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	<title>blog.arthistoricum.net &#187; Tourismus</title>
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		<title>Abriss des Eiffelturms</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 10:32:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Höppl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architekturgeschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit über 120 Jahren bereichert der Eiffelturm das Stadtbild von Paris bzw. verunstaltet er die Silhouette der Stadt, wie zahlreiche Künstler und Gelehrte schon bei seiner Errichtung 1889 meinten. Nun muss die unverkleidete, marode Eisenkonstruktion abgetragen werden. Rost und Korrosion sowie witterungs- und nutzungsbedingte Materialermüdung haben nicht nur den sichtbaren 300 Metern stark zugesetzt, auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit über 120 Jahren bereichert der Eiffelturm das Stadtbild von Paris bzw. verunstaltet er die Silhouette der Stadt, wie zahlreiche Künstler und Gelehrte schon bei seiner Errichtung 1889 meinten. Nun muss die unverkleidete, marode Eisenkonstruktion abgetragen werden. <strong>Rost und Korrosion</strong> sowie witterungs- und nutzungsbedingte Materialermüdung haben nicht nur den sichtbaren 300 Metern stark zugesetzt, auch die Verfassung der vier Fundamentblöcke bedrohen die Standfestigkeit des Wahrzeichens und Revolutionsdenkmals (vgl. dazu u. a. Kohle <a href="http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/frontdoor.php?source_opus=119&amp;la=de">2000</a>, <a href="http://www.kabonline.de/system.php?katalog=12&amp;nr=10&amp;epoche=Werkbesprechungen">2001</a> u. <a href="http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2006/120/">2002</a>).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Freilich kommt die Diagnose – bestätigt durch moderne Computertomographie – nicht überraschend: Gustave Eiffel hatte den Stahlfachwerkbau <strong>nicht für die Ewigkeit</strong> errichtet, sondern zum Jubiläum der Revolution und als Attraktion der Weltausstellung. Daher sollte er schon 1909 wieder abgerissen werden. Aufgrund seiner Funktion als Rundfunkstation war er aber schon damals unentbehrlich geworden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bis zum Herbst soll der Ingenieurbau nun komplett demontiert und innerhalb von drei Jahren, bis zu seinem 125jährigen Jubiläum am 1. April 2014 wieder aufgebaut werden. Neben der momentan ins Auge gefassten <strong>Komplettdemontage </strong>gibt es auch Überlegungen zur schrittweisen konservatorischen Rundumerneuerung, was jedoch wesentlich teuerer kommen dürfte. In einem Deutschlandradio Kultur-Interview zog der Arichitekturkritiker Nikolaus Bernau den Vergleich mit Eisenbahnbrücken, die wie zahlreiche andere Zeugnisse der Industriearchitektur heute nur noch auf alten Photographien zu bewundern sind (vgl. z. B. die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fhesseloher_Br%C3%BCcke">Großhesseloher Brücke</a>).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bei einem Gebäude von darart eminenter Bedeutung für das kollektive Bewusstsein einer Stadt und einer ganzen Nation, wird man sich wohl auf hitzige Diskussionen gefasst machen können. Schließlich ist der Eiffelturm aufgrund seiner ikonischen Qualitäten in unseren Köpfen als Symbolbild eingebrannt. Auch im Falle des französischen Nationalsymbols wird darüber hinaus die Frage der <strong>Teil-, oder Total<a href="http://blog.arthistoricum.net/stern-des-jahres-fur-winfried-nerdingers-rekonstruktionen/">rekonstruktion</a></strong> noch kontrovers verhandelt werden. Man kann also gespannt sein, ob man den Turm beim nächsten Parisaufenthalt noch einmal wird bewundern können oder nicht. Laut Statikern könnte man dem rostigen Riesen noch ein paar Jahre Galgenfrist einräumen.</p>
<p>P.S. Als ich heute Vormittag die Meldung im Radio gehört habe, hatte ich für einen Moment das Gefühl, dass es sich um einen Aprilscherz handeln könnte.</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fblog.arthistoricum.net%2Fabriss-des-eiffelturms%2F&amp;title=Abriss%20des%20Eiffelturms" id="wpa2a_4"><img src="http://blog.arthistoricum.net/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die geträumte Antike</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Feb 2011 14:31:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hubertus Kohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architekturgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Kunst der Frühen Neuzeit]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer in diesen Tagen nach Paris kommt, ist vom Ausstellungsangenot schier erschlagen. &#8220;Mondrian und de Stijl&#8221; im Pompidou, &#8220;Cranach und seine Zeit&#8221; im Luxembourg, &#8220;Tony Cragg&#8221;, &#8220;Franz Xaver Messerschmidt&#8221; und &#8220;L&#8217;Antiquitė revėe. Innovations et rėsistances au XVIIIe siecle&#8221; im Louvre. Aus alter Verbundenheit war ich in letzterer. Die Gattungen sind alle vertreten. Malerei, Plastik, Zeichnung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer in diesen Tagen nach Paris kommt, ist vom Ausstellungsangenot schier erschlagen. &#8220;Mondrian und de Stijl&#8221; im Pompidou, &#8220;Cranach und seine Zeit&#8221; im Luxembourg, &#8220;Tony Cragg&#8221;, &#8220;Franz Xaver Messerschmidt&#8221; und &#8220;L&#8217;Antiquitė revėe. Innovations et rėsistances au XVIIIe siecle&#8221; im Louvre. Aus alter Verbundenheit war ich in <a href="http://www.louvre.fr/llv/exposition/detail_exposition.jsp?pageId=0&amp;baseIndex=0">letzterer</a>.<br />
