar

Kontakt

Kommentar

Absenden