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»This is a PRANK or something, right? I’m being PUNKED.« Intermedialität und Meta-Referenzialität in Night of the Living Deadpool

[English version below]

Bunn, Cullen (W)/Rosanas, Ramon (A), Deadpool: Night of the Living Deadpool (Night of the Living Deadpool 1). New York: Marvel Worldwide, 2014, entnommen aus: ReadComicOnline  [Letzter Zugriff: 15.09.2016]. 
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Bunn, Cullen (W)/Rosanas, Ramon (A), Deadpool: Night of the Living Deadpool (Night of the Living Deadpool 1). New York: Marvel Worldwide, 2014, entnommen aus: ReadComicOnline <http://readcomiconline.to/Comic/Night-of-the-Living-Deadpool/Issue-1?id=13011#7> [Letzter Zugriff: 15.09.2016].
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In diesem panel vereinen sich die beiden wichtigsten Besonderheiten der Comic-Erzählungen um den Superhelden Deadpool: Intermedialität und Meta-Referenzialität. Deadpool kommentiert mit diesem Ausspruch die Situation in dem Heft Night of the Living Deadpool #1. Die vier Hefte umspannende und für sich allein stehende Erzählung versetzt den Superhelden in ein zombieapokalyptisches setting. Intratextuell wird Deadpools Unkenntnis um die Veränderungen  in der Umgebung mit einem »food coma« erklärt, aus dem er erst nach ein paar Tagen erwacht. Dieses Essenskoma ist eine Parodie auf viele Filmanfänge des Zombiegenres (u.a. THE WALKING DEAD, 28 DAYS LATER). In diesen erwacht ein Patient in einem verlassenen Krankenhaus aus einer lang anhaltenden Bewusstlosigkeit oder einem Koma und wird dann zusammen mit dem Rezipienten mit den neuen Umständen infolge der Zombieapokalypse konfrontiert.

In der Situation, in der der Superheld spricht, ist er alleine. Innerhalb des Comics gibt es keinen Empfänger. Somit gibt es zwei Möglichkeiten für den Kommunikationsversuch: Einerseits könnte der Kommentar als gescheiterte Kommunikation oder als Selbstgespräch gewertet werden oder aber – und dafür spricht die frontale Blickrichtung – als Kommunikation mit dem Comic-Leser oder Comic-Produzenten. Die vierte Wand wird hierbei durchbrochen und der Handlungsträger tritt mit dem extratextuellen Nachrichtenempfänger direkt in Kontakt. Folglich ist sich der Comic-Akteur seiner Rolle als Comic-Figur meta-referenziell bewusst und hinterfragt sie.

Dazu nutzt Deadpool eine Medien-Referenz auf ein Format des Musiksenders MTV aus den 2000ern. In der Show MTV PUNK’D führte Ashton Kutcher Prominente aus Film, Musik und Fernsehen hinters Licht und spielte ihnen Streiche. Während der ersten Staffel benutzte Kutcher bei der Auflösung der pranks die Phrase »You’ve just been punk’d!« Das neu geschaffene Partizip »punked« setzte sich seitdem in der Umgangssprache für den Zustand eines Scherzopfers durch.

Das Spiel mit Zitaten und Anspielungen wird in Night of the Living Deadpool ekstatisch betrieben und evoziert bei Erkennen der Referenz humoristische Momente. Aufgrund des Handlungsraumes werden insbesondere auf namenhafte Vertreter des Zombiegenres verwiesen. Hier werden sowohl kanonisierte Klassiker, wie Sergio Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD – bereits im Titel des Comics angedeutet –, als auch moderne teils humoristische Interpretationen des Zombiethemas, wie Zombieland, verwendet.
Die Referenzen in Night of the Living Deadpool bilden eine Film- und Fernsehgeschichte der letzten Jahrzehnte ab. Die Spanne reicht von Filmen aus den 50ern (TIME ENOUGH AT LAST, S. 1.10) über Sitcoms aus den Jahren 1965-1992 (GREEN ACRES, S. 2.9; MAYBERRY, S. 2.19; GOLDEN GIRLS S. 1.8) zu populären Serien (THE WALKING DEAD, S. 2.9-11) und aktuellen Filmen (I AM LEGEND, S. 1.10). Auch musikalisch wird die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts (u. a. Rush – The Working Man, S. 4.10) angerissen und aktuelle Popmusik-Phänomene (One Direction, S. 2.3) parodiert. Insgesamt konnten 20 verschiedene Titel identifiziert werden, auf die in den vier Heften der Reihe referiert wird. Es scheint, dass Deadpool sich nicht nur seiner eigenen Comic-Medialität bewusst ist, sondern seine Identität sich aus Referenzfacetten konstituiert.