Die Gattungen sind alle vertreten. Malerei, Plastik, Zeichnung und auch ein wenig Kunsthandwerk. Die ausgestellten Stücke &#8211; wie es sich für den Louvre gehört &#8211; durchwegs exquisit, mit einem Schwerpunkt auf England, Italien und Frankreich. Dabei keine Marathonausstellung, sondern eher nach dem Motto &#8220;klein aber fein&#8221; organisiert.</p>
<div id="attachment_3549" class="wp-caption alignleft" style="width: 366px"><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/02/thumb_a716358096.jpg"><img class="size-full wp-image-3549" style="margin-top: 5px;margin-bottom: 5px;border: 5px solid black" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/02/thumb_a716358096.jpg" alt="" width="356" height="229" /></a><p class="wp-caption-text">Gavin Hamilton, Achill betrauert den toten Patroklus</p></div>
<p>Der innovative Aspekt der Ausstellung soll sich wohl im Untertitel zeigen. &#8220;Erneuerung und Widerstand&#8221;. Gemeint ist, ganz im Sinne des revisionistischen Zeitgeistes, dass das traditionelle lineare Schema einer teleologischen Entwicklung vom Rokoko zum Neoklassizismus falsch ist und viel differenzierter gesehen werden muss. Da ist man natürlich besonders auf die rėsistances gespannt. Das sind die Neobarocken (worunter hier auch der Erzklassizist und Winckelmann-Freund Anton Raphael Mengs mit seinem &#8220;Thronenden Petrus&#8221; fällt, daneben natürlich Tiepolo, Fragonard etc.), die Neomanieristen (ein paar mehr oder weniger unbekannte Italiener) und die Sublimen (Füssli und Konsorten). Mir hat dieses überall mit großem Applomb daher kommende revisionistische Programm noch nie so richtig eingeleuchtet, vor allem, wenn damit der Anspruch verbunden ist, die traditionelle &#8220;historistische&#8221; Kunstgeschichte über den Haufen werfen zu wollen. Einerseits werden Selbstverständlichkeiten verkündet: es ist ja nicht so, dass man die Eigenheiten eines Füssli nicht längst gesehen und unter Begriffen wie &#8220;protoromantische Aufklärung&#8221; gefasst hätte. Andererseits traut man sich keine Verallgemeinerungen mehr zu, die man ja auch ohne den Holzhammer vornehmen kann. Frei nach dem Motto: Wenn ich nur nahe genug rangehe, sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Im übrigen bleibt es auch und gerade hier bei den Stereotypen. Denn wenn ich angeblich unklassizistische Werte wie das Sublime in die Rėsistance-Bewegung auslagere, kann ich sie im Klasizismus nicht mehr sehen und Maler wie David ganz traditionell (und unzutreffend) als einen schlichten Moralapostel deklarieren. Was hier genau passiert.<br />
Trotzdem: Aufgrund der gezeigten Werke eine absolut lohnende Ausstellung!</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fblog.arthistoricum.net%2Fdie-getraumte-antike%2F&amp;title=Die%20getr%C3%A4umte%20Antike" id="wpa2a_8"><img src="http://blog.arthistoricum.net/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Mae West &#8211; Höhenrekord oder Millionengrab</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 14:37:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Höppl</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Nacht von 30. auf 31. Januar wurde die 52-Meter-Figur &#8220;Mae West&#8221; von Rita McBride (Prof. in Düsseldorf) auf dem Effnerplatz im Osten von München aufgebaut. Sie hat über 1,5 Mio. Euro gekostet und dient dem Verkehrsplatz als Blickpunkt. Ihren Namen bezieht sie von der amerikanischen Schauspielerin Mae West, die in den 30er Jahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Nacht von 30. auf 31. Januar wurde die 52-Meter-Figur &#8220;Mae West&#8221; von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rita_McBride">Rita McBride</a> (Prof. in Düsseldorf) auf dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Effnerplatz">Effnerplatz</a> im Osten von München aufgebaut. Sie hat über 1,5 Mio. Euro gekostet und dient dem Verkehrsplatz als Blickpunkt. Ihren Namen bezieht sie von der amerikanischen Schauspielerin <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mae_West">Mae West</a>, die in den 30er Jahren große Erfolge feierte. Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstofffaserverst%C3%A4rkter_Kunststoff">Carbon</a>-Stahl-Skelett-Skulptur steht über einem Tunnel des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesstra%C3%9Fe_2_R">Mittleren Rings</a> und wird demnächst auch von Trambahnen durchfahren werden. Damit findet die fast 10jährige Planungsgeschichte ein Ende. Für einen ausführlichen Bericht über die künstlerische und urbane Bedeutung von &#8220;Mae West&#8221; mit vielen Abbildungen siehe <a href="http://martinhoeppl.blogspot.com/2011/01/29-31111-munchen-effnerplatz-mae-west.html">hier</a>.</p>
<div id="attachment_3467" class="wp-caption alignnone" style="width: 448px"><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/München-Effnerplatz-Mae-West-Zusammenbau.jpg"><img class="size-full wp-image-3467" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/München-Effnerplatz-Mae-West-Zusammenbau.jpg" alt="München, Effnerplatz, Mae West - Photo von Martin Höppl" width="438" height="328" /></a><p class="wp-caption-text">München, Effnerplatz, Mae West - Photo von Martin Höppl</p></div>
<div id="attachment_3464" class="wp-caption alignnone" style="width: 447px"><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/München-Effnerplatz-Mae-West.jpg"><img class="size-full wp-image-3464" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/München-Effnerplatz-Mae-West.jpg" alt="München, Effnerplatz, Mae West - Photo von Martin Höppl" width="437" height="328" /></a><p class="wp-caption-text">München, Effnerplatz, Mae West - Photo von Martin Höppl</p></div>
<p><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/München-Effnerplatz-Mae-West-Zusammenbau.jpg"></a></p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fblog.arthistoricum.net%2Fmae-west-hohenrekord-oder-millionengrab%2F&amp;title=Mae%20West%20%26%238211%3B%20H%C3%B6henrekord%20oder%20Millionengrab" id="wpa2a_12"><img src="http://blog.arthistoricum.net/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kurze Nacht ohne Architektur &#8211; Eine Kritik</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 13:49:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Höppl</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag könnte auch den Untertitel „Dysfunktionalität eines Reichenghettos, oder: Wie Neubaugentrification das kulturelle Leben sabotiert“ tragen. Bei meiner Ankündigung der „Langen Nacht der Architektur“ in München habe ich mich bewusst sehr mit Kommentaren zurückgehalten. Daher ist es nun doch notwendig noch einmal auf dieses nächtliche Architekturschauspiel zu sprechen zu kommen, das unter dem Motto [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Beitrag könnte auch den Untertitel „<strong>Dysfunktionalität eines Reichenghettos</strong>, oder: <strong>Wie Neubau<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung">gentrification</a> das kulturelle Leben sabotiert</strong>“ tragen.</p>
<p>Bei meiner <a href="http://blog.arthistoricum.net/lange-nacht-der-architektur-am-fr-den-21-1-11/">Ankündigung</a> der „<a href="http://www.lange-nacht-der-architektur.de/de/index.php">Langen Nacht der Architektur</a>“ in München habe ich mich bewusst sehr mit Kommentaren zurückgehalten. Daher ist es nun doch notwendig noch einmal auf dieses nächtliche Architekturschauspiel zu sprechen zu kommen, das unter dem Motto der BAU 2011, oder „<strong>Weltleitmesse BAU</strong>“, wie sie die Organisatoren nennen „Die Zukunft des Bauens“, beworben wurde. Gemäß dem <a href="http://www.lange-nacht-der-architektur.de/de/30_grusswort.php">Grußwort von OB Christian Ude</a> stürzten sich am letzten Freitag Tausende in das Gedränge, um „eine Nacht lang den Gedanken freien Lauf lassen, abschalten, zuschauen, zuhören“ zu können. Zuversichtlich meinte Ude: „Ich bin mir sicher, dass sich viele für diesen nächtlichen Streifzug durch die Münchner Architekturwelt begeistern werden.“ Und der Geschäftsführer der Messe München GmbH, Dr. Reinhard Pfeiffer versprach <strong>„ein weiteres begeisterndes Erlebnis“</strong> für die Bürger. Pfeiffer weiter: „Auf dieser Tour durch Münchens Herzkammer gehen Ihnen die Augen auf.“</p>
<p>Mich und meine vier Mitstreiter hat die Innenstadttour – aus unerfindlichen Gründen als „<a href="http://www.lange-nacht-der-architektur.de/de/1x_touren.php?t=3">Flaniermeile</a>“ tituliert – weder begeistert, noch war es ein Erlebnis bei dem mir die Augen auf gegangen wären. Statt Abschalten und Gedanken-Schweifen-Lassen war eher Aufregen und Frieren angesagt: Als ich gegen 19 Uhr, also frühzeitig zu einer der Führungen an der VIP-Diskothek „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/P1_%28M%C3%BCnchen%29">P1 Club</a>“ am Haus der Kunst eintraf, wurde mir gleich entgegengerufen, dass die <strong>Räumlichkeiten total überfüllt</strong> und daher geschlossen seien. Von einem Programmheft wusste man nichts. Auch im eben erst umgebauten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9_Luitpold">Café Luitpold</a> an der Briennerstraße, einstmals das prunkvollste Kaffeehaus der Stadt, gab es keine Begleithefte. Die Architekturführung war dermaßen überlaufen, dass die Räumlichkeiten ebenso wie wir Besucher an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit kamen.</p>