Bunn, Cullen (W)/Rosanas, Ramon (A), Deadpool: Night of the Living Deadpool (Night of the Living Deadpool 3). New York: Marvel Worldwide, 2014, entnommen aus: ReadComicOnline  [letzter Zugriff: 15.09.2016]. 
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Bunn, Cullen (W)/Rosanas, Ramon (A), Deadpool: Night of the Living Deadpool (Night of the Living Deadpool 3). New York: Marvel Worldwide, 2014, entnommen aus: ReadComicOnline <http://readcomiconline.to/Comic/Night-of-the-Living-Deadpool/Issue-3?id=13013&readType=0#9> [letzter Zugriff: 15.09.2016].
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Im dritten Heft der Reihe gelangt der Superheld in die wohl behütete und von der Zombieapokalypse verschonte Stadt »New Harper’s Ferry«. Der Name rekurriert auf einen kleinen Ort in West-Virginia, der während des amerikanischen Bürgerkrieges zwölfmal die Seiten wechselte und um die eine Schlacht im Jahre 1862 stattfand. Entscheidender noch ist die Rolle der Stadt in der Vorgeschichte des Bürgerkrieges als John Brown, ein Abolitionist, versuchte durch die Bewaffnung von schwarzen Sklaven einen Sklavenaufstand anzuzetteln. Die Anlage der Comic-Stadt ähnelt dem Luftbild der realen amerikanischen Kleinstadt sehr.
Im linken panel wird erneut auf das historische Erbe der Stadt angespielt, da sich ein Bürgerkriegsfriedhof innerhalb der Stadt befindet. Diskutiert wird über die Gefahr, die von dem Friedhof ausgeht, da Deadpool befürchtet, dass die Verstorbenen als Zombies ihren Gräbern entsteigen könnten. Er wird gefragt, ob er nicht wisse, wie lange der Bürgerkrieg her sei. Seine Antwort verwundert und gibt gleichzeitig ein wichtiges Indiz auf seine Selbstwahrnehmung, seinen Charakter und auch seine intermediale Identität. Anstatt auf reale Begebenheiten zu verweisen, referiert Deadpool erneut auf mediale Ereignisse.

Zunächst spricht er einen Konflikt innerhalb des Marvel-Universums an, dem er ja selbst angehört. »Cap«, Nickname des Superhelden Captain America, und Iron Man bekriegen sich in einer Comic-Reihe aufgrund eines moralischen Dilemmas. Da zwei Superhelden untereinander Krieg führen, betitelte der Verlag Marvel den Konflikt mit »Civil War«. Letztes Jahr erschien zudem auch der Kinofilm unter dem Titel CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR. Die andere Referenz spielt auf die Miniserie FACKELN IM STURM (im Englischen NORTH AND SOUTH) an. Dort spielten Patrick Swayze und James Read Kontrahenten im amerikanischen Bürgerkrieg. Somit meint Deadpool in der zweiten Referenz das korrekte historische Ereignis, kann aber nur medial auf ihn verweisen. Selbst dieser Verweis ist zudem kryptisch. Wäre es eine rein mediale Referenz, müsste Deadpool Orry Main und George Hazard benennen, die Rollen die Swayze und Read in der Serie spielen. Jedoch benutzt der Superheld die Namen der realen Schauspieler. Die Grenze zwischen Realität und medialer Fiktion wird aufgebrochen und verschwindet. Deadpools Identität ist im wahrsten Sinne des Wortes intermedial. Sie existiert zwischen den Medien und schwankt zwischen extratextueller Realität und intermedialer und intratextueller Fiktion.

Diese Auflösung der Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion ist zutiefst postmodern. Im Zeitalter des »Anything goes!« spielt sie auch keine Rolle, da die Vorstellung der Unterscheidbarkeit selbst fiktiv ist. Diese geradezu nihilistische Postmodernität ist stilprägend für die Abenteuer von Deadpool und insbesondere für die Night of the Living Deadpool-Reihe. Gesteigert und immer weiter ins Absurde getrieben wird das Thema der Postmoderne in der auf die Night of the Living Deadpool aufbauenden Reihe Return of the Living Deadpool.

-    To be continued

[English version] »This is a PRANK or something, right? I’m being PUNKED.« Intermediality and meta-referentiality in Night of the Living Deadpool