<p><a href="../wp-content/uploads/2011/01/M%C3%BCnchen-Werbefl%C3%A4che-vor-dem-P1.jpg"><img src="../wp-content/uploads/2011/01/M%C3%BCnchen-Werbefl%C3%A4che-vor-dem-P1.jpg" alt="" width="296" height="222" /></a><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/München-Café-Luitpold.jpg"> <img class="alignnone size-full wp-image-3431" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/München-Café-Luitpold.jpg" alt="" width="166" height="222" /></a></p>
<p>Werbefläche vor dem P1 und neue Räumlichkeiten des Café Luitpold (im Hintergrund Portraittafel Prinzregent Luitpolds) &#8211; Photos von Martin Höppl</p>
<p>Weiter zur nächsten Station: Bereits im luxuriösen Foyer des Promi-Hotels „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_Bayerischer_Hof_%28M%C3%BCnchen%29">Bayerischer Hof</a>“ versicherte uns die Concierge, dass alle <strong>Führungen seit Stunden voll</strong> seien… Am „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sofitel">Sofitel</a> Munich“ in der ehemaligen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchen_Hauptbahnhof#Sonstige_Einrichtungen">Bayerpost</a> südlich des Hauptbahnhofs wurde uns versichert es gäbe alle 20 Minuten eine Führung. Als wir nach einer kurzen Pause – es war sehr kalt – zurückkamen, gab es nur noch den genervten Kommentar eines Hotelangestellten: „Wie würden Sie es denn finden, wenn sie mehrere Hundert Euro für eine Suite zahlen würden und dann die ganze Nacht […]“ Komisch, dass diese Überschneidung von Nutzerinteressen nicht gleich aufgefallen war.</p>
<p>Als wir gegen 22 Uhr den Innenhof des Programmpunkts „<a href="http://www.suedhausbau.de/news/stadthaus-muellerstrasse.html">SÜDHAUSBAU STADTHAUS – VISION &amp; ARCHITEKTUR</a>“ betraten, hieß es lapidar, dass die Anwohner jetzt [schon!] Ruhe haben wollten. Beim gegenüber gelegenen „<a href="http://www.leonwohlhagewernik.de/index.php?id=339">The Seven</a>“, dem Umbau eines Heinzkraftwerks in eine Luxusimmobilie, hätte es jeder Serpentologe mit der Angst bekommen, angesichts der angestauten Bürgermassen auf dem Trottoir. Vielleicht hätten sich die Interessierten günstiger verteilt, wenn die Idee ein Panoramarestaurant bzw. Dachcafé mit dem schönsten Ausblick über die Altstadt einzurichten, sich nicht durch die, um einige Millionen lukrativere Idee dort <strong>Luxusappartements </strong>zu verwirklichen, durchgesetzt hätte. Angeblich wird „<a href="http://aip.eu/">Alpha Invest Projekt</a>“ (AIP) den Bürgern zweimal im Jahr die Möglichkeit bieten den grandiosen Rundblick zu genießen. Doch das wäre eine neue Geschichte. Es bleibt nur zu hoffen, dass die wirkliche Zukunft des Bauens sich günstiger präsentieren wird. Wir haben den „Architekturabend“ an dieser Stelle, früher als gedacht (ca. 22:30 Uhr), beendet und sind zum gemütlichen Teil übergegangen…</p>
<p><a href="../wp-content/uploads/2011/01/M%C3%BCnchen-M%C3%BCllerstra%C3%9Fe-S%C3%BCdhausbau-Stadthaus.jpg"><img src="../wp-content/uploads/2011/01/M%C3%BCnchen-M%C3%BCllerstra%C3%9Fe-S%C3%BCdhausbau-Stadthaus.jpg" alt="" width="298" height="222" /></a><a href="../wp-content/uploads/2011/01/M%C3%BCnchen-M%C3%BCllerstra%C3%9Fe-The-Seven-Tower.jpg"> <img src="../wp-content/uploads/2011/01/M%C3%BCnchen-M%C3%BCllerstra%C3%9Fe-The-Seven-Tower.jpg" alt="" width="166" height="222" /></a></p>
<p>Müllerstraße, Südhausbau Stadthaus und der sog. The Seven Tower &#8211; Photos von Martin Höppl</p>
<p>Man muss den Veranstaltern zu Gute halten, dass sie noch keine Erfahrungen mit der Organisation hatten, schließlich wurde die „Lange Nacht der Architektur“ zum erstenmal ausgerichtet. Es bleibt abzuwarten, ob sie langfristig als ernst zu nehmende Veranstaltung neben „Lange Nacht der Museen“ und „Lange Nacht der Musik“ treten wird.</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fblog.arthistoricum.net%2Fkurze-nacht-ohne-architektur-eine-kritik%2F&amp;title=Kurze%20Nacht%20ohne%20Architektur%20%26%238211%3B%20Eine%20Kritik" id="wpa2a_16"><img src="http://blog.arthistoricum.net/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dresden. Stadt der Skandale?</title>
		<link>http://blog.arthistoricum.net/dresden-stadt-der-skandale/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 15:07:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Höppl</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder einmal hat es die Stadt Dresden in die Schlagzeilen geschafft. Man erinnert sich noch an Berichte über Straßenschlachten zwischen Neonazis und linksautonomen Gegendemonstranten rund um den Bahnhof Neustadt sowie den stillen Protest gegen Rechts und die Debatte um die Historikerkomission zur Ermittlung der Opferzahlen von Bombenkrieg und Feuersturm. Überaus emotionale Diskussionen verursachte auch die <a href="http://blog.arthistoricum.net/stern-des-jahres-fur-winfried-nerdingers-rekonstruktionen/">Rekonstruktion</a> der Frauenkirche (vgl. etwa das Projekt „<a href="http://www.dresden-canaletto.de/">Auf den Spuren Canalettos. Stadtansichten mit der Camera Obscura</a>“). Erst kürzlich sorgten der Bau der Waldschlösschenbrücke und die damit verbundene Aberkennung des UNESCO-Weltkulturerbestatus für internationale Aufmerksamkeit. Zu denken ist aber auch an Fernseh- und Filmproduktionen, die sich der Vergangenheit Dresdens aus einer zeitgeschichtlichen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Infotainment">Infotainment</a>-Perspektive angenähert haben. Und nun <strong>Glücksgas</strong>!?</p>
<div id="attachment_3423" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/Bellotto-Rahmen-auf-der-Brühlschen-Terrasse.jpg"><img class="size-medium wp-image-3423 " src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2011/01/Bellotto-Rahmen-auf-der-Brühlschen-Terrasse-300x225.jpg" alt="Bellotto-Rahmen auf der Brühlschen Terrasse - Photo von Martin Höppl" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Bellotto-Rahmen auf der Brühlschen Terrasse - Photo von Martin Höppl</p></div>
<p>Der Gasanbieter mit dem durchaus sonderbaren Namen <a href="http://www.gluecksgas.de/wirueberuns.html">Glücksgas</a> wurde jüngst auserkoren, als Namensgeber für das gerade fertiggestellte <a href="http://www.gluecksgas.de/wirueberuns.html">Dynamo-Stadion</a> (vormals Rudolf-Harbig-Stadion) von „<a href="http://www.architekten-rostock.de/">Beyer + Partner Architekten</a>“ aus Rostock herzuhalten. Das Stadion am Dresdner Volkspark liegt nur etwa 2 km Luftline von der Waldschlösschenbrücke entfernt. Der unmittelbar neben dem, nach dem jüdischen Arzt und Bankier benannte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Arnhold">Georg-Arnhold</a>-Bades gelegene Millionenbau soll einem zeitweise mit der Insolvenz kämpfenden Fußballclub als Spielstätte dienen. Zudem hatte der Verein in den letzten Jahrzehnten zu Recht mit einem durchaus zweifelhaften Ruf zu kämpfen. Geradezu albtraumhaft erlebte etwa auch ich eine Zugfahrt von der Lausitz in die sächsische Landeshauptstadt vor ein paar Jahren: Der Zug war voll besetzt mit alkoholisierten, agressiven <strong>Schlachtenbummlern</strong>, die nicht davor zurückscheuten antisemitisches und rassistisches Liedgut zum Besten zu geben… Wie tiefgreifend die jüngsten Maßnahmen von Fanprojekten waren bleibt abzuwarten. Da der Verein nicht der Besitzer des Stadions ist, hatte er wohl kaum Mitspracherechte bei der Umbenennung des Stadions.</p>
<p>Mittlerweile ist die Praxis Sportstadien und Stadthallen nach Sponsoren zu benennen allgemein etabliert. Während noch vor wenigen Jahren lediglich verdienten Persönlichkeiten wie Fritz Walter die Ehre zu Teil wurde ein Bestandteil des kollektiven Namensgedächtnisses zu werden, genügt kulturelles und soziales Kapital heute offensichtlich nicht mehr für eine prominente Widmung. So wurde etwa das ehrwürdige Westfahlenstadion in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Signal_Iduna_Park">Signal Iduna Park</a> umbenannt (wohl gemerkt ohne Bindestriche), oder die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Veltins-Arena">Sportarena auf Schalke</a> erhielt den Namen des Bierproduzenten Veltins. Das Hamburger Volksparkstadion heißt derzeit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Imtech_Arena">Imtech Arena</a> und hat seit 2001 bereits viermal den Namen gewechselt. Bekanntheit erreichte auch die <a href="http://www.shortnews.de/id/463457/Der-Name-Nacktarschhalle-sorgt-in-Kroev-fuer-Unmut">Kröver Nacktarschhalle</a>, benannt nach einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nacktarsch">Moselweinsorte</a>. Können manche Namen noch assoziativ mit einem Sinn gefüllt werden, so etwa bei dem verhältnismäßig kleinen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Trolli_Arena">Playmobilstadion</a> in Fürth (mittlerweile Trolli Arena), oder der FCB/1860-Spielstätte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Allianz-Arena">Allianz-Arena</a> von Herzog &amp; de Meuron, müsste der Otto Normalverbraucher die meisten neuen Namen erst googlen (vgl. die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Fu%C3%9Fballstadien_in_Deutschland">größten Fußballstadien in Deutschland</a>). Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stehen offensichtlich nicht mehr hohes Renommée und Verdienste um die Allgemeinheit, sondern Fragen der Wertsteigerung und Finazoptimierung. Manche Unternehmen versuchen somit ihr <strong>Branding </strong>zu unterstützen, d. h. ihre <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Markenpositionierung">Markenpositionierung</a> zu optimieren.</p>