Bunn, Cullen (W)/Rosanas, Ramon (A), Deadpool: Night of the Living Deadpool (Night of the Living Deadpool 1). New York: Marvel Worldwide, 2014, retrieved from: ReadComicOnline  [Last access: 15.09.2016]. 
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Bunn, Cullen (W)/Rosanas, Ramon (A), Deadpool: Night of the Living Deadpool (Night of the Living Deadpool 1). New York: Marvel Worldwide, 2014, retrieved from: ReadComicOnline <http://readcomiconline.to/Comic/Night-of-the-Living-Deadpool/Issue-1?id=13011#7> [Last access: 15.09.2016].
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In this panel, both of the Deadpool’s major features merge: Intermediality and meta-referentiality. Deadpool is commenting on the basic situation in the first issue of the Night of the Living Deadpool series. This independent narration covered by four issues puts the superhero in a zombie-apocalyptic setting. Within the narrative, Deadpool’s lack of knowledge about the changes in his environment is explained with a »food coma«, from which he has just woken up. This food coma is a reference to and a parody of many film beginnings of the zombie genre (e.g. The Walking Dead, 28 Days later). In those beginnings, usually, a patient wakes up in an abandoned hospital and is introduced to and confronted with the new circumstances, along with the recipient.
In the situation above [panel], the superhero is alone. Within the comic, a receiver for the verbal message does not exist. Therefore, there are only two possibilities for an attempt to communicate: The commentary on the situation could be seen on the one hand as a failed communication or a monologue, and on the other – as Deadpool’s gaze indicates – as a successful communicative act towards the reader or comic producer. The fourth wall is hereby broken and the agent is directly interacting with the extratextual receiver. Thus, the comic character is self-aware of his function as a comic character, meta-referentially, and questions it.

In this situation, Deadpool uses a media-reference of a MTV-series from the 2000s, which featured pranks on celebrities. While explaining the situation at the end, Kutcher used the phrase »You’ve just been punk’d!« in the first season of the show. This newly created participle describing the status of being tricked found its way to colloquial language, afterwards.

Quotations and references are used ecstatically and evoke a humorous moment when identified. Due to the setting of the series, prominent representatives of the zombie genre are referred to most frequent. The comic series picks up both genre classics, such as Sergio Romero’s Night of the Living Dead, – already indicated by the comic’s title – and modern and humoristic interpretations of the topic, such as Zombieland, equally.

The references in Night of the Living Deadpool display the history of film and TV of the last decades. They range from films of the 1950s (Time enough at last, p. 1.10), through sitcoms between 1965-1992 (Green Acres, p. 2.9; Mayberry, p. 2.19; Golden Girls, p. 1.8), to popular TV series (The Walking Dead, p. 2.9-11) and current films (I am Legend, p. 1.10). Even music of the second half of the 20th century (e.g. Rush – The Working Man, p. 4.10) is mentioned and current pop-phenomena are parodied (One Direction, p. 2.3). All combined, 20 different titles could be identified, to which Night of the Living Deadpool refers. (There are probably far more). It seems, as Deadpool is not just self-aware of his comic-character-status but his whole identity is constituted by facets of references.

Bunn, Cullen (W)/Rosanas, Ramon (A), Deadpool: Night of the Living Deadpool (Night of the Living Deadpool 3). New York: Marvel Worldwide, 2014, retrieved from: ReadComicOnline  [Last access: 15.09.2016]. 
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Bunn, Cullen (W)/Rosanas, Ramon (A), Deadpool: Night of the Living Deadpool (Night of the Living Deadpool 3). New York: Marvel Worldwide, 2014, retrieved from: ReadComicOnline <http://readcomiconline.to/Comic/Night-of-the-Living-Deadpool/Issue-3?id=13013&readType=0#9> [Last access: 15.09.2016].
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In the third issue of the series, the superhero arrives at a well-protected town untouched by the zombie-apocalypse. The town is called »New Harper’s Ferry« referring to an existing town in West-Virginia, which switched sides twelve times during the Civil War. Even a battle was hold over the dominance of the town in 1862. But even more important is the role of Harper’s Ferry at the outbreak of the Civil War, when John Brown, an abolitionist, tried to arm black slaves to instigate a riot.

The Civil War cemetery shown in the comic alludes to the historical legacy of the town, too. As shown above, Deadpool discusses the danger of the town’s cemetery fearing that the dead could arise as zombies. He is asked, if he does not know, how long ago the Civil War was. His answer is puzzling but at the same time gives an important hint on his self-perception, his character and even his intermedial identity. Instead of referring to ‘real’ historical events, he names media-events.

First, he mentions a conflict within the Marvel Universe, which he himself belongs to. »Cap«, nickname of the superhero Captain America and Ironman fight against each other due to a moral dilemma in a comic series called »Civil War«. In 2016, even a film was released concerning the conflict. The other reference is taken out of the TV series North and South, in which Patrick Swayze and James Read play the main roles dealing with the American Civil War. Therefore, Deadpool is referring to the correct historical event, but is only able to do so by using a media-reference. Even this is rather cryptical. If it had just been a media-reference, he would have mentioned the actors by using their character-names. He, however, uses the real names of the actors. The border between reality and medial fiction is breached and vanishes. Deadpool’s identity is in the full sense of the word intermedial. It exists between media and sways between extratextual reality and intermedial and intratextual fiction.

The dissolution of the differences between reality and fiction is deeply postmodern. In the age of »Anything goes!« it just does not matter because even the idea of differentiation is fictional itself. This nihilistic postmodernity has a huge influence on the adventures of Deadpool, but especially in the Night of the Living Deadpool-series. This topic is however going to be increased and taken to an absurd limit in the following series Return of the Living Deadpool.

-    To be continued

 


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