<p>Es bleibt festzuhalten, dass die Umbenennung in Glücksgas-Stadion nicht von übermäßigem Fingerspitzengefühl zeugt. Die ambivalente und missverständliche Bedeutung des Wortes <strong>„Gas“ in einem historischen Kontext</strong>, dürfte man meinen, sollte eigentlich jedermann bekannt sein. So wurden umgangsprachliche Redewendung, wie etwa „Üben bis zur Vergasung“ glücklicherweise seit längerem in den verbalen Giftschrank verbannt und auch die Formulierung „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Innerer_Reichsparteitag">innerer Reichsparteitag</a>“ bricht sich nurmehr mit unfreiwilliger Komik Bahn (vgl. Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tuqUIUQ0Af0">youtube</a>). Was es über unsere Erinnerungskultur und das <strong>Geschichtsbewußtsein </strong>aussagt, dass Teile des allgemeinen Gedächtnisses von häufig nichtssagenden Konzernnamen geprägt sind, werden zukünftige Generationen neuerlich beurteilen. Was der internationale Umbenennungsboom noch bringen wird bleibt abzuwarten: Auch die Umbenennung des Münchner Hauptbahnhofs (vormals Centralbahnhof) in Munich Re Central Station (vormals <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchner_R%C3%BCck">Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft</a>) wäre vielleicht denkbar. Oder wie wäre es damit, das Brandenburger Tor in Berliner Pilsner Gate umbzubenennen? Vielleicht ließe sich auch der Hamburger Michel als Holsten Tower vermarkten.</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fblog.arthistoricum.net%2Fdresden-stadt-der-skandale%2F&amp;title=Dresden.%20Stadt%20der%20Skandale%3F" id="wpa2a_20"><img src="http://blog.arthistoricum.net/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ein neuer, barocker Klang</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Dec 2010 15:12:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Höppl</dc:creator>
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<p><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Chorraum-Messgerät-am-Gewölbefuß.jpg"> </a></p>
<p>Als sich im Jahre 2000 einzelne Stuckteile losgelöst hatten musste die Abteikirche Dionys und Juliana im Kloster Schäftlarn vorübergehend geschlossen werden, ehe sie mit einem Sicherungsnetz im Langhaus wieder geöffnet werden konnte. Nach Voruntersuchungen zur Instandsetzung wurde 2003 eine Haushaltsunterlage-Bau beim bayerischen Landtag über fast sieben Mio. Euro eingereicht. Im Jahr darauf erfolgte der Bauauftrag und es konnte mit dem ersten Bauabschnitt zur <strong>statischen Sicherung</strong> begonnen werden. Nach und nach verschwanden die Fassade und der Innenraum hinter Gerüsten. Unter grundsätzlicher Beibehaltung des barocken Bausystems wurde 2005/06 insbesondere der Dachstuhl statisch abgesichert, wobei vorhandene Provisorien zurückgebaut wurden. Mit hydraulischen Hebevorrichtungen versucht man den deformierten Dachstuhl wieder in die Form zu bringen. 2007 erfolgte die Wiederherstellung von Turm und Fassade in der alten Fassung (zu den Daten vgl. Dipfl. Ing. FH Alfred Floßmann über die <a href="http://www.abtei-schaeftlarn.de/kircherestaurierung.htm">Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte</a>).</p>
<p><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Innenraum.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-3248" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Innenraum.jpg" alt="" width="233" height="175" /></a><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Chorraum-Messgerät-am-Gewölbefuß.jpg"> <img class="size-full wp-image-3249    " src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Chorraum-Messgerät-am-Gewölbefuß.jpg" alt="Photo Martin Höppl" width="234" height="175" /></a></p>
<p>Kloster Schäftlarn, Abteikirche St. Dionys und Juliana, Innenraum sowie Chorraum, Messgerät am Gewölbefuß oberhalb des Gesimses &#8211; Photos Martin Höppl</p>
<p>Die Planungs- und Baugeschichte der Abteikirche liest sich wie ein <strong>Who&#8217;s Who der  Barockkunst</strong>. Neben Giovanni Antonio Viscardi, der 1707 die Pläne lieferte, sowie Francois Cuvilliés d. Ä., der den Bau 1733-40 begann, finden sich die illustren Namen Johann Baptist Gunetzrhainer und Johann Michael Fischer, die den Bau 1751-60 vollendeten. Kloster Schäftlarn gehört somit zu denjenigen Bauten, in denen der bayerische Spätbarock seine finale Blüte erreichte. Dazu kommt noch die vortreffliche Innenausstattung durch den Maler und Stukkateur Johann Baptist Zimmermann (1754-56). Johann Baptist Straub lieferte bis 1764 Altäre und die Kanzel. Diese Meister ihrer Zunft formten ein spätbarockes Gesamtkunstwerk, dem die Generalsanierung der letzten Jahre gegolten hat. Zur Geschichte des (Prämonstratenser-)Klosters, das 762 gegründet und 1040 erneuert wurde, vgl. die <a href="http://www.abtei-schaeftlarn.de/kunststart.htm">Seite der Abtei</a>.</p>
<p>Auf die Sicherungsarbeiten folgte seit 2008 der zweite Bauabschnitt mit der <strong>Innenrestaurierung</strong>. Nachdem man eine Musterachse im Chorraum angelegt hatte, stellte man sukzessive das Erscheinungsbild des gesamten Kirchenraumes wieder her. An Weihnachten war nun auch wieder der Klang der Barockorgel zu vernehmen, die nach wie vor teilweise eingerüstet ist. Das Instrument stammt von Anton Bayr (1716-1792), der über 150 Orgeln baute, u. a. auch für die Klöster Tegernsee, Neustift bei Freising und Raitenhaslach (vgl. die Seite <a href="http://www.orgelgalerie.de/index062.html">Orgelgalerie</a> mit Bildern der eingerüsteten Kirche und der Orgel). Auch das Altarretabel ist mittlerweile nicht mehr durch ein Duplikat verhängt. An den Wandpfeilersockeln im  Langhaus und in den Abseiten sind zudem Kabelschächte der ehemaligen Elektrifizierung zu erkennen. In diesem Bereich werden noch Putzarbeiten anfallen. Mit der Restaurierung hielt Hightech in der Klosterkirche einzug. So wurden am Gewölbefuß, oberhalb des Gesimses hoch sensible Messgeräte installiert, die ständig die Gewölbestatik überprüfen und etwaige Bewegungen registrieren.</p>
<p><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Orgelempore-eingerüstete-Orgel.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-3252" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Orgelempore-eingerüstete-Orgel.jpg" alt="Photo Martin Höppl" width="241" height="180" /></a><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Wandpfeiler-Sockel-Mauerwerk.jpg"> <img class="alignnone size-full wp-image-3253" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Wandpfeiler-Sockel-Mauerwerk.jpg" alt="Photo Martin Höppl" width="241" height="180" /></a></p>
<p>Westempore mit teilweise eingerüsteter Orgel, sowie unverputzter Sockel der nördlichen Abseite (Wandpfeiler) &#8211; Photos Martin Höppl</p>
<p>Bis Sommer werden die letzten Restaurierungsarbeiten abgeschlossen sein. Schon jetzt erstrahlt der Innenraum in neuem Glanz. Wie immer nach Renovierungskampagnen an spätbarocken Raumschalen, verblüffen die <strong>Helligkeit und Buntfarbigkeit</strong> der gereinigten Fresken und vergoldeten Rocaillen. Vielerorts müssen sich Ortsansässige erst daran gewöhnen, dass ihre vormals in gedeckten Tönen gehaltene Kirche nun wie Marzipan und Lametta glänzt. Ein vergleichbarer Effekt war auch nach der Wiedereröffnung der Dresdner Frauenkirche zu beobachten, bei der nicht die Farbigkeit des frühen 20. Jahrhunderts, sondern annäherungsweise die Fassung der Erbauungszeit (1726-43) rekonstruiert worden war. Jede Restaurierung ist eben auch zu einem Teil eine Rekonstruktion, wenngleich man heute glücklicherweise meist nicht mehr versucht, einen purifizierten Ursprungszustand zurückzugewinnen.</p>
<p><a href="../wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Sch%C3%A4ftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Hauptfassade-mit-Infotafel-zur-Restaurierung.jpg"><img src="../wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Sch%C3%A4ftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Hauptfassade-mit-Infotafel-zur-Restaurierung.jpg" alt="Photo Martin Höppl" width="232" height="309" /></a><a href="../wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Sch%C3%A4ftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Infotafel-zur-Restaurierung.jpg"></a><a href="../wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Sch%C3%A4ftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Infotafel-zur-Restaurierung.jpg"> <img src="../wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Sch%C3%A4ftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Infotafel-zur-Restaurierung.jpg" alt="Photo Martin Höppl" width="232" height="309" /></a></p>
<p>Hauptfassade und Infotafel &#8211; Photos Martin Höppl</p>
<p>Auf der Tafel zur „Instandsetzung der Klosterkirche St. Dionys und Juliana in Schäftlarn“, die vor einigen Jahren neben der Hauptfassade aufgestellt wurde, finden sich die <strong>Basisdaten</strong> zur aktuellen Kampagne: Als Bauherr wird das Bayerische Staatsministerium für Untericht und Kultus genannt, als Nutzer die Benediktinerabtei Schäftlarn. Die technische und geschäftliche Oberleitung liegt beim Staatlichen Bauamt München 1. Außerdem beteilitgten sich zahlreiche Planungs- und Ingenieursbüros sowie Restauratoren und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Zahlreiche private Spender, die für einzelne Teilstücke der Malereien gewissermaßen Patenschaften übernommen haben, haben die Restaurierungsarbeiten möglich gemacht.</p>
<p><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Spendentafel.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-3254" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Spendentafel.jpg" alt="Photo Martin Höppl" width="242" height="180" /></a><a href="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Hauptfresko1.jpg"> <img class="alignnone size-full wp-image-3255" src="http://194.95.145.75/wp-content/uploads/2010/12/Kloster-Schäftlarn-Abteikirche-St.-Dionys-u.-Juliana-Hauptfresko1.jpg" alt="Photo Martin Höppl" width="241" height="180" /></a></p>
<p>Spendentafel und Hauptfresko &#8211; Photos Martin Höppl</p>
<p><strong>Ausflugstipp</strong>: Für alle Barockfans bietet sich im Frühjahr und Sommer ein Ausflug zum Kloster Schäftlarn an. Man erreicht es einfach per S-Bahn. Von der Haltestelle Ebenhausen-Schäflarn aus benötigt man zu Fuß etwa 20 Minuten. Der <a href="http://maps.google.de/maps?q=kloster+sch%C3%A4ftlarn&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;sa=N&amp;hl=de&amp;tab=wl">Fußweg</a> zweigt am nördlichen Ortsausgang (B11/Wolfratshausener Str.) vom Rodelweg ab und stößt gegenüber der Kirche auf die Klosterstraße. An dieser Stelle steht auch ein altes Schulgebäude für das bisher (offensichtlich) die Gelder zur notwendigen Instandsetzung gefehlt haben.</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fblog.arthistoricum.net%2Fein-neuer-barocker-klang%2F&amp;title=Ein%20neuer%2C%20barocker%20Klang" id="wpa2a_24"><img src="http://blog.arthistoricum.net/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Pausanio &#8211; Kunst und Kultur durchs Ohr</title>
		<link>http://blog.arthistoricum.net/pausanio-kunst-und-kultur-durchs-ohr/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 08:24:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hubertus Kohle</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kunsthistorische Berufe]]></category>
		<category><![CDATA[Publizistik]]></category>
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		<description><![CDATA[Eigentlich ist es nicht Sinn dieses blogs, auf kommerzielle Angebote hinzuweisen. Ich mache hier eine Ausnahme, weil mir dieses Projekt so ungewoehnlich scheint, dass es unbedingt bekannt werden sollte. Ueber pausanio kann man auf Hoerfuehrer zu Kunstdenkmaelern zugreifen und sich mit dem Knopf im Ohr direkt begleiten lassen. Man kennt das ja: In der schoenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich ist es nicht Sinn dieses blogs, auf kommerzielle Angebote hinzuweisen. Ich mache hier eine Ausnahme, weil mir dieses Projekt so ungewoehnlich scheint, dass es unbedingt bekannt werden sollte.</p>
<p>Ueber <a href="http://www.pausanio.de">pausanio</a> kann man auf Hoerfuehrer zu Kunstdenkmaelern zugreifen und sich mit dem Knopf im Ohr direkt begleiten lassen. Man kennt das ja: In der schoenen Rokokokirche liegt ein Schnell und Steiner-Fuehrer aus, alternativ hat man den Dehio in der Tasche. Beides ist eher unpraktisch und empfiehlt sich eher als Vorbereitung eines Besuches, denn am Ort selber will man doch eher gleich loslegen. Mit einem Hoerfuehrer, der den Besucher direkt durch die Oertlichkeiten fuehrt, geht das viel bequemer. Okay, es ist vielleicht zu bequem, aber die Macher von pausanio muessen natuerlich auf (Kultur)Touristen setzen, wenn sie auch geschaeftlich Erfolg haben wollen, und da duerfte das Konzept stimmig sein.</p>
<p>Voerlaeufig ist das Angebot noch einigermassen beschraenkt, aber es wird kontinuierlich wachsen. Man kann die Fuehrer kaufen oder mieten &#8211; zu ganz unterschiedlichen, aber akzeptablen Preisen. Und das Allerbeste: Ueber ein internetfaehiges Handy kann ich mir die Hoerfuehrer auch erst am Ort herunterladen und muss nicht immer schon alles in der Planung beruecksichtigen!</p>
<p>Was fuer Perspektiven! Fuer die Kunst und fuer deren Bearbeiter/innen! Fuer die Kunst, weil &#8211; ganz im Sinne des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/The_Long_Tail">long tail</a> &#8211; jetzt auch weniger bedeutende, zweitrangige, selten besuchte Denkmaeler mit einem Angebot versehen werden koennen. Fuer die Bearbeiter/innen, weil hier natuerlich ein ungeheures Wirkungsfeld wartet, das sich noch dadurch potenziert, dass man auf Dauer gesehen unterschiedliche Charakteristika der Fuehrer vorsehen kann: Der Koelner Dom in 10, 30 oder 60 Minuten,  fuer Kinder oder fuer Erwachsene, als Kunstwerk oder als Monument der Christenheit,  auf deutsch, englisch oder chinesisch, etc. pp.</p>
<p>Spannend ist das Projekt auch, weil es von professionellen Kunsthistorikern gemanagt wird und damit als einer der in den Geisteswissenschaften ja nicht eben verbreiteten spinoffs in die Wirtschaft gelten kann. Ich hoffe, Sie sind mit mir der Meinung, dass man dem Unternehmen Glueck wuenschen sollte!</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fblog.arthistoricum.net%2Fpausanio-kunst-und-kultur-durchs-ohr%2F&amp;title=Pausanio%20%26%238211%3B%20Kunst%20und%20Kultur%20durchs%20Ohr" id="wpa2a_28"><img src="http://blog.arthistoricum.net/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